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Von Franz Holtmann
Ist eine Parlor-Gitarre nicht so ein zierliches Dameninstrument, das sich leicht spielt, vor allem aber zum kleinen Schwarzen gut aussieht? Klein, zierlich und gut zu spielen stimmt zwar, aber man unterschätze die Kleinen nicht. Warum sollte das in der Welt der Gitarren auch anders sein als in der des Menschen?
Henning Doderer ist ein Meister seines Fachs und ein alter Hase dazu. Er baut in Waldems im Taunus eine bunte Vielfalt von Zupfinstrumenten. Das Repertoire reicht von der Mandoline über die Konzertgitarre bis hinunter zum Bass, aber auch Steelstrings, Gypsy-, Folk-, Jazzgitarren und weiteres gehören zu seinem Programm. Natürlich werden Kundenwünsche bei der Planung und Realisierung des persönlichen Instruments gern erfüllt, zudem Reparaturen aller Art professionell ausgeführt.
Konstruktion
Das Parlor-Modell von Henning Doderer ist zunächst einmal ein optischer Leckerbissen. Das verdankt die Kleine neben ihrer Decke aus Alpenfichte mit attraktivem Wimmerwuchs („schwingende“ Jahresringe) der Verwendung von schön strukturierter heimischer Kirsche für den zweiteilig spiegelgleich gefügten Boden und die ebenso verarbeiteten Zargen. Bemerkenswert ist die Konstruktion der Kuppeldecke, welche in eine gewölbte Form hinein gebaut wird. Getragen wird diese bauchige Decke von einem speziellen Beleistungssystem aus Fichte, im Prinzip ein quer liegendes V mit Öffnung im Bass, vier Quer- und Stabilisierungsleisten, sowie fünf sich leicht öffnende Strahlenleisten. Bodenleisten, Ober- und Unterklotz bestehen aus Cedro. Decke und Boden sind an den Zargenrändern von feinen, mehrfach geschichteten Zierspänen eingebunden – und die Delikatesse, mit der das Schallloch verziert ist, erschließt sich erst auf den zweiten Blick.
Der Hals der Parlor, keineswegs dem Korpus entsprechend klein dimensioniert, sondern kraftvoll breit ausgelegt, besteht aus Cedro. Im Griffbrett aus Ebenholz sitzen 22 (!) sauber verarbeitete schlanke Bünde, die letzten zwei davon auf einer bis in das Schallloch vorgezogenen Nase. Punkteinlagen aus Perlmutt markieren die Lagen. Lediglich der untere Teil des in gutem Winkel herausgeführten Kopfes wurde angesetzt, die Front bekam einen Layer aus Taunuspflaume. Der Zugang zum eingelegten Halsstab ist mit einem zierlichen Plättchen aus Ebenholz abgedeckt. Angemessen erscheinen die hochwertigen offenen Mechaniken mit Griffen aus Ivoroid sowie Laufbuchsen innen und außen im Fenster. Ein weiteres Schmankerl ist der kunstvoll geschnitzte Steg aus Ebenholz samt Pins aus Galalith mit Perlmuttauge. Die Einlage aus gelblichem Knochen korrespondiert optisch mit dem Sattel, der die Saiten auf einen Nullbund führt. Die Mensur umfasst volle 65 cm.
Sinnvollerweise unsichtbar wurde dem schönen Instrument ein Tonabnahmesystem implantiert. Das AER AK 15 umfasst einen Piezo-Pickup im Steg und ein Mikrofon am Vorverstärker im Korpusinneren. Zwei oben unter das Schallloch montierte Drehregler kontrollieren die Lautstärke und den Mikrofonanteil am verstärkten Signal. Die zur Spannungsversorgung nötige Batterie findet sich in einem kleinen Softbag mit Klettverschluss unter dem Griffbrett; der Gurtpin ist zugleich Kabelbuchse. Die Parlor ist rundum kunstvoll und mit gutem Auge für das Detail gebaut und mit Zwei-Komponenten Acryllack dünn versiegelt.
Handhabung und Klang
Das Halsprofil der Doderer Parlor ist vollkommen erwachsen, bietet also guten Platz für die Finger und fühlt sich rundweg geschmeidig an. Bereits die ersten Akkorde verraten, dass wir es hier mit einem großartigen Instrument zu tun haben. Gemessen am Korpusvolumen ist schon erstaunlich, was die Kleine zu sagen hat – und sie spricht mit sonorer Stimme und gewähltem Ausdruck. Das Klangbild ist keineswegs gestaucht oder unvollständig, sondern umfasst mit wunderbar austariertem Frequenzbild alle wesentlichen Farbbereiche in harmonischer Ergänzung.
Natürlich hat die Parlor nicht den Wumms einer Dreadnought, doch keineswegs ist hier schlank und fein mit flach und blass zu verwechseln. Das Instrument klingt durchsetzungsstark und präsent, ohne sich plakativer Mittel bedienen zu müssen. Die Summe der Stimmen findet zu harmonischem Klang und runder Geschlossenheit, die Feingliedrigkeit der obertonreichen Klänge scheut keine Vergleiche. Sehr schön klingt Doderers Parlor-Steelstring auch in den mittleren Lagen, man schmeckt förmlich das Holz; ja selbst die hohen Töne, wenngleich schwer zu erreichen, verfügen noch über guten Atem und bemerkenswerte Festigkeit. Schnell reagiert die Kleine auf den Anschlag, lässt Klänge farbreich aufblühen und folgt elastisch den Intentionen des Spielers in Sachen Tonformung und Artikulation. Wenngleich in erster Linie als ideales Fingerpicking-Instrument zu sehen, so sind auch mit dem Plektrum erstaunlich differenzierte und sensitiv steuerbare Klänge in verschiedenen Anschlagsregistern zu erzielen. Die Strahlkraft dieser Gitarre ist phänomenal.
Nun verfügt diese handliche Parlor als Extra über ein Tonabnehmersystem, das weder Optik noch akustische Potenz im Geringsten einschränkt. Erfreulich natürlich, dass es darüber hinaus auch noch bestens funktioniert. Die elektrische Tonübertragung über das AER AK 15 gefällt mit gutem Tiefgang und transparent zeichnenden Klängen, die bis in mittlere Lautstärken hinauf recht rückkopplungsfest und authentisch die hohe Klanggüte der Parlor darzustellen wissen.
Fazit
Wunderbare Gitarre! So ein lieblicher und zugleich präsent kraftvoller Klang ist mir in der Gattung der Parlor Steelstrings lange nicht untergekommen. Henning Doderer hat dieses kleine Instrument mit derart viel klanglichem Charme ausgestattet, dass einem glatt das Herz aufgeht. So geschmeidig und süß, so leichtfüßig und offen reagiert es auf den Anschlag. Diese expressive Klanggüte ist interessanterweise heimischem Tonholz zu verdanken. Die Taunuskirsche reflektiert den wohl vornehmlich der in Kuppelbauweise erstellten Decke aus Alpenfichte abgewonnenen substanzreichen Ton wunderbar definiert und mit silbrig seidigem Glanz. Da freut sich das Ohr über die ausgeglichene Balance der elegant und harmonisch interagierenden Stimmen im Akkord und den immensen Glanz, in dem Melodien kraftvoll erstrahlen. Der Preis ist angesichts der Einzelfertigung und brillanten Klangqualität dieses Parlor-Modells in akustischer wie elektrischer Hinsicht als tendenziell günstig einzustufen. Es ist nicht zu überhören: ich hab‘ mich verliebt. Was wohl meine Frau dazu sagt?
Technische Daten
Hersteller Henning Doderer
Modell Parlor
Typ Parlor
Herkunft Deutschland
Korpus Taunus-Kirsche, massiv
Decke Alpen-Fichte, Wimmerwuchs, massiv
Binding Palisander, mehrfach unterlegt
Verbalkung Kuppeldecke, V-Bracing
Hals Cedro
Griffbrett Ebenholz
Bünde 22, schlank
Mechaniken Gotoh, Messing, offen mit Ivorid-Griffen
Sattel/Stegeinl. Knochen/Knochen
Mensur 65 cm
Halsbreite Sattel 47 mm/12. Bund 57 mm
Finish Zwei-Komponenten Acryl-Lack, Hochglanz
Pickup AER AK15+
Besonderheiten Kuppeldecke
Preis € 2.350 (mit Koffer)
Vertrieb Henning Doderer, 65529 Waldems
Info www.doderer-guitars.de
AKUSTIK-GITARRE-CD
Ein Shuffle-Blues bildet die Basis unseres Audio-Beispiels mit der Doderer-Parlor. Die Begleitgitarre ist im Fingerstyle eingespielt und steht im ersten Chorus zum genauen Hören allein. Der zweite Durchgang bringt ein intensiv phrasiertes Solo (gespielt mit Plektrum). Einspielung: Andreas Schulz
Henning Doderer - Parlor Modell - Song
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Von Christian Veith
Der Name ist Programm. Stanfords 46er-Serie richtet sich an alle, die den Komfort eines breiteren Griffbretts schätzen. Zwei Korpusformen und acht verschiedene Holzkombinationen ergeben ein reichhaltiges Buffet für jeden Geschmack.
Der Wunsch nach einem breiten Griffbrett wurde ursprünglich im Lager der Fingerstyler geboren. Erstaunlich scheint also, dass Stanford neben einer Grand Auditorium den Dreadnought-Korpus in die 46er-Reihe aufgenommen hat. In der Schlachtschiff-Klasse tummeln sich bekanntlich mit Vorliebe die Flatpicker. Die Lösung des Rätsels gibt’s weiter unten.
Konstruktion
Die D2 erscheint in einer geschmackvoll abgestimmten Mischung aus Zurückhaltung und Eleganz. Gedeckte Brauntöne und matter Lackauftrag bestimmen das Gesamtbild. Während das Finish auf der Decke geschlossen ist, wurde an Zargen, Boden und Hals auf einen Porenfüller verzichtet. Tiefgründig, fast plastisch schimmert das Tortoise-Binding am Korpus und Griffbrettrand. Eine ähnliche Farbtönung taucht auch in den Holzeinlagen der Schallloch-Rosette auf. Die Mini-Dots der Bundmarkierungen wirken unauffällig, während die Goldmechaniken mit den Perloid-Fügeln hervorstechen.
Neben dem breiten Griffbrett wirbt Stanford mit einer „ultraleichten Verbalkung“ für „schnellste Tonansprache“. Die Kreuzschenkel sind im Profil V-förmig, mit leichter Flankenrundung und natürlich scalloped. Eine besonders große Stegplatte sorgt für Stabilität im Ankerbereich der Saiten. Die großen Querleisten nehmen in der Stärke nach hinten zu leicht ab, behalten jedoch einen weitgehend geraden Kammverlauf. Alle Balken sind überdurchschnittlich sauber abgerichtet. Bemerkbar macht sich die Leichtigkeit dieser Verbalkung durch eine deutliche Außenwölbung der Decke.
Pickup und Elektronik
Sämtliche 46er-Modelle sind mit dem Headway „Sheer Acoustic“-System bestückt (siehe auch Test Stanford 46-G56 in AG 5-2009), bestehend aus einem koaxialen Stegpiezo und dem Vorverstärker in der vorderen Zarge. Der Preamp bietet vierfache Klangregelung (High, High-Mid, Low-Mid, Low) mit deutlich gerasterten Schiebereglern. Das Hauptvolumen steuert ein griffiges Drehpoti, das hier allerdings einen etwas wackeligen Eindruck machte. Direkt neben dem Bedienfeld sitzt das Batteriefach für den 9-Volt-Block. Bei abnehmender Leistung warnt eine kleine LED. Ein schönes Detail ist die spezielle Präparierung des Stegstäbchens für den runden Pickup: Zum besseren Kontakt wurde der Auflagenbereich leicht ausgehöhlt.
Handhabung und Klang
Die moderate Halsstärke und die gleichförmige C-Rundung der Stanford D2-Dreadnought schaffen ein Greifgefühl ohne Unwuchten oder Sperrigkeit. Der Hals der Test-D2 war kerzengerade justiert, ohne die übliche leichte Kehlung. Da die Saitenlage vor allem auf der Bass-Seite relativ niedrig gelegt war, trat bei kräftigem Anschlag Saitenklirren auf. Kleine Ungleichheiten fanden sich bei den Saitenabständen, und die ansonsten saubere Bundierung war seitlich stellenweise etwas scharfgratig abgerichtet.
Der erste Klangeindruck ist richtig groß, vor allem für ein Instrument mit laminiertem Korpus. Dreadnought-gemäß kommt ordentlich Druck von unten, Mitten und Höhen sitzen weit und offen darüber. Und das alles mit tatsächlich pfeilschneller Ansprache schon bei zarter Spielweise. Damit beweist die D2, dass auch eine Dreadnought ein ausgezeichnetes Fingerstyle-Instrument hergeben kann. Auch ohne Fingerpicks lassen sich Schichten und Stimmen mühelos ausarbeiten und trennen, die Register schön differenzieren. Dabei steht der Ton stabil und profund im Raum. Obwohl nicht dafür ausgelegt, bleibt sie auch bei härteren Gangarten mit Plektrum- oder Pick-Einsatz weitgehend gutmütig. Der Klangcharakter ist typisch für Zeder/Mahagoni: Holzig-trocken im Grundton, aber mit weichem Oberton-Firnis abgeschmeckt.
Der Headway-Pickup bringt die ausgezeichneten akustischen Eigenschaften mit kleinen Abstrichen über die Rampe. Die für Piezos typische leichte Härte, die er über den Sound legt, kann man mit EQ-Einsatz reduzieren; nachbessern sollte der Hersteller beim Abgleich der Saitenlautstärken.
Fazit
Zusammenfassung: Großer akustischer Dreadnought-Ton, absolut Fingerstyle-tauglich, gutmütig beim Strumming. Auch Einzeltöne und kräftig angeschlagene Akkorde meistert die Stanford D2 mühelos. Die angesprochenen Kritikpunkte ließen sich durch verbesserte Montage und Justierung vermeiden.
Technische Daten
Hersteller Stanford
Modell 46-D2-CM-ECW
Typ Dreadnought
Herkunft Konzept Deutschland/Fertigung China
Korpus Sapeli Mahagoni, gesperrt
Decke Zeder, massiv
Binding Tortoise
Verbalkung X-Bracing
Hals Mahagoni
Griffbrett Palisander
Bünde 20, jumbo
Mechaniken vergoldet, Perloid
Sattel/Stegeinl. Kunststoff
Mensur 650 mm
Halsbreite Sattel 45,75 mm/12. Bund 56,25 mm
Halsansatz 14. Bund
Pickup Headway Piezo
Vorverstärker Headway SA2
Finish matt
Preis € …. (ohne Koffer)
Vertrieb i-music Network
Info www.i-musicnetwork.com, www.headwaymusicaudio.com
AKUSTIK-GITARRE-CD
Ein Folk-jazziges Fingerstyle-Motiv eröffnet den „Stanford-Song“ auf unserer CD. Im weiteren Verlauf umspielen sich zwei Gitarrenstimmen, das Ganze mündet in ein mit Plek gespieltes Single-Note-Solo. Einspielung: Andreas Schulz
Zu hören ist dieses Instrument auf unserer Begleit-CD.
Stanford 46-D2-CM - Song
Stanford 46-D2-CM - Pickups









