Dänisches Gitarrenfestival
DVD Ahmed El-Salamouny
AG Doppel-CD bestellen ...
Aktuelle Ausgabe: 2/2010


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Wallis Bird

Wallis Bird

13.03. Berlin, Lido
14.03. Dresden, Scheune
16.03. München, 59to1
17.03. Stuttgart, Die Röhre
18.03. Wiesbaden, Schlachthof
19.03. Köln, Gebäude 9
21.03. Hamburg, Übel & Gefährlich
12.04. Münster, Gleis 22
13.04. Karlsruhe, Jubez
14.04. Freiburg, Jazzhaus
15.04. CH-Aarau, Kiff
17.04. CH-Biel, St.Gervais
19.04. Erfurt, Museumskeller
20.04. Leipzig, Moritzbastei
21.04. Würzburg, Posthalle
23.04. AUT-Wien, Flex
26.04. AUT-Graz, PPC
27.04. AUT-Salzburg, Rockhouse
28.04. Erlangen, E-Werk
29.04. Heidelberg, Halle 02
01.05. Duisburg, Hundertmeister
02.05. Bremen, Tower
03.05. Hannover, Musikzentrum

Weitere Präsentationen:

 
Stevens AG-P Steelstring
Eigenständige Form mit weit geschnittenem Cutaway: Stevens AG-P
Eigenständige Form mit weit geschnittenem Cutaway: Stevens AG-P
Instrument mit Charakter und feinem Ton
Instrument mit Charakter und feinem Ton
Interessante Details bei Kopfplatte und Schallloch
Interessante Details bei Kopfplatte und Schallloch

Von Franz Holtmann

Rasante Form – elegantes Styling: Das neue Steelstring-Modell AG-P von Stevens ist keineswegs nur ein augenfälliges Instrument, gespickt mit vielen delikaten optischen Details, es überzeugt auch mit beeindruckenden Spiel- und Klangeigenschaften.

Stevens Custom Guitars gibt es seit 1993. Die Gitarrenbauer Werner Kozlik und Stefan Zirnbauer haben es sich zum Ziel gesetzt, die perfekte Gitarre für die persönlichen Vorstellungen ihrer Kunden zu bauen. Auf Basis einer Reihe von Grundmodellen ist es dem Auftraggeber möglich, eigene Vorstellungen realisieren zu lassen oder gleich eine komplette Sonderanfertigung in Auftrag zu geben. Gebaut wird weitgehend von Hand auf Grundlage ausgesuchter massiver Tonhölzer.

Konstruktion

Das Design des Modells AG-P folgt dem Grundgedanken, ein neues, besonders komfortabel zu spielendes Instrument zu schaffen. Formal betrachtet liegt eine OM-Form zugrunde, die mit stärker gerundeten Schultern und breiterer Taille zu einer eigenen Form weiterentwickelt wurde. Auffällig ist zunächst der tief herunter gezogene Cutaway, der nicht nur die hohen Bundlagen frei zugänglich macht, sondern überdies optisch reizvolle Spiegelungen im originell geschnittenen Schallloch und in der Kopflatte erfährt. Für den Korpus wählte man gut gewachsenes indisches Palisanderholz, das für den gewölbten Boden über einen von Zierspänen flankierten Fugenstreifen aus rötlichem ostafrikanischem Muninga gefügt wurde. Auch die edlen Korpus-Bindings wurden aus diesem schönen Holz geschaffen. Die exquisite Decke aus Sitka-Haselfichte, ebenfalls spiegelbildlich gefügt, wird von einem neuen Balkensystem getragen, das aus einer Kombination von Kreuzbalken und Parallelsystem besteht. Eine Ausspiegelung des Korpusinneren zeigt die saubere Ausführung der akribisch bearbeiteten Beleistung. Zu finden ist hier auch der Zugang zum eingelegten Stellstab des Halses.

Das stilistisch geschmackvoll geschnittene Schallloch wird durch eine eingelegte dunkle Holzrosette betont. In Höhe des 14. Bundes trifft der Mahagonihals auf den Korpus. Eine Kombination aus Schraub- und Leimverbindung festigt die vom Cutaway her geöffnete Konstruktion. Das Griffbrett aus Ebenholz ist mit eingelegten Schleifen aus Padouk und Anegre (Aningré) verziert; eingelegte Ovale aus dunklem Holz in den Bindings aus Muninga weisen uns den Weg zur richtigen Tonhöhe. Das sind weitere schöne Details, für deren Fertigstellung man eine Computerfräse einsetzte. Auf der bis ins Schallloch vorgezogenen Griffbrettnase findet sich ganz oben noch das 23. Bundstäbchen der perfekt abgerichteten und glänzend polierten schlanken Bundierung. Der kleine, oben angeschnittene Kopf trägt einen dezent eingebundenen Layer aus Ebenholz sowie vergoldete Schaller-Mechaniken mit Ebenholzgriffen. Ästhetisch bestens angepasst ist dann auch der fein gestaltete Steg aus Palisander, dessen saitentragende Einlage (wie auch der Sattel) sauber eingerichtet wurde. Das stimmige Design der AG-P überzeugt rundum mit bestens austarierten Proportionen und vielen kleinen, geschmackvollen Details, die sich aber dem Gesamtbild zwanglos unterordnen. Die Lackierung ist ebenfalls perfekt, alle Arbeiten atmen gitarrenbauerische Passion.

Handhabung und Klang

Ein Design mit tief ausgeschnittenem Cutaway verringert natürlich das Korpusvolumen und damit die durch das Spiel bewegte Luftmenge, was sich auch bei diesem Stevens-Modell AG-P in einem schlanken Basstonbereich bemerkbar macht. Gitarren, die alle Frequenzbereiche gleichmäßig liefern, gibt es eigentlich jede Menge – Charakter bezieht ein gutes Instrument doch eher durch individuelle Merkmale, durch spezielle Farben und Eigenheiten, die sein Naturell erst besonders machen. So kann die Stevens AG-P, bedingt durch ihre Formgebung und das spezielle Beleistungssystem, mit einem ungemein charmanten Klangvermögen jenseits des weit verbreiteten Mainstream-Sounds aufwarten, das dennoch immer verbindlich, ja irgendwie vertraut bleibt, da es in sich harmonisch bestens gerundet ist. Auf die schlanken, aber gut konturierten Bässe baut der übrige Tonbereich mit eleganter Selbstverständlichkeit. Warme Mitten, offen und silbrig tönende Höhen sorgen für eine leichtfüßige, luftig transparente Darstellung von Akkorden. Melodiespiel profitiert von der standfesten Artikulation gehaltener Töne und dem flüssig perlenden Transport schnell gespielter Linien. Lediglich der hohe Tonbereich auf den Basssaiten fällt in Sachen Tonlänge etwas ab, aber der spielt bei den meisten Spielweisen sowieso nicht die große Rolle. Im Gegenzug bietet die Gitarre ein ausgesprochen schönes Timbre, das, von einer farbreichen Obertonaura durchwebt, klangorientiertes Spiel famos unterstützt. Zur Handhabung sei noch vermerkt, dass sich ein tief geschnittenes Cutaway wie dieses schon an der Grenze des Möglichen bewegt. Eben gerade noch wird die sichere Auflage auf dem Knie gewährleistet. Dafür freut sich die linke Hand über den bestens bespielbaren hohen Tonbereich. Ansonsten bietet der komfortabel geformte Hals mit seiner perfekten Bundierung uneingeschränkte Spielfreude. Mit dem Plektrumspiel kommt das handliche Instrument zwar auch gut zurecht, reagiert schnell und dynamisch auf den Anschlag; in Fingerstyle-Techniken aber erschließt sich noch eher seine feine innere Klangstruktur, die sich in ätherisch luftigen Klängen offenbart. Dennoch ist diese Gitarre letztlich etwas für den Individualisten, für jemanden, der etwas anderes sucht als den tendenziellen Einheitsklang der modernen Steelstring. Wie schön, dass solche Ansprüche heute von kleinen feinen Firmen wie Stevens mit stimmigen und gut klingenden Instrumenten wie der AG-P erfüllt werden können.

Fazit

Die Münchner Gitarrenbauer legen mit der Steelstring AG-P ein interessantes neues Modell vor, das in Design und Klang eigene Wege beschreitet. Die elegante zeitgemäße Formgebung verbindet ansprechende Optik mit hoher Funktionalität und famoser Klanggestaltung. Gebaut wurde die Gitarre auf Grundlage bester Tonhölzer und mit gediegener, aber auch nach vorn gewandter Gitarrenbaukunst, die dem Detail viel Aufmerksamkeit widmet. Das Modell stellt mit seinem tiefen Zargenausschnitt den hohen Tonbereich uneingeschränkt frei, der optimale Zugang zum Griffbrett fördert die solistische Ambition. Vor allem aber besitzt die Gitarre ein eigenes, offen und frei tönendes Klangvermögen, das seinen Charme gerade aus der Positionierung leicht außerhalb des klanglichen Gemeinplatzes bezieht. So etwas nennt man Charakter, und davon kann es bekanntlich gar nicht genug geben. Der Preis für dieses aufwändig gearbeitete Instrument ist angemessen, eine etwas einfachere Grundversion gibt es ab € 2.900 €.

Technische Daten

Hersteller            Stevens
Modell                    AG-P
Typ                            OM, abgewandelt
Herkunft                Deutschland
Korpus                    indischer Palisander, massiv
Decke                        Sitka-Haselfichte, massiv
Binding                    Muninga
Verbalkung            X-Bracing plus Parallelsystem
Hals                            Mahagoni
Griffbrett            Palisander
Bünde                        23, schlank
Mechaniken            Kluson-Style, verchromt
Sattel/Stegeinl.        Knochen
Mensur                         64,5 cm
Halsbreite                    Sattel 45 mm/12. Bund 55 mm
Finish                            Korpus Hochglanz, Hals seidenmatt
Besonderheiten        eigenständiges Design
Preis                               € 3.590 (mit Hiscox-Koffer)
Vertrieb                       Stevens Custom Guitars/München
Info                                www.guitars.de

AKUSTIK-GITARRE-CD

Unsere Klangcollage mit zwei Gitarren-Tracks, Synthesizer und Perkussion beginnt im Ambient-Sektor und arbeitet sich in einen World-Groove vor. Stevens‘ AG-P behauptet sich mit ihrem feinen Klangcharakter im offenen Rubato-Teil wie im dichten Rhythmus-Getümmel.

Einspielung: Andreas Schulz

Zu hören ist dieses Instrument auf unserer Begleit-CD.

 
Breedlove C25/CR Herringbone
Made in USA, vollmassiv, extravagante Formensprache: Breedlove C25/CR
Made in USA, vollmassiv, extravagante Formensprache: Breedlove C25/CR
Problemlos auf der Bühne dank Cutaway und Pickup
Problemlos auf der Bühne dank Cutaway und Pickup
Zackige Form bei Kopfplatte und Steg
Zackige Form bei Kopfplatte und Steg

Von Peter Autschbach

Breedlove Guitars gibt es seit beinahe 20 Jahren, die Produktion der Pro-Serie wurde jüngst von Korea zurück in die USA verlegt, sodass die gesamte Modell-Palette jetzt zu 100 Prozent als Made in USA bezeichnet werden kann.

Im Gegensatz zu anderen Breedlove US-Modellen sind bei den Pro- und Roots- Modellen keine Custom-Optionen möglich, sie können daher zu einem günstigen Kurs angeboten werden. Die vorliegende, optisch ansprechende und vollmassive Gitarre besitzt ein Tonabnehmersystem von L.R. Baggs, einen Cutaway und den J.L.D.-Bridge-Truss, der ähnlich wie der Stimmstock einer Geige funktioniert.

Konstruktion

Die Breedlove C25/CR hat eine ebenmäßig gemaserte Zederndecke, Boden und Zargen bestehen aus Palisander; alle Hölzer sind vollmassiv. Der Hals aus Honduras-Mahagoni ist angenehm schlank, der Hals-Korpus-Übergang befindet sich am 14. Bund. Der sogenannte Soft-Cutaway erleichtert das Spiel in den hohen Lagen. Ein Herringbone-Binding umschließt die Decke der durchgängig in Hochglanz lackierten Gitarre. Das Binding des Bodens besteht aus Ivoroid. Das Breedlove-Logo in der Kopfplatte wurde ebenso wie die Schallloch-Rosette aus Abalone gefertigt, Griffbrett und Steg (optisch sehr reizvoll) bestehen aus dunklem Ebenholz. Die Pearl-Dots auf dem Griffbrett sind asymmetrisch angebracht und sehen dadurch sehr edel aus. Der hintere Gurtpin dient als Klinkenbuchse, ein zweiter befindet sich auf der Unterseite des Halsfußes. Die geschlossenen, verchromten Mechaniken stammen von Gotoh.

Breedlove verwendet zwischen Korpus und Hals eine Schraubverbindung. Diese wurde (nicht nur von Breedlove) im Lauf der Jahre immer weiter perfektioniert und hat laut Hersteller keinerlei klangliche Nachteile mehr. Der große Vorteil ist aber, dass eine Schraubverbindung im Zweifelsfall den Service erleichtert. Im Falle eines Halsproblems (Bruch, Twist, Halswinkelkorrektur) kann dieser vom Korpus gelöst und ausgetauscht werden. Die D-förmige Halsrückseite wurde nach der Hochglanzlackierung seidenmatt poliert. Es gibt kein Schlagbrett, wer viel Strumming spielt, wird daher das Finish der Decke schnell ruinieren. Eine der seit kurzem im Handel erhältlichen statisch haftenden transparenten Schlagfolien kann hier Abhilfe schaffen.

Beim Blick in den Korpus fällt ein ungewöhnliches Bauteil auf: Das quaderförmige J.L.D.-Bridge-Truss stellt eine veränderbare Verbindung zwischen Decke und Zarge des Instruments her – in der Wirkungsweise ähnlich dem Stimmstock einer Geige, wobei dieser Decke und Boden verbindet und nachträglich nicht mehr einstellbar ist. Ursprünglich war die J.L.D.-Bridge ein nachträglich in die Gitarre zu montierendes Accessoire. Es sollte Instrumente, deren Decke eingefallen war, stabilisieren und wieder spielbar machen. Dabei stellte man fest, dass die Konstruktion Einfluss auf den Ton der Gitarre hat. Kim Breedlove hat das System früh übernommen, es stellt heutzutage ein wichtiges Merkmal fast aller Breedlove-Gitarren dar. Die C25/CR ist absolut makellos verarbeitet, zum Lieferumfang gehört ein stabiler Koffer.

Pickup und Elektronik

Das eingebaute Tonabnehmersystem ‚Element Active‘ von L.R. Baggs lässt sich über eine Bedieneinheit im Schallloch steuern, was eine Fräsung in der Zarge unnötig macht (siehe auch den Testbericht der L.R. Baggs Pickups in dieser Ausgabe!). Man sieht, dank des Endpin-Preamps, von außen nur die Klinkenbuchse im Gurthalteknopf, der Einbau des Systems ist ohne Verunstaltung des Instrumentes zu machen. Die Schalllochregler justieren Lautstärke und Klang, der Klangregler bietet eine Mittelrasterung.

Handhabung und Klang

Die Werkseinstellung wird für die meisten Spieler passend sein. Die Breedlove C25/CR ist sehr leicht und komfortabel bespielbar, was vor allem an den Halsmaßen und der matten Oberfläche der Halsrückseite liegt. Man kann die Saitenlage sogar noch etwas flacher einstellen. Der Klang ist voll und warm, bei ebenfalls gut ausgeleuchteter Brillanz. Beim Strumming macht dieses Instrument eine hervorragende Figur, hervorgerufen durch die Kombination von geschmeidigen Höhen und angenehm sanft drückenden Bässen. Die mittleren Frequenzen mischen in ausgewogenem Verhältnis mit und sorgen dafür, dass sich die Gitarre im Ensemble und auf der Bühne äußerst gut durchsetzt.

Das J.L.D.-Bridge-Truss-System dürfte einen merklichen Anteil an dem Klang haben, denn die C25 ist im besten Sinne volltönend. Single-Note-Läufe klingen auf der optisch sehr ansprechenden Gitarre ebenfalls ausgewogen, und so macht die Breedlove für fast alle Einsatzzwecke eine sehr gute Figur. Sie ist nicht auf Fingerstyle-Spielweise optimiert, aber auch Gitarristen dieser Fraktion werden den Klang mögen. Der Tonabnehmer überträgt das Signal ausgewogen, man kann die Gitarre problemlos auf der Bühne einsetzen – auch bei hohen Lautstärken, denn der Pickup ist nicht Feedback-anfällig.

Fazit

Auf der Endorser-Liste von Breedlove Guitars finden sich neben Madonna auch bekannte Gitarristen wie David Knopfler oder Ed Gerhard. Wer die C25/CR Herringbone spielt, wird feststellen, warum die Gitarre bei Endorsern so beliebt ist, denn sie ist ein angenehm zu handhabendes Bühnen-Instrument. Neben attraktiver Optik bietet sie einen feinen akustischen und verstärkten Ton, lässt sich sehr leicht bespielen und wartet dazu als vollmassives Made-in-USA-Instrument mit einem günstigen Preis-Leistungsverhältnis auf. Während der Testphase wurde das Instrument im Studio für eine CD-Produktion eingesetzt – und meisterte diese Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit.

Technische Daten

Hersteller                Breedlove
Modell                         C25/CR Herringbone
Typ                                 Deep Concert mit Soft-Cutaway
Herkunft                   USA
Korpus                        AAA-Grade Palisander, massiv
Decke                           AAA-Grade Rotzeder, massiv
Binding                       Ivoroid, Herringbone
Verbalkung              scalloped X-Bracing, J.L.D. Bridge-Truss
Hals                             Mahagoni
Griffbrett                Ebenholz
Bünde                         20 Standard
Mechaniken              geschlossen, Gotoh Chrome
Steg                            Winged, pinless string-thru, Ebenholz
Sattel/Stegeinlage        Tusq
Mensur                      64,8 cm
Halsbreite                Sattel 44 mm/12. Bund 54 mm
Finish                           Hochglanz, Halsrückseite matt
Preis                           € 1.990
Vertrieb                    Musik Meyer
Info                              www.breedlovemusic.com

AKUSTIK-GITARRE-CD

World-Jazz mit Gitarre und Percussion – unter diesem Motto steht unser Klangbeispiel mit der Breedlove C25/CR, deren warmer Ton sich dabei gut behaupten konnte.

 
Larson Bros.
Prairie State SJ Style 2-ES
Historischer Name, top-modernes Instrument: Larson Bros. Prairie State SJ Style 2-ES
Historischer Name, top-modernes Instrument: Larson Bros. Prairie State SJ Style 2-ES
Klingt druckvoll und Frisch, spielt sich gut, sieht gut aus
Klingt druckvoll und Frisch, spielt sich gut, sieht gut aus

Von Franz Holtmann

Die Brüder Carl und August Larson sind Gitarrenbaulegende. Sie schufen bis Anfang der Vierzigerjahre unter verschiedenen Markennamen historisch hoch bedeutsame Gitarren-Designs. Sich ihres Namens für moderne Nachahmungen serieller Herstellung zu bedienen, grenzt in den Augen mancher Liebhaber und Kenner der Originalinstrumente an Vermessenheit. Ob die Prairie State SJ dennoch klingt? Hören wir einmal genauer hin.

Die berühmten Brüder bauten ihr Leben lang emsig Gitarren, nie aber unter eigenem Namen. So kann es zumindest nicht zu Verwechslungen mit den viel gelobten Originalen kommen. Ärgern sollten sich die Nachfahren der Larsons, die sich die Rechte am berühmten Namen nicht gesichert haben. ‚Prairie State‘ war eine der Brands, unter denen die Larsons Instrumente fertigten, und damit hat das vorgelegte Modell natürlich ansonsten wenig gemein. Gebaut werden die Gitarren in einer separaten Produktionslinie bei Furch in Tschechien. Die Pläne und die für den Bau notwendigen Vorrichtungen entwickelte der Gitarrenbauer Roman Zajícek von Rozawood.

Konstruktion

Bei der vorliegenden Prairie State handelt es sich um ein Modell im Small-Jumbo-Format. Die Zargen und der gewölbte, aus zwei Teilen über einen hellen Zierspan spiegelgleich gefügte Boden wurden aus massivem indischem Palisander gefertigt. Die plan belassene zweiteilige Decke aus künstlich gealterter Fichte (vorgeblich ein Verfahren aus dem historischen Cellobau) zeigt schöne parallele Maserung. Ein Blick mit dem Spiegel auf die Deckenbebalkung zeigt das Bemühen um Annäherung an ein spezifisches Baudetail der Larsons: die Sandwich-Bauweise der Leisten, ein „laminated bracing“ aus Fichte und Palisander, in die Produktion eingebracht von Roman Zajícek, der im übrigen das Bracing-Pattern aus Larson-Vorlagen entwickelt hat. Ein umlaufendes Mehrfach-Binding aus Kunststoff gibt der Decke Schutz und optische Kontur. Das Schallloch ist an der Innenseite ebenfalls mit einem cremefarbenen Binding abgeschlossen und mit schlichten Ringeinlagen aus Kunststoff verziert.

Der Hals aus Mahagoni erhielt ein gefälliges Shaping und ist mit dem Korpus verschraubt; das Griffbrett aus Ebenholz wurde mit schlanken, sauber verarbeiteten Vintage-Style-Bünden ausgestattet. Historisch angelehnte „Larson Flower Inlays“ und Dots markieren die Lagen an den üblichen Stellen. Der leicht abgewinkelte Kopf ist mit einem eingebundenen Layer aus Ebenholz besetzt und präsentiert das Firmenlogo. Offene Vintage-Mechaniken von Gotoh mit Butterbean-Knöpfen sehen nicht nur gut aus, sondern geben auch verlässliche Stimmung. Der Hals wurde mit einer leichten Einlage aus Carbon stabilisiert (tube in tube system), verfügt also nicht über den sonst üblichen Stellstab. Der Sattel besteht wie auch die Einlage im schmalen Ebenholzsteg aus hartem Kunststoff (Tusq). Der Steg ist in der Form den alten Originalen nachempfunden. Steckerchen aus Ebenholz sorgen für sichere Befestigung der Saiten. Abgesehen von einigen Annäherungen im Detail hat die vorgelegte Konstruktion also kaum etwas mit den alten Larson-Instrumenten zu tun. Man muss diese Prairie State SJ Style 2-ES folglich eher als modernes Konstrukt mit Vintage-Optik sehen. Die Gitarre ist rundum sauber gefertigt, ihr Korpus wurde mit einer hochglänzenden, der Hals mit einer seidenmatten Lackierung versiegelt.

Handhabung und Klang

Die Prairie State SJ Style 2-ES spielt sich mit ihrer kleinen Jumbogröße und ansprechend profiliertem Hals bei flach eingerichteter Saitenlage uneingeschränkt angenehm. Klanglich haben wir es natürlich nicht mit dem charmanten Ton eines historischen Instruments der großen alten Schule zu tun. Das zu erwarten wäre vermessen. Das Aussehen mag auf alt getrimmt sein, heraus kommt aus dieser Mini-Jumbo aber ein durchweg moderner Klang, den wir für sich selbst sprechen lassen müssen – es macht wenig Sinn, ihn mit den alten Larsons zu vergleichen, die kaum ein Gitarrist aus eigener Anschauung kennt und schon gar nicht im Neuzustand gehört hat. Das einmal vorausgesetzt, tritt mit diesem SJ-Modell ein durchweg interessantes und gut klingendes Instrument auf den Plan. Frei, groß und offen tönt es bei kraftvollem Akkordanschlag mit dem Plektrum, sensibel und feingliedrig reagiert die Gitarre aber auch auf das Fingerstyle-Spiel. Dennoch wird schon vom Format her wohl eher der Plektrum-Spieler zu diesem Instrument greifen. Stramm und konturstark im Bass, warm gerundet und tragfähig in den Mitten, dazu klar definiert im Diskant vermag das Instrument mit einem druckvollen, dabei aber dennoch auffallend differenzierten und harmonisch geschlossenem Klangbild zu überzeugen. Der Ton reagiert schnell auf den Anschlag hin, die einschwingenden Obertöne geben Akkorden ein farbreiches Timbre. Melodiespiel kann sich auf eine gute Tonlänge und ein ausgeglichenes Schwingungsverhalten stützen, Eigenschaften, die auch in den höheren Lagen noch Bestand haben und die musikalische Ambition fördern. Die Fingeraktion wird kraftvoll und plastisch umgesetzt, Verzierungen kommen leicht und luftig ins Leben. Das alles wird von einem obertonreichen und volltönend orchestralen Timbre getragen, das zwar nicht dem suggeriert alt und fein aufgelöst tönenden Klangbild entspricht, dafür aber aktuellen Ansprüchen absolut gerecht wird. Wer weiß, vielleicht haben ja die heute altehrwürdigen Larson-Acoustics in ihrer Jugend ähnlich frisch geklungen.

Fazit

http://www.kysermusical.com

 

Die Larson Bros. Prairie State SJ Style 2-ES ist eine Gitarre mit durchweg guten Klangeigenschaften, die von einigen nachempfundenen Details abgesehen nicht viel mit den alten Originalen der Namensgeber gemein hat. Betrachtet man diese Gitarre vorurteilsfrei und ohne zwanghafte Assoziation aufgrund des Label-Namens, so entdeckt man ein modernes Instrument, dessen offen temperamentvolles Tonverhalten sich dem Plektrum-Spieler wie dem Fingerstyler gutwillig und unterstützend öffnet. Das Klangverhalten ist gekennzeichnet von beachtlicher Präsenz und druckvoller Lautstärke. Gute Ausgeglichenheit in den Stimmen, die in harmonischer Interaktion ausgesprochen vital klingen und mit frischen, tendenziell silbrig hellen Farben antreten, als auch das stabile Schwingverhalten selbst in hohen Lagen sind weitere Pluspunkte für dieses kraftvoll modern tönende Instrument. Die Gitarre ist aus guten Materialien sauber gefertigt, sie sieht ansprechend aus und spielt sich gut. In ihrer Preiskategorie stellt die Prairie State SJ Style 2-ES damit ein interessantes Angebot dar, das hiermit zum persönlichen Test empfohlen sei. 

TECHNISCHE DATEN

Hersteller            Larson Bros.
Modell                     Prairie State SJ Style 2-ES
Typ                             Small Jumbo
Herkunft               Tschechien
Korpus                    indischer Palisander, massiv
Decke                       Fichte, massiv (gealtert)
Binding                    Kunststoff
Verbalkung           modifiziertes X-Bracing
Hals                          Mahagoni
Griffbrett            Ebenholz
Bünde                      20, schlank
Mechaniken           Gotoh, Vintage-Style
Sattel/StegeinL  Tusq
Mensur                   65 cm
Halsbreite            Sattel 45,5 mm/12. Bund 56  mm
Finish                       Korpus Hochglanz, Hals matt
Besonderheiten        laminated bracing, historisierende Details
Optionen                SJ-Versionen in Mahagoni und geflammtem Ahorn
Preis                         € 1.890 (mit Koffer)
Vertrieb                 i-music network
Info                         www.i-musicnetwork.de; www.larsonbros.de 

AKUSTIK-GITARRE-CD

Ein Folk-Jazz-Duett auf unserer CD zeigt den obertonreichen Klang der Prairie State Jumbo, der den Pickings der Begleitung ebenso Glanzlichter verleiht wie der Melodie. Im Studio machte sich der ausgeglichene Klang ohne jede störende Resonanz positiv bemerkbar.

 
Kyser Kapodaster
Orchestraler Klang: die Sonntag 18 Zoll
Bunte Vielfalt – die Kyser Partial-Capos
Partial Capos: Drop-D, Double-Drop-D, Open-G und DADGAD

Von Andreas Schulz

Die Kapodaster von Kyser gehören für viele Akustikgitarristen zur Standard-Ausstattung. Speziell der Quick-Change Kapo ist weltweit bekannt und oft gesehen.

Nun hat der Hersteller sein Programm um eine ganze Reihe interessanter Partial-Capos erweitert. Partial-Capos? Diese recht speziellen Utensilien drücken nicht alle Saiten auf das Bundstäbchen, sondern nur ausgesuchte. Und ermöglichen dadurch „offene“ Stimmungen, ohne das Instrument umstimmen zu müssen.

Basis ist jeweils der Quick-Change-Kapo, ein stabil aus Metall gebautes, elegant geschwungenes Teil, das mittels nicht einstellbarer Federkraft die Saiten herunterdrückt. Alle mit der Gitarre in Berührung kommenden Stellen sind gepolstert, das Gummimaterial hat genau die richtige Festigkeit, um saubere Töne ohne großes Nachstimmen zu ermöglichen. Den Namen „Quick-Change“ tragen die Kyser Kapos zu Recht, denn meist genügt ein Handgriff, das Teil sitzt und man kann losspielen. Die Maße sind so gewählt, dass man den Kapo auch noch im 9. Bund platzieren kann, etwa um einen Titel wie ‚You’re Beautiful‘ (James Blunt) zu spielen. Neu ist der Standard-Steelstring-Capo in ‚Camouflage‘-Optik (siehe Foto).

Der grüne Drop-D-Kapo umfasst die oberen 5 Saiten, für die tiefste Saite gibt es zusätzlich einen Hebel, mit dem man sogar Hammerings und Pulloffs ausführen kann. Man bekommt eine Art Drop-E-Stimmung (E-H-E-A-C#-F#) oder, wenn alles einen Ton tiefer gestimmt ist, eben Drop-D (D-A-D-G-H-E). Tatsächlich kann man alles fast wie gewohnt in diesem Tuning spielen und zusätzlich mit dem Hebel die tiefste Saite im 2. Bund „greifen“. Äußerst interessant und inspirierend, bestens geeignet für Stücke in D und G, beziehungsweise D-Moll. Um in anderen (auf dem Hals höher liegenden) Tonarten ein solches Tuning zu nutzen, kann man den Drop-D-Capo auch mit dem Standard-Kapo kombinieren.

Nächster Schritt: Der Double-Drop-D-Capo. Hier werden die mittleren vier Saiten erfasst, die entstehende Stimmung bei Montage im 2. Bund ist also E-H-E-A-C#-E; der Hebel für die tiefe Saite steht auch hier zur Verfügung. Klanglich wird es nun schon etwas modaler, da bei manchen Akkorden ganz neue, schwebende Intervalle möglich sind. Auch ganz einfach zu greifende Sachen klingen nun edel und komplex. Man muss sich aber einarbeiten, denn allzu leicht verliert man den Überblick, was denn nun tatsächlich klingt, welche Akkorde in welcher Tonart man spielt.

Oha, ein Open-G-Capo. Dieser weiße Kapo greift die Saiten D-G-H und besitzt einen doppelten Hebel für die beiden tiefen Saiten. Auch hier sind wieder ganz neue Klangfarben möglich, die sich auch aus einfachen Griffmustern ergeben. Schön ertönen auch verschiebbare Intervalle im hohen Register, kombiniert mit den übrigen Leersaiten. Open-G klingt nach Blues – der aber ist aus dem Einsatz dieses Kapos nur schwer herauszuholen. Dafür erhält man als kostenlose Zugabe noch einige wirklich abenteuerliche Flageolett-Möglichkeiten, alles wieder verbunden mit etwas harmonischer Überlegung, vor allem beim Einsatz im Gitarrenduo oder Ensemble.

Letzter Streich: Der Partial-Capo in DADGAD, der A-, D- und g-Saite im 2. Bund abgreift und wieder einen Hebel für die tiefste Saite bietet. Ausgerechnet dieser Kapo ist für unsere Testgitarre mit einer Halsbreite von 47 mm am Sattel minimal zu knapp bemessen und erfasst die g-Saite nur unsauber. Acoustics mit einer Halsbreite von 44 mm stellen aber kein Problem dar. Auch hier wird man auf spielerische Weise neue Klänge erkunden. Jedem der Partial Capos liegt eine kurze Einführung mit einigen Griffdiagrammen bei, geeignet als Erstausstattung. Und dann geht das Experimentieren los. Die Kyser-Kapos sind technisch ausgereift, machen Spaß und erweitern den musikalischen Horizont!

Info: www.kysermusical.com

Preise

Quick-Change Capo ,Camouflage’: € 22,50
K-Lever Drop-D: € 38,50
K-Lever Double Drop-D: € 38,50
K-Lever Open-G: € 38,50
K-Lever Short-Cut DADGAD: € 38,50

AKUSTIK-GITARRE-CD

Zur Demonstration der inspirierenden Klangmöglichkeiten unter Einsatz von Partial-Capoing haben wir zwei Tracks mit dem Drop-D- und dem Double-Drop-D-Kapo eingespielt. Die Hammerings auf der tiefsten Saite wurden mit dem Hebel des Kapos ausgeführt.

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