Dänisches Gitarrenfestival
DVD Ahmed El-Salamouny
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Aktuelle Ausgabe: 2/2010


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Wallis Bird

Wallis Bird

13.03. Berlin, Lido
14.03. Dresden, Scheune
16.03. München, 59to1
17.03. Stuttgart, Die Röhre
18.03. Wiesbaden, Schlachthof
19.03. Köln, Gebäude 9
21.03. Hamburg, Übel & Gefährlich
12.04. Münster, Gleis 22
13.04. Karlsruhe, Jubez
14.04. Freiburg, Jazzhaus
15.04. CH-Aarau, Kiff
17.04. CH-Biel, St.Gervais
19.04. Erfurt, Museumskeller
20.04. Leipzig, Moritzbastei
21.04. Würzburg, Posthalle
23.04. AUT-Wien, Flex
26.04. AUT-Graz, PPC
27.04. AUT-Salzburg, Rockhouse
28.04. Erlangen, E-Werk
29.04. Heidelberg, Halle 02
01.05. Duisburg, Hundertmeister
02.05. Bremen, Tower
03.05. Hannover, Musikzentrum

Weitere Präsentationen:

 
The Leisure Society:
Herzschmerz mit Ente
The Leisure Society
The Leisure Society

Ihr wundervoll animiertes Video zu ‘Save It For Someone Who Cares’ zählt zu den Geheimfavoriten unter den Musikvideos auf YouTube. Ebenso das nette Nonsens-Video zu ‚Come To Your Senses’. Vor allem aber der hübsche Clip vom Mann mit der Ente zu ‚The Last Of The Melting Snow’. Und welche Band würde die Realitätsüberprüfung ihres neuen Song-Materials als Straßenmusiker wagen? Das Londoner Septett macht so etwas.

Die Geschichte der Band beginnt mit dem Ende einer anderen. Gitarrist Nick Hemming hat es aus dem Provinznest Burton-on-Trent bis ins große London geschafft. Er spielt bei der Indie-Band The Telescopes, die einen Plattendeal bei Creation Records ergattern kann und es bis zum Support der Brit-Popper Blur schafft. Und das, obwohl Hemmings erst spät mit 17 zur Gitarre kommt – durch Guns ’N Roses’ ‚Appetite For Destruction’. „Der Moment veränderte mein Leben komplett“ behauptet er felsenfest aber augenzwinkernd. „Ich kaufte mir eine billige Gitarre und verbrachte jede freie Minute mit Üben.“ Eine faszinierende Erfahrung nach ein paar Jahren „stümperhaften Klavierspielens bei den Weihnachtsfesten unserer Familie.“ Doch der Ruhm von Telescope ist kurz. Irgendwann ist es Hemmings leid, vor leeren Clubs zu spielen.

Seinen Enthusiasmus gewinnt er erst wieder, als sein Freund, der Multiinstrumentalist Christian Hardy, anfragt, ob er nicht Interesse an einer Zusammenarbeit habe. „Jedes Mal, wenn wir uns trafen, kam diese Frage, die ich stets höflich ablehnte, da wir uns immer mit gegenseitigem Respekt begegneten. Eines Tages, auf einer Party meiner Ex-Freundin, fragte er mich noch einmal und ich sagte zu. Er ermutigte mich, Songs zu schreiben und gemeinsam live zu spielen.“ Die ersten Konzerte gibt das Duo im legendären 12 Bar Club in der Londoner Denmark Street, wo ein erstes, zartes Fünckchen Magie zu glimmen beginnt, mit herrlich hymnischen Neo-Folk-Pop-Tunes.

Ermutigt von positiven Resonanzen schreiben sie weitere Songs über Filme und Literatur, Katerstimmung und Herzschmerz. Das später daraus resultierende Album ‚The Sleeper’ reflektiert zu großen Teilen das Ende von Hemmings Beziehung und ist obendrein sein persönlicher Katalysator. „Den Song ‚The Last Of The Melting Snow’ habe ich wörtlich genommen in der Sylvesternacht 2006 herausgeheult“, sagt er heute. Welch ein Glück, dieses Unglück. Und was für ein tolles Video - das mit der Ente.

Zusammen rekrutieren Hemmings und Hardy eine Band, die zum akustischen Septett anwächst – die Leisure Society ist vollzählig. Daneben beginnt Hemmings neben seiner Martin D-16GT wie im Rausch alle möglichen Saiteninstrumente zu kaufen, die ihm unter die Finger kommen - Ukulele, Banjo, Mandoline, Sitar. „Ich hab begonnen, Instrumente zu sammeln und so viele wie möglich in unsere Songs einzubauen, denn finde akustische Musik schmeichelt so wunderbar den Ohren. Gerade nachdem ich viele Beach-Boys-Alben gehört mag ich es Songs mit Banjo, Kontrabass, Harmonika oder Oboe zu arrangieren.“ Das Medienecho auf die akustischen Pop-Perlen der Londoner „litte big band“ ist gewaltig. Nicht nur wegen dem Video vom Mann mit der Ente.

CD: The Leisure Society – The Sleeper (PIAS)

Online Info: www.theleisuresociety.co.uk

Weitere New Scene Artikel im Heft 2/10

  • David Lindorfer
  • SWiM
  • Brandi Carlile
  • Jon Gomm
  • The Leisure Society
  • Mission For Two
  • Jon Allen

 

 
Martin Tallstrom:
Gute Entscheidung
Martin Tallstrom
Martin Tallstrom

Behaupten Sie nicht voreilig, Sie hätten noch nie von dem schwedischen Fingerstyler gehört. Möglicherweise ist Ihnen dann ein rasanter Flamenco-Gitarren-Part im Werbespot eines Herstellers von koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken entgangen. Sie mögen auch Sport? Dann erinnern Sie sich vielleicht an ein lustiges Banjo-Lick im Spot eines renommierten Sportschuhherstellers? Ja?: Martin Tallstrom, Gitarrist aus Stockholm, hat beides eingespielt. Und jetzt ein famoses Soloakustikgitarrenalbum.

Geboren in Linköping und mit acht Jahren voll unerklärlicher Liebe (und bohrender Neugier) zum Blues, beginnt er auf einer Nylonstring das Haus seiner akademischen Eltern mit Klang zu füllen. Ein paar Teenagerjahre später sind diese nicht minder genervt, weil Junior seinen Job bei einem renommierten Elektronik-Konzern hinschmeißt, da er „erst mal ein paar Jahre als Freigeist umherziehen“ will. Er bearbeitet dabei die musikalischen Einflüsse seiner Jugend, vom Blues zum Folk, von Westcoast Music bis Bluegrass und klassischer Gitarrenmusik. „Ich nahm Flamenco-Unterricht bei Alberto Vicente und kam im Laufe der Jahre zu der Erkenntnis, dass man auf einer Nylonstring-Gitarre auch einen ordentlichen ‚Twang’-Sound hinbekommt. So kam ich zum Country von Jerry Reed, dann zum Banjo-Spiel von Earl Scruggs und zum Slide-Playing eines Sonny Landreth.“ Mit Erfolg: Zehn Jahre später steht der heute 39-Jährige als Studiogitarrist im Dienst der verschiedensten Künstler und erspielt sich in seiner Heimat einen hervorragenden Ruf. Nebenbei arrangiert er – nur für sich – Songs im Fingerstyle: Traditionals wie ,Fright Train’, Rock-Klassiker wie ,A Whiter Shade Of Pale’ und Pop-Hits wie ‚Forever Young’. Zusammengetragen hat er die nun auf seinem Soloalbum ‚Acoustics’ – Tallstroms zweitem Longplayer. 2001 bereits veröffentlichte er ‚Might Be Movin’ On’, ist aber mit dem einstigen Schnellschuss heute „nicht mehr sonderlich glücklich. Doch zu der Zeit war es das Beste, was ich bieten konnte; da hatte ich noch keine Kontakte zur Musikindustrie und war chronisch pleite.“

Bis 2009 folgt dann eine lange Schaffenspause voller Selbstzweifel, in der sich Tallstrom grundlegende Zukunftsgedanken macht. „Ich war frustriert, wusste nicht recht was ich tun sollte“, sagt er rückblickend. Ein Konzert von Fingerstyle-Superstar Tommy Emmanuel brachgte den Schweden zurück in die Spur. „Durch ihn habe ich gemerkt, dass ich hart an mir arbeiten muss. Ich begann mich voll auf Fingerstyle-Music zu konzentrieren. Und das war die beste Entscheidung meines Lebens!“ Tallstrom veröffentlicht Songs und Workshops auf der Internetplattform YouTube und richtet sich eine Website ein, auf der er „Tabs & Tricks“ anbietet – mit enormem Feedback. „Ich hatte halt so viele Ideen, dass ich sie mit anderen teilen wollte. Und die Resonanz darauf war gigantisch“, freut sich der junge Familienvater. „Genau das hatte ich gebraucht.“

Für den guten Ton auf ‚Acoustics’ sorgen übrigens eine Dreadnought ‚Aurora’, eine ‚Barita’ Baritongitarre und eine ‚Augusta’ Parlourgitarre des finnischen Gitarrenbauers Olav Loef (www.loefguitar.fi). Außerdem kamen im Studio eine Maton EBG808 Artist und eine Alvarez 5220CEQ, eine Supertone Lap Steel aus den Vierzigerjahren, eine Regal Squareneck Resonatorgitarre und eine Tanglewood Mandoline zum Einsatz. Und hoch motiviert denkt Tallstrom schon weiter. Eine Lehr-DVD soll der nächste Schritt sein. „Momentan denke ich an nichts anderes.“ Wir sind gespannt.

CD: Martin Tallstrom – Acoustics (Pine Creek Records)

Online-Info: www.tallstom.com

 

 
Roberto Dalla Vecchia:
Songs und Windeln
Roberto Dalla Vecchia
Roberto Dalla Vecchia

„Es ist nicht einfach, Inspiration für einen neuen Song aus dem Wechseln der Windeln meines Sohnes zu ziehen“, sagt der sympathische Italiener aus Vincenca mit einem Augenzwinkern. Immerhin: keine neue Erfahrung für den Familienmensch – er ist dreifacher Vater. Auch als Musiker ist er erfolgreich, nimmt beständig Alben auf, wie aktuell ‚Unknown Legends’ – sein viertes mittlerweile. Darauf verbindet er wie ein italienischer Meisterkoch die unterschiedlichsten Zutaten zu geschmackvollen Kompositionen. Seit seinem Debüt ‚Open Spaces’ verschmelzt er mit großem Erfolg und ebensolcher Vorliebe amerikanische Roots Musik mit mediterranen Einflüssen und schafft mit versiertem Flatpicking- und Slide-Spiel wundervoll melodiöse Instrumentaltitel. „Ich liebe amerikanische Musik, schätze die Komplexität in ihrer Schlichtheit, aber ich bin auch Italiener und liebe unsere Melodien“, erklärt er. „Und wenn beides zusammenkommt, dann ist das ein Ausdruck dessen, was ich am liebsten spiele.“

Dabei soll Dalla Vecchia eigentlich klassischer Pianist werden. Seine Mutter ist ausgebildete Klavierlehrerin und erzieht ihren jüngsten Familienspross entsprechend. Doch Roberto will lieber Gitarre spielen, wie der große Bruder. Zum zwölften Geburtstag bekommt er eine Klassische – und Unterricht dazu. Doch statt klassische Gitarre zu studieren, entwickelt sich seine Liebe zum Instrument in eine andere Richtung. „Ich liebte Songwriter wie Simon & Garfunkel, Neil Young und John Denver. Mit 19 gab mir ein Freund dann Norman Blakes Album ,Whiskey Before Breakfast’ – und ich wurde süchtig.“ Für die Liebe zur italienischen Gitarrenmusik ist Beppe Gambetta verantwortlich, nachdem Dalla Vecchia den Flatpicker im Konzert sieht und überwältigt ist. „Er lebte in Genua, etwa 350 Kilometer entfernt. Ich habe immer, wenn es sich ergab, Gitarrenstunden bei ihm genommen und wurde ein großer Fan seiner Musik.“ Heute sind die beiden befreundet, Gambetta ist auch im Duett auf Dalla Vecchias Album ‚Grateful’ zu hören.
Nach einem erfolgreichen Politikstudium führt Dalla Vecchias Lebensweg über verschiedene Bluegrass-Bands zu einem Zwischenstopp beim italienischen Gitarrenbauer Manne (www.manne.com), wo er als Luthier arbeitet. „Ich habe mir dort erste Gitarren gebaut und gelernt, wie eine Gitarre wirklich funktioniert. Und ich finde es faszinierend und wichtig, auch als Musiker eine gewisse Kontrolle über meine Instrumente zu haben.“ Auf ‚Unknown Legends’ spielt er eine Manne DSR (in Palisander/Fichte), für ein paar Overdubs kommt noch eine Taylor 710 Dreadnought zum Einsatz, die ihn viele Jahre begleitet hat. Aufgenommen wird mit einem einzigen Neumann USM 69 in den Magister Studios in Italien, „...in einem großen Raum mit einem fantastischen natürlichen Hall.“

Es erscheint fast zwangläufig und logisch, dass ein Musiker mit derart vielseitigen Ausbildungen und Erfahrungen auch unterrichtet. „Ich lege Wert auf eine familiäre Atmosphäre“, sagt er über seine Workshops, „und darauf, ein Repertoire dahingehend zu entwickeln, bei dem man jedem einzelnen Song – auch wenn man ihn im Schlaf rückwärts spielen kann – so viel Aufmerksamkeit schenkt, dass sich aus dieser Sorgfalt das nächste Level des eigenen Spiels ergibt.“ Das passt. Denn Dalla Vecchia ist ein Vollblutmusiker, für den die Gitarre ein Kanal ist, Seele und Emotionen auszudrücken. „Und ich bin über jeden neuen Song dankbar, dankbar für diese unerwartete Gabe.“ Die ihn trotz Windelwechsels zu erreichen scheint.

CD: Roberto Dalla Vacchia – Unkown Legends

Online Info: www.robertoDallavecchia.com

Weitere New Scene Artikel in Heft 6-09:

  • Kirsty McGee
  • A.P. Meister
  • Simone White
  • Norman Palm
  • Sarah Blackwood
  • RMumford & Sons
 
Sungha Jung: Wunderknabe
Sungha Jung
Sungha Jung

Von Stefan Woldach

48 Millionen Besucher auf den Internet-Portalen Myspace und Youtube – eine gewaltige Zahl. Doch bei dem in der Publikumsgunst so hoch geschätzten Künstler handelt es sich nicht etwa um Madonna, U2 oder die Rolling Stones, sondern um einen 12-jährigen Jungen. Der heißt Sungha Jung und kommt aus Korea. Das Geheimnis seines Erfolges: Er spielt Gitarre. Und vermag die komplexesten Kompositionen etablierter Virtuosen aus aller Welt, unabhängig von Stil oder Spieltechnik, auf erstaunlich authentische Art nachzuspielen. Ob Ulli Bögershausen oder Andy McKee, Pierre Bensusan oder Michael Haumont, ob Peppino D’Agostino, Laurence Juber, Jacques Stotzem oder Tommy Emmanuel – Sungha covert sie alle. Auch in der Pop-Welt hat er sich umgehört und musiziert munter Michael Jackson und Bon Jovi, Sting und die Eagles. Nichts ist vor dem jungen Mann sicher. Und sicher ist nichts so charmant wie dieser Junge, der seiner Gitarre so Wunderbares entlockt.

Als wäre das nicht schon fantastisch genug: Sungha spielt gerade mal zwei Jahre Gitarre! Mit kindlichem Spieltrieb und einem fotografischem Gedächtnis lernt er in kürzester Zeit die schwierigsten Stücke. „Ich kann so ziemlich alles nachspielen, wenn ich etwas höre“, sagt der schmächtige Junge lächelnd, dessen Körpergröße ganz im Gegensatz zu seinem spieltechnischen Vermögen steht. Früher hat er am Computer gespielt, doch „seit ich die Gitarre entdeckt habe, reizt mich das überhaupt nicht mehr“, sagt er entschlossen.
Mit Johan Pachelbels ‚Canon in D major’ in der Version des amerikanischen Fingerstylers Trace Bundi fängt alles an. Sungha postet seine Version auf Youtube. Mit überwältigender Resonanz. Der Ausgangspunkt für eine rasante Internet-Karriere. „Die meisten Stücke sind ganz einfach“, sagt Sungha. Das dürfte viele Gitarristen nachdenklich machen. Man denke nur an die Vielzahl an Zupftechniken und Tunings. Inzwischen kennen Millionen Menschen den kleinen Koreaner. Kurioser Nebeneffekt: Die Originalkünstler, bisher nur dem interessierten Gitarrenpublikum bekannt, werden durch den 12-Jährigen nun weltweit bekannt. „Als ich meine ersten Clips uploadete, hätte ich niemals mit so vielen Reaktionen aus aller Welt gerechnet. Ich war total überrascht.“ Und er fügt schnell hinzu. „Aber keiner meiner Freunde oder aus meiner Familie sagt, ich sei ein Star.“

Das sehen Millionen Menschen anders. Auch die Kollegen. Denn Sungha kriegt nicht nur Liebesbriefe aus aller Welt, sondern auch Fan-Post aus Reihen jener Künstler, die er gecovert hat. „Ulli Bögershausen war einer der ersten, die mir gratuliert haben, auch Andy McKee und Michael Haumont“, bedankt er sich artig. Mit anderen wie dem Amerikaner Trace Bundi oder dem Österreicher Thomas Leeb hat er inzwischen die Bühne geteilt.
Seit gut einem Jahr spielt Sungha eine Lakewood-Gitarre, die ihm von der Giessener Edelgitarrenschmiede auf den noch kindlichen Leib zugeschnitten wurde. „Obwohl die Gitarre einen kleinen Korpus hat, ist sie viel lauter als meine erste – und das Griffbrett ist total toll bespielbar“, schwärmt der kindliche Künstler mit einer Mischung aus Stolz und Höflichkeit. „Diese Gitarre will, dass ich immer mehr und immer besser spiele.“ Momentan täglich drei, vier Stunden. Nach der Schule, natürlich, wenn alle Hausaufgaben gemacht sind. Darauf legt sein Vater Wert. „Wenn ich viel aufhabe, darf ich leider nicht spielen.“

Online-Info: www.myspace.com/jungsungha

 
Lubos Bena:
Amerikanische Landmusik
Lubos Bena und Matej Ptaszek
Lubos Bena und Matej Ptaszek

Von Stefan Woldach

Elvis spielte den ‚Jailhouse Rock‘. Johnny Cash trat im ‚Folsom Prison‘ auf. Auch Lubos Bena und Matej Ptaszek waren im Gefängnis. Das tschechisch-slowakische Duo nahm sein aktuelles Album im Gefängnis von Mirov auf. Das passt, denn die beiden spielen den Blues. Und zwar authentischen amerikanischen Delta-Blues, der Gitarrist Bena seit vielen Jahren fasziniert. „In der Zeit des Kommunismus war es so gut wie unmöglich, Aufnahmen von amerikanischer Musik zu kommen“, erklärt Bena. „Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bin ich an Tonaufnahmen gekommen und habe angefangen, nach dem Ursprung dieser Musik zu suchen.“ So entwickelt Bena, der aus der Westslowakei stammt, aus einem Gebiet, das Záhorie heißt, auf der Gitarre zunächst seinen eigenen Stil aus Blues, Folk und Country.

Er gründete seine „Trdelník Band” (benannt nach einem traditionellen Nusskuchen aus Skalica) und tritt regelmäßig in Tschechien und der Slowakei auf, entscheidet sich dann jedoch, als Solist weiter zu machen. Sein Repertoire entwickelt er kontinuierlich aus dem Studium von Lehrvideos, Konzertmitschnitten, Notenbüchern und Workshops. „Ich fing an meine Gitarre umzustimmen und mit einem Bottleneck zu spielen“, sagt er. „Und nach einem Jahr voller Experimente hat mir jemand gesagt, dass ich traditionellen Blues spiele, wie im Mississippi-Delta. Also habe ich mir originale Aufnahmen besorgt und damit mein Spiel vervollkommnet.“ Bena setzt sich mit dem Spiel von Leadbelly, Robert Johnson und Blind Boy Fuller auseinander, „Musiker, die mich faszinieren, weil sie unter Ausnutzung minimaler Mittel so viel großartige Musik zu schaffen wussten.“

Derweil sorgt Matěj Ptaszek als Straßenmusiker auf der Prager Karlsbrücke für Verkehrschaos – er lockt mit seinem Blues-Gesang und Harp-Spiel täglich Hunderte von Menschen an. „Eines Tages rief mich mein Freund aus Prag an, und erzählte mir von diesem Straßenmusiker, der so ausgezeichnet den Blues spiele. Ich habe mich in den Bus Richtung Prag gesetzt, habe ihn getroffen, und wir haben uns sofort verstanden.“ Die Moldau wird ihr Mississippi.

Inzwischen tingeln die beiden erfolgreich durch Europa, und werden für ihre „amerikanische Landmusik der Zwanziger- und Dreißigerjahre“ aus Blues, Traditionals, Country und Bluegrass gefeiert. So präsentieren sie sich auch – stets im „Blaumann“, im Stil der amerikanischen Landarbeiter. Bena reist nach Mississippi, Arkansas und Tennessee, weil er die Atmosphäre des amerikanischen Südens „am eigenen Leib“ spüren wollte. „Ich hielt es für meine Pflicht, jene Orte zu besuchen, wo diese Musik entstanden ist. Nach der Heimkehr hatte ich zwar Lust, meine Gitarre wegzuschmeißen, denn ich hatte das Gefühl, dass ich nie fähig wäre, den Blues so authentisch zu interpretieren, wie es diese Musik fordert. Zum Glück war dieses Gefühl bald wieder verblasst.“
Heute spielt Bena sie, stilecht auf Resonatorgitarren, darunter ein Amistar Brown-Sugar-Duotone-Model und ein Stager-Model, das über einen Piezo- und einen P90-Tonabnehmer abgenommen und über Marshall AS100D oder AS50D-Kombo verstärkt wird. Für einige spezielle Kompositionen spielt Bena auch eine selbstgebaute Gitarre, hergestellt aus einem Benzinkanister! ... Er schwört: „Mit dem Bottleneck gespielt, hat sie einen wirklich mörderischen Ton.“

CD: Benua & Ptasezek – V. Kriminale (Happy Trail Records)

Online-Info: www.lubosbena.sk

Weitere New Scene Artikel im Heft 5/09

  • Diana Jones
  • Domingo
  • King Family
  • Gordon Reeves
  • Ruby Throat
 
Stefano Barone:
Gitarre, Pizza, Minimal Music
Stefano Barone
Stefano Barone

Von Stefan Woldach

„Mein erstes Instrument war ein Keyboard, aber ich wollte eigentlich sowieso lieber Gitarre spielen, so wie ich es bei ‚Bohemian Rhapsody’ gehört hatte“, erinnert sich Barone an seine Kindheit. „Als ich an einem Sommertag mit meinen Eltern aus den Ferien kam, war unser Haus von Einbrechern komplett ausgeräumt, inklusive des Keyboards. Das einzige, was sie zurück gelassen hatten, war die alte 12-saitige Gitarre meines Vater, der gar nicht mehr gewusst hatte, dass er sie besaß.“

Dieser traurige Auslöser hat jedoch einige Jahre später einen wundervollen Effekt. Heute zählt der gebürtige Neapolitaner zu den interessantesten jungen Fingerstyle-Gitarristen seines Landes. Barone, der sein musikalisches Rüstzeug vom Vater erhält – einem Profimusiker –, schreibt schwebende Instrumental-Songs mit Elementen aus Acoustic Fingyerstyle, Minimal Music und traditioneller Italienischer Musik, inszeniert mit dicht verwobenen Melodien aus Two-Hand-Spieltechniken mit elektronischen Sounds – festgehalten auf ‚Particolare # Uno’, seinem mittlerweile zweiten Album.

Barone ist Enthusiast. Mit 17 nimmt er bei gleich mehreren Lehrern Unterricht, mit 18 spielt er regelmäßig Konzerte in einem Akustik-Trio, mit 19 eröffnet er sein eigenes Tonstudio, in dem er auch gleich sein bester Kunde ist. Dennoch entschließt er sich nach Rom zu ziehen, um dort am Konservatorium noch Musik zu studieren. Dort prägen zwei Einflüsse seinen heutigen Stil. Zum einen Michael Hedges’ Album ‚Aerial Boundaries’. „Die wichtigste Erfahrung durch Hedges war, sich keine Grenzen zu setzen. Die akustische Gitarre steckt voller Möglichkeiten, es gibt stetig neue Stile, Tunings und Klänge, gerade in Verbindung mit Elektronik.“ Und dann ist da die Entdeckung der Minimal Music von Steve Reich und Philipp Glass, kompositorisch bislang eher für Tasteninstrumenten gedacht. „Ich habe auf meinem Album versucht, die Module Reichs mit traditioneller italienischer Musik zu verbinden“, sagt er. „Auf einen Nenner gebracht: Gitarre, Pizza, Minimalismus.“

Es mag paradox klingen, doch je mehr Barone an seiner Spieltechnik arbeitet, desto strenger verfolgt er das Konzept seine Musik zu „minimalisieren“, also in der modularen Strenge der Minimal Music zu schreiben. Barones Stücke sind zu einem großen Teil auf dem Blatt entstanden und streng auskomponiert, um dann letztlich mit seinen „non-guitar-sounds“ präsentiert zu werden. Während seines Studiums lernt er den Fingerstyle-Gitarristen Pino Forastiere kennen (siehe AG 4-07) kennen. Beide erkennen bei sich ähnliche Interessen, Auffassungen, Kompositionsansätze. „Pino zu treffen war ein Glücksfall. Er hat mir die Unterschiede aufgezeigt zwischen einem Gitarristen und einem Musiker. Ich bin ihm zu Dank verpflichtet und möchte nicht unerwähnt lassen, dass er auch ein fantastischer Koch ist.“

Barone spielt auf ‚Particolare # Uno’ eine Martin D-28, dazu kommt noch eine EKO Cedro aus der Sammlung seines Freundes Forastiere, beide abgenommen mit einem AKG 480 und einem Sunrise Pickup, „im Mix etwa im Verhältnis 70:30“, wie Barone erklärt. Weitere wichtige Bestandteile sind eine Loop Station (Boss RC-50) und verschiedene Delays (u.a. T.C. Electronics), „allerdings sehr umsichtig, denn zu den Möglichkeiten gesellt sich auch das Risiko, schnell monoton zu klingen. Ich benutze gerne Delays, die sich gegenseitig überlagern und kreuzen, dazu kommt mitunter noch ein wenig E-Bow“. Wie etwa im Song ‚Alexander Supertramp’, prima nachzuschauen bei YouTube unter seinem Namen – und den sollte man sich merken.

CD – Stefano Barone: Particolare # Uno (Candyrat Records 2008)

Online Info: www.stefanobarone.it

 
Mélissa Laveaux:
Nicht immer nur hübsch
Mélissa Laveaux
Mélissa Laveaux

Von Stefan Woldach

Es mutet geradezu liebenswürdig altmodisch an, wenn eine junge Künstlerin, nach ihren Karrierezielen befragt, wie aus der Pistole geschossen folgende Antwort präsentiert: „Ich will ehrlich in meinem Songwriting bleiben, will niemals Kompromisse bei meinen Songs und Prinzipien eingehen müssen und will versuchen, mich immer wieder neu herauszufordern, anstatt mich bequem auf Dingen auszuruhen, die ich kenne.“ Alle Achtung.

Vieles an der jungen Dame aus Kanada ist unkonventionell und interessant. Geboren in Montreal wuchs sie mit den Traditionen ihrer haitianischen Familie auf. Sie beginnt Klassikgitarre zu lernen nach Partituren, die der Vater ihr mitbringt. Doch in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, hat Mélissa „keine große Ahnung, wie das richtig zu klingen hatte.“ An der Schule lernt sie fortan klassisches Klavier, zuhause auf ihrer Gitarre widmet sie sich eigenen Songs, „nach Akkordfolgen, die ich aus dem Radio aufgeschnappt habe“, wie sie heute sagt. „Allerdings wollte ich keine Stücke kopieren, also begann ich, eigene Stücke im Fingerstyle zu zupfen.“

Mélissa Michelle Marjolec Laveaux – so ihr vollständiger Name – entdeckt so die Musik. Viel Musik. Vor allem unterschiedliche Musik. „Je extremer, desto besser.“ Sie arbeitet als Radio-DJ bei einem College-Sender und legt einen ganz eigenen Mix auf: Billie Holliday und Morcheeba, Emiliana Torrini und Rokia Traore –  und traditionelle brasilianische Musik, deren Rhythmus sie liebt und deren Künstler sie schätzt. All diese Einflüsse münden in ihrem Gitarrenspiel, das stark rhythmisch geprägt ist, mal fließend und perlend daher kommt, dann wieder ungestüm synkopiert – als träfe eine karibische Ani Di Franco auf die afrikanische Musik eines Ismaël Lô und den Bossa Nova einer Bebel Gilberto. „Ich habe versucht, immer wieder neue Zupfmuster zu lernen und mich zu fordern“, sagt sie. „Dabei habe ich herausgefunden, dass es für mich immer der beste Weg ist, etwas zu versuchen, was ich (noch) nicht kann.“ Folglich schreibt sie so unterschiedliche Songs wie das stimmungsvolle ,Tribute To Louis’ für Louis Armstrong, ,Needle In The Hay’ für Elliott Smith oder ‚I Want To Be Evil’ für Eartha Kitt. Jedes Cover für sich ist ein Kleinod mit einem unverswechselbaren Dreh, eingespielt auf einer Norman B-20, einer Larrivée der 00-Serie oder einer Breedlove der Atlas Serie – je nach Song und Stil.

Mélissa, die liebend gern Kunststausstellungen besucht, spielt drei Jahre mit dem Perkussionisten Rob Reid im Duo und entdeckt dadurch auch ihre Gesangsstimme, die regelrecht irritierend changieren kann, mal mit kindlich naivem Pop-Appeal, dann verrucht und rau im Stil der alten Blueser, oder auch mit samtiger jazziger Eleganz. Dabei zeigt sie eines: „Musik muss nicht immer hübsch sein. Es geht darum, dass die Leute verstehen, was du ausdrücken willst und wie man es schafft, nicht zwingend immer nett und niedlich zu klingen.

Es macht Sinn, dass jemand, der so geradeaus und puristisch arbeitet, irgendwann die Liebe zur akustischen Gitarrenmusik entdeckt. „Ich liebe den Klang des Holzes, das Gefühl, wie die Finger über die Saiten gleiten“, schwärmt sie. Wer ungewöhnliches Gitarrenspiel, Ergebnisse eines stilistischen Querdenkens und eine faszinierende Stimme erleben will, kann auf ‚Camphor & Copper’, dem Debütwerk der Newcomerin, eine Menge davon entdecken.

CD: Mélissa Laveaux - Camphor & Copper (No Format)

Online Info: www.myspace.com/melissalaveaux

 
Reverend Peyton’s Big Damn Band:
Im Auftrag des Herrn unterwegs
Reverend Peyton’s Big Damn Band
Reverend Peyton’s Big Damn Band

Von Stefan Woldach

Ein göttliches Licht strahlt durch die bunten Bleiglasfenster der Triple Rock Church. Es gibt Jake Blues, alias John Belushi, die Erleuchtung: „Die Band!“ Zumindest sah es so das Drehbuch des Kult-Roadmovies ‚Blues Brothers’ vor. Für einen Jungen namens Josh Peyton aus Indiana sind es die enthusiastischen Geschichten seines Vaters, die ihm den Pfad seines weiteren Lebens erleuchten. „Ohne meinen Dad hätte ich nie angefangen, Gitarre zu spielen”, sagt er. „Er brachte uns Kindern bei, Musiker seien Genies.“

Josh gründet an der Highschool mit seinem Bruder Jayme eine Band, bekommt aber ernsthafte Probleme mit seinem Handgelenk, die ihn zum Aufhören zwingen. „Ich hatte unglaubliche Schmerzen und konnte nicht mehr spielen. In mir brach eine Welt zusammen. Am Ende fand ich einen Arzt, der eine Operation vorschlug und die Erfolg hatte. Bald nach dem Eingriff konnte ich wieder spielen.“

Ob man das als Resultat moderner Medizin, Wink des Schicksals oder als Wunder sehen will: Der junge Mann aus Eagletown, Indiana, wird Prediger. Und er predigt mit Musik. Traditioneller, alter, amerikanischer Musik. Charlie Patton, Furry Lewis, Fred McDowell, Bukka White und Son House sind Musiker, denen er nacheifert. „Ich liebe ihren rauen Sound, Musik, die aus der Kombination aus Holz und Stahl entsteht. Ich fühle in einer akustischen Gitarre förmlich die Wurzeln dieser Musik.“

Das ist auch der Grund, dass er nur alte Instrumente spielt: eine 1930er National Triolian, eine 1935 National Trojan gehören zu seinem bevorzugten Handwerkszeug, neuerdings ein Gibson L-2 Reissue. „Die alten Resonatorgitarren sind einmalig, es gibt einfach nichts Vergleichbares. Sie klingen, als ob Geister in ihnen wohnen, die beim Spielen jedes Mal mit dir kämpfen.“ Er bekämpft sie mit zackigem Slide-Spiel, das er sich von alten Platten abgehört hat. „Deshalb ist mein Spiel vermutlich so unorthodox, weil’s mir nie jemand richtig gezeigt hat. Aber darum sehe ich in meiner Musik auch keinerlei Begrenzungen.“
Das zeigt er 2004 das erste Mal mit dem Debütalbum ‚The Pork And Beans Collection’. Denn auch neue Einflüsse prägen das Spiel des Reverend, der auch die Punk-Rocker Ramones schätzt. Zusammen mit Ehefrau Breezy am Waschbrett und Bruder Jayme am Schlagzeug entwickelt der Tabak kauende Reverend – Ehrentitel „Kentucky Colonel“ – einen mitreißenden Sound aus Country-Blues und Hillbilly-Punk, der vor allem durch seine körperliche Präsenz lebt. Peyton schreibt übrigens nur Lieder über seine Familie, über Freunde und Menschen, die er kennt, weil seiner Meinung nach alle Songs 100 Prozent authentisch, erlebt und absolut wahr sein sollten. „Heutzutage basiert Musik Vieler oft darauf, wie jemand aussieht, welche Klamotten er trägt und wie er sich bewegt, statt darauf wie einer spielt. Das fühlt sich für mich unendlich leer und unecht an. Ich sag dem Publikum immer: Ob ihr meine Musik mögt oder nicht – diese Songs bin ich!“ Festgehalten auf einem Album, das wortverdrehend ‚The Whole Fam Damnily’ heißt und mit dem das Trio in Kürze auf Deutschland-Tour kommt. Und vielleicht bringt ein Konzert des Reverend für manchen eine ähnliche Erleuchtung wie für Jake Blues.

CD: The Reverend Peyton’s Big Damn Band -– The Whole Fam Damnily (SideOneDummy/Carhgo)

Info: www.bigdamnband.com

 
Claudia Koreck:
Einmal um die Welt
Claudia Koreck
Claudia Koreck

Von Stefan Woldach

Mit Musik um die Welt? Da denkt mancher vielleicht an den tanzenden Weltumrunder Matt Harding, der sich um den Globus getanzt und mit seiner Performance (wherethehellismatt.com) weltweit Fans gefunden hat. „Barfuaß um die Welt" heißt das zweite Album der 22-jährigen Sängerin und Gitarristin aus Oberbayern, dessen Titel genau ihrem Lebensgefühl entspricht. „Es macht einfach einen Unterschied, ob ich mit High-Heels durch die Gegend wackle oder barfuss unterwegs bin. Um die Welt und das Leben zu entdecken, muss man eben auch mal im Dreck stehen und hautnah die Freuden oder das Leid spüren.“ Ihre offene, unkomplizierte und natürliche Art zeigt das „resche Madl“ mit Texten in bayrischer Mundart, „weil das einfach die unverfälschte Methode für mich ist, meine Gefühle auszudrücken.“ Die 1,55 große „Klautsch“ – so ihr Spitzname – schreibt flotte Pop-Songs, gründet eine Band und bekommt 2007 einen Platten-Deal. Sie verkauft vom Debütalbum ‚Fliang’ stattliche 65.000 Exemplare und ist anschließend zehn Monate auf Tour.

„Mein erstes Instrument war eigentlich Keyboard“, sagt sie, „aber das Ding funktioniert leider nur mit Strom. Deshalb lässt mich die Gitarre nicht mehr los, die nehm’ ich überall mit hin.“ „Blacky“ (E.C. lässt grüßen!) tauft sie ihre Reisebegleiterin, eine schwarze Yamaha F-340BL. „Auf ihr schreib ich viele meiner Lieder unterwegs“, sagt sie. Im Studio kommt dagegen eine Martin OMC-28E zum Einsatz („die klingt sehr warm, aber auch bei lauteren Stücken nicht wie ein Weichei“), als Bühnengitarren hat sie eine Gibson Songwriter Deluxe und eine Southern Jumbo.

Auch wenn Einflüsse wie Jack Johnson, Jewel, KT Tunstall und Eva Cassidy im Raum stehen, sucht die Klautsch immer ihren eigenen Weg. „Ich beschäftige mich wenig damit, was andere so machen; ich will schreiben, was mich bewegt. Und ich hab schon schnell gemerkt, dass meine Lieder besser werden, je besser ich Gitarre spielen kann. Seitdem bin ich fleißig am Üben.“

Das gilt in jeder Hinsicht. Die 22-Jährige strahlt trotz ihrer sympathischen Unbekümmertheit eine bemerkenswerte Lebenserfahrung und Reife aus, was sicherlich auch darauf beruht, dass sie sich einfach mal in den Flieger gesetzt und lediglich mit Rucksack und Gitarre als Gepäck losgezogen ist – eben ‚Barfuaß um die Welt’. Eine prägende Erfahrung: „Mir sind so viele tolle Menschen begegnet, in Nashville zum Beispiel ein alter Straßenmusiker, der mir einen coolen Song über das Leben in Jamaika vorgespielt hat. Aber meine schönste Erfahrung ist, dass, wenn ich in irgendeinem Club oder auch nur auf der Straße meine Songs gespielt habe, es egal war, in welcher Sprache ich sang. Die Leute haben mitgemacht und geklatscht, was bestätigt, dass Musik eine Weltsprache ist, die überall verstanden wird, wenn man nur offen ist dafür. Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl.“ Unabhängig vom Verständnis ihres Dialektes in den anderen Bundesländern trat sie mit diesem Selbstverständnis auch beim Bundesvision Song Contest für Bayern mit dem Titel ‚I will dass du woasst’ an und belegt mit 34 Punkten einen respektablen 10. Platz, ihr Album stieg sogar auf Platz 8 der Charts ein. Das „resche Madl“ macht seinen Weg.

CD: Claudia Koreck - Barfuaß um die Welt (Ariola/Sony Music)

Info: www.claudia-koreck.de

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