Hamburger Gitarrenfestival
Schott
Akustik Gitarre Begleit-CD
 
Tilman Hübner – ,Meditation‘
Tilman Hübner
Tilman Hübner

Von Andreas Schifferdecker & Olaf Van Gonnissen

Tilman Hübners ‚Meditation‘ entstand anlässlich der Taufe von Yoshiko Marleine, der Tochter eines ehemaligen Schülers. Der Reiz dieser kleinen Komposition entsteht durch die Gegenüberstellung synkopischer Melodien und Akkorde und eines in ruhigen Vierteln unbeirrt und durchgängig gespielten leeren D’s.

Für diejenigen unter euch, die sich vor allen Dingen in den tiefen Lagen der Gitarre auskennen, stellen die vielen hohen Töne womöglich eine Herausforderung dar. Aber keine Sorge, der Spielkomfort für die linke Hand ist in den höheren Lagen viel größer als in den tiefen. Mithilfe der Tabulatur lassen sich die Töne auf dem Griffbrett schnell finden. Etwas spannender wird es natürlich in den Takten 11 und 12, wo ihr jenseits des 12. Bundes spielt und der Daumen der linken Hand seine gewohnte Position am Hals der Gitarre verlässt.

Die Bindungen in den Takten 1 bis 8 und 30 bis 33 werden euch gut gelingen, wenn ihr sie sehr entspannt spielt. Die Genauigkeit der Bewegung ist wichtiger als die Kraft. Gute Bindungsübungen findet ihr beispielsweise in Abel Carlevaros ‚Seria Didactica‘ und Scott Tennants ‚Pumping Nylon‘.

Den kompletten Workshop inkl. Noten finden Sie in AKUSTIK GITARRE 5-2010.

WS Klassik 5-10: Tilman Hübner - Meditation

 
Stevie Ray Vaughan – Played Unplugged
Andreas Schulz
Andreas Schulz

Von Andreas Schulz

Genau am offiziellen Veröffentlichungstermin der AKUSTIK GITARRE 5-2010 – dem 27. August 2010 – denkt die Gitarrenwelt an ein 20 Jahre zurückliegendes, trauriges Ereignis: den Tod von Blues-Gitarrist Stevie Ray Vaughan. Wir erinnern mit einem Workshop an den großen Musiker, der in den Achtzigern, entgegen den elektronischen Musik-Trends, ein Blues-Revival einläutete.

26. August 1990: im Alpine Valley Music Theatre in East Troy, Wisconsin, findet ein Blues-Meeting der besonderen Art statt. Mit dabei unter anderem die Vaughan-Brüder Stevie Ray und Jimmie, Buddy Guy, Robert Cray und Eric Clapton. Nach einem abschließenden gemeinsamen Jam besteigt Vaughan einen Helikopter, der ihn nach Chicago bringen soll. Wenige Minuten nach dem Start, in den frühen Morgenstunden des 27. August 1990, stürzt der Helikopter bei schlechter Sicht ab; alle Insassen kommen ums Leben. Man erzählt, Eric Clapton habe seinen Sitz in der Unglücksmaschine an Stevie abgetreten, da es dieser besonders eilig hatte. Vaughan wurde nur 35 Jahre alt.

Stevie Ray Vaughan war der Prototyp des elektrischen Strat-Spielers an der Grenzlinie zwischen Blues und Rock. Nur elektrisch? Nicht ganz. Eine legendär gewordene MTV-Unplugged-Performance belegt, dass SRV seine Power auch rein akustisch rüberbringen konnte – bei diesem Gig spielte er eine 12-Saitige, die einige ziemlich harte Plek-Attacken zu bestehen hatte. Bekannt ist auch der Song ‚Life By The Drop‘ vom Album ‚The Sky Is Crying‘, den wir in Ausgabe 5-2008 als Workshop vorstellten.

In Erinnerung an den großen Gitarristen haben wir drei stiltypische Beispiele notiert.
Abb. 1 greift die Spielweise des Songs ‚Lenny‘ auf, mit jazzigen maj13- und 6er-Akkorden in E-Dur, garniert mit Double-Stop-Fills im Stil von Jimi Hendrix. Da das Original mit einem cleanen Sound eingespielt wurde, verwundert es nicht, dass diese Spielweise auch hervorragend auf einer Akustischen funktioniert.

Abb. 2 bezieht sich auf den Song ‚Mary Had A Little Lamb‘, geschrieben von Buddy Guy. Auch dieses Riff, bestehend aus bunt gemischten Bassläufen, Akkordeinwürfen und solistischen Fills, tönt rein akustisch überzeugend. Für das typische SRV-Spielgefühl sollte man die Anschlaghand konsequent und vor allem schlagkräftig durchlaufen lassen, um die gesamten 12 Takte plus Auftakt als eine musikalische und rhythmische Einheit zu zelebrieren.

Abb. 3 schließlich bringt uns zu dem erwähnten MTV-Konzert. Das Intro zu ‚Life Without You‘ ist eine Fundgrube an geschmackvollen Fills über die Akkorde A und F#m. Stevie spielt diesen Teil übrigens in Hendrix’scher Griffmanier mit dem Daumen auf der tiefen E-Saite.

Apropos E-Saite: das Tuning für diesen Workshop ist Eb – Ab – Db – Gb – Bb – Eb, also Standard-Stimmung einen Halbton tiefer. Da Vaughan sehr dicke Saiten spielte, macht das Downtuning Sinn, um die Saitenspannung für Bendings wieder etwas zu normalisieren. Seine Twelvestring war übrigens eine Guild JF65-12 mit Fichtendecke und Ahornkorpus (ähnlich der aktuell erhältlichen Guild F-412).

Den kompletten Workshop inkl. Noten finden Sie in AKUSTIK GITARRE 5-2010.

 
Strum and Picking Patterns
Hans Westermeier
Hans Westermeier

Von Hans Westermeier

In vielen Balladen wird eine gemischte Begleitform angewandt, bestehend aus Strummings und Pickings. Dazu stellen wir euch fünf Beispiele als Anregung vor.

Abb. 1 kombiniert ein Strumming-Pattern im ersten und dritten Takt mit einer Mischform im zweiten und vierten Takt. Vor allem bei zweitaktig gültigen Akkorden wird das gern verwendet.

Abb. 2: hier wird pro Takt kräftig zwischen Strumming und Picking gemischt.

Abb. 3 zeigt eine Technik, die ,Crosspicking' genannt wird. Dabei spielt man drei benachbarte Saiten in einem wiederkehrend rollenden Pattern. Beachtet dazu im zweiten und vierten Takt die Zählzeiten <1> und <2+>.  Crosspicking wird von den meisten namhaften Spielern nicht im Wechselschlag gespielt, sondern wie hier angegeben mit zwei Abschlägen und einem Aufschlag.

Ein weiteres Beispiel dazu seht ihr in Abb. 4: Auf ein Strumming folgt eine Crosspicking-Figur. Ein kleiner „Ausreißer“ ist im letzten Takt auf den Zählzeiten <3+> bis <4+> zu sehen. Die Anschlagtechnik (zwei Abschläge und ein Aufschlag) wird aber beibehalten.

Ein „Schmankerl“ bildet Abb. 5: die ersten zwei Takte von ,Knocking On Heavens Door' in der Fassung von Guns n' Roses. Ähnlich wie im vorigen Beispiel wird im ersten Takt ein Strumming auf der Zählzeit <1> gespielt, gefolgt von einem variablen Picking. Hier sollte konsequenter Wechselschlag gespielt werden. Zu beachten sind die beiden Hammering-Figuren, bei denen der Aufschlag wegfällt.

Ihr habt Fragen dazu? Schreibt mir unter:  hg.westermeier (at) t-online.de

Den kompletten Workshop inkl. Noten finden Sie in AKUSTIK GITARRE 5-2010.

Strum- and Picking-Patterns, Abb. 1 (weitere Abbildungen hier).

 
‚Greensleeves‘
Peter Autschbach
Peter Autschbach

Von Peter Autschbach

Hallo, liebe Akustikgitarristen,

diesmal habe ich die alte, allseits bekannte irische Volksweise für euch reharmonisiert. Die Melodie von ‚Greensleeves‘ wurde beim Einbau der zahlreichen Akkorddurchgänge nicht verändert. Bei der Reharmonisation geht es um das Nicht-Erfüllen von Hörgewohnheiten. Hier wurde bekanntes Terrain mit Absicht verlassen, Neues und Unerwartetes sorgt für Aufmerksamkeit. Eigentlich wäre es angebracht, ‚Greensleeves‘ für dieses Vorhaben in eine höhere Tonart zu transponieren, denn je tiefer die Melodie hinabreicht, desto weniger Möglichkeiten gibt es, die üblicherweise verwendeten Akkorde zu ersetzen. Das Stück trotzdem in A-Moll zu belassen (der wohl am häufigsten für dieses Werk verwendeten Tonart), war eine Herausforderung.

Den kompletten Workshop inkl. Noten finden Sie in AKUSTIK GITARRE 4-2010.

 
Slow Blues mit Joe Bonamassa:
,If Heartaches Were Nickles’
Joe Bonamassa
Joe Bonamassa

WS Special 3-2010

Von Andreas Schulz

Joe Bonamassa ist im elektrischen Saitenlager gerade schwer angesagt. Im Bereich des deftigen Blues-geschwängerten Classic-Rock ist er einer der derzeitigen Helden. Zurecht, denn sein Spiel ist absolut souverän, beseelt, technisch makellos und voller Respekt vor der Tradition.

Bonamassa kann auch akustisch. Hauptwerkzeug ist dann eine LJX 36C Steelstring aus dem Hause Yamaha. Zum Kennenlernen empfehlen wir das aktuelle Live-Album ‚From Nowhere In Particular‘, ein beeindruckender YouTube-Clip einer Studio-Performance von ‚The Ballad Of John Henry‘ (allerdings elektrisch) gibt es hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=uaCjPdtDBxo.
Weitere Infos bietet seine Website www.jbonamassa.com.

Der Titel ‚If Heartaches Were Nickles‘ ist in einer dezenten akustischen Version auf dem erwähnten Live-Album ‚From Nowhere In Particular‘ zu hören. Die Gitarre hat rein begleitende Funktion und markiert die Akkorde in durchlaufenden Arpeggien im 6/8-Takt. Die Akkorde sind recht einfach zu greifen, die Harmonien erweitern das Blues-Schema um einige interessante Ausflüge und Durchgänge. Zur Spieltechnik: man kann das komplette Arrangement wie notiert entweder im Fingerstyle oder mit Plektrum spielen. Für Plek-Zupfer empfiehlt sich eine Art Sweep-Technik, bei der die Anschläge des aufwärts führenden Teiles des Arpeggios mit Abschlägen gespielt werden; ab der höchsten klingen Saite dreht sich die Anschlagrichtung wieder um und wir spielen in Richtung der tiefen Saiten mit Aufschlägen. Etwas überraschend erscheint das Ending: mit einem Schwenk nach Bb7/9, nachfolgenden Flageoletts und einem Asus2 (ein Akkord ohne Terz und damit ohne klare Dur/Moll-Zuordnung) als Schlussakkord. Fehlt noch die wesentliche Message des Songs in bestem lakonischen Blues-Lyrics-Sprech: „If heartaches were nickles / I’d be the richest fool alive“.

Special: Slow Blues mit Joe Bonamassa - 'If Heartaches Were Nickles'

 
Stilkunde der Fingerstyle-Gitarre

WS FINGERSTYLE 2-10
Teil 2 – Alex de Grassi: Arpeggios und perlende Läufe

Von Ulli Bögershausen

Ende der Siebzigerjahre trafen sich in Kalifornien Gitarristen, die wichtige Anstöße für die Weiterentwicklung der Fingerstyle-Gitarre gaben. Ihre wichtigsten Vertreter waren Alex de Grassi und Michael Hedges (von dem in einer späteren Folge noch die Rede sein wird). Der für das Fingerpicking prägende alternierende Bass wurde abgelöst zugunsten fließender Arpeggien. Um aus gewohnten harmonischen Strukturen ausbrechen zu können, wurde die Gitarre häufig offen gestimmt. Typisch dabei ist, dass ein- und dieselbe Note in schneller Abfolge sowohl gegriffen als auch nachfolgend auf einer Leersaite angespielt wird. Das normalerweise sehr schnell gespielte Arpeggio wird kontrastiert durch einen Melodielauf in gleichem Tempo und gleicher rhythmischer Struktur. Um im Melodiespiel des Arpeggios das Tempo zu halten, kommen Hammerings, Pull-Offs und ständige Saitenwechsel zum Einsatz; der Spielfluss wird nie unterbrochen.

Alex de Grassi ist als der wohl bedeutendste Gitarrist dieser Richtung zu nennen. Kein Zweiter verfügte damals über eine so lockere rechte Hand – samt ausgefeiltem  kompositorischen Vermögen. ‚Turning, Turning Back‘ und später ‚The Zipper‘ sind Meilensteine des Genres und für mich bis heute die schönsten Beispiele seines Könnens.

Das Spielstück dieser Folge greift die beschriebenen Elemente auf; schon der triolische Rhythmus signalisiert die Abkehr vom alternierenden Bass. Wir benutzen ein Double-Dropped-D-Tuning (DAGGHD, beide E-Saiten sind einen Ganzton tiefer gestimmt) und aus klanglichen Gründen einen Kapo im 4. Bund. Basis ist ein Pattern, gespielt mit Daumen,  Zeige-, Mittel- und Ringfinger.

Stilkunde - Alex De Grassi von Ulli Bögershausen

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