Acoustic Player
Elixier
Aktuelle Ausgabe: 1/2012


Markus Wöckener, Gitarrenbau

Dietrich, Gitarrenbau

Acoustic Music Books, Notenverlag


WALLIS BIRD

WALLIS BIRD & BAND

20.03. Ulm, Roxy
21.03. AUT- Wien- Flex
22.03. München- 59to1
23.03. Mannheim- Capitol
26.03. Kassel- Schlachthof
27.03. Köln- Kulturkirche
28.03. Hamburg- Knust
29.03. Berlin- Lido
11.04. Magdeburg- Projekt 7
12.04. Bielefeld- Forum
13.04. Bremen-Tower
14.04. Münster- Gleis 22
15.04. Duisburg- High5Club
17.04. Leipzig- Moritzbastei
18.04. Würzburg- Posthalle
19.04. Jena- F-Haus
20.04. Nürnberg- MUZclub
21.04. Stuttgart- Club Zentral
23.04. Freiburg- Jazzhaus
24.04. CH- Basel- Kaserne
25.04. Konstanz- Kulturladen
26.04. CH- Luzern- Konzerthaus Schüür
27.04. Karlsruhe- Substage
28.04. Frankfurt- Zoom (ehemals Sinkkasten)

Weitere Präsentationen


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Textauszüge der Online-Ausgabe:
 
Konzerte ...

... sind ein Ereignis. Sie schaffen ein Gemeinschaftserlebnis, sind eine einmalige Momentaufnahme und wecken ein Gefühl, das Tonträger nur schwer transportieren können. Wie jedes Jahr um diese Zeit können wir ihnen einen randvollen Veranstaltungskalender On Tour präsentieren, mit ausgewählten Akustikgitarristen wie Jackson Browne, den wir zudem in einem ausführlichen Porträt vorstellen. Auch Al Di Meola, Thema unserer Titel-Story, war gerade in Deutschland unterwegs - ein Gitarrist, dessen famose Technik außer Zweifel steht. Das Weltmusikprojekt World Sinfonia und die Arbeit mit Orchester sind Facetten von Mr. Di Meolas Karriere, die wir im ausführlichen Interview Revue passieren lassen.

Einer der thematischen Schwerpunkte dieser Ausgabe ist der Blues. Im zweiten Teil der Serie Acoustic Blues Masters gehen wir zurück zu den Ursprüngen des 12-Takt-Genres – kombiniert mit drei Workshops zur Musik von Mississippi John Hurt (S. 114), Lonnie Johnson (S. 115) und Big Bill Broonzy (S. 116). Und schließlich präsentieren wir ihnen den Gewinner unseres Blues Solo Contest – wir gratulieren!

Natürlich gibt es auch in dieser Ausgabe wieder Workshops aller Stile und Schwierigkeitsgrade – insgesamt 15 an der Zahl. Hervorheben möchten wir Ulli Bögershausens Vorstellung von ‚Anji‘ – Davey Grahams Fingerstyle-Hit, der Generationen von Gitarristen begeistert und beeinflusst hat. Besonders ergiebig sind diesmal die Workshops zu Musikern, die wir im Story-Teil vorstellen: zu Al Di Meola, Jackson Browne und Jesse Harris lesen Sie nicht nur fundierte Portraits und Interviews, sondern können direkt ihre Musik nachspielen. Erwähnt sei schließlich noch KT Tunstalls Akustikballade ‚White Bird‘, zu der es ein komplettes Band-Playalong auf unserer CD gibt.

Sechs höchst unterschiedliche Steelstring-Acoustics haben wir kritisch getestet – von der preisgünstigen VIG Mini Jumbo bis zu Custom-Instrumenten von Heiner Dreizehnter oder dem australischen Hersteller Maton. Einmal mehr ist aufgefallen, dass der starke Marktwettbewerb in allen Preissegmenten zu einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis führt – goldene Zeiten für Gitarristen auf der Suche nach einem passenden Instrument. Für den besonderen Geschmack haben wir uns für Sie ergänzend eine Resonatorgitarre von Regal angehört, außerdem eine Ortega ENylonstring, einen bundlosen Akustikbass, zwei Klassikgitarren und die potente Preamp-Schaltzentrale PZ-Pre von Tonebone.

Als sich die beiden Holländer Jan van Veen und Jaap Kaiser bei uns meldeten und ihr Projekt Miniatur Martin D-35 vorstellten, waren wir spontan begeistert. Ab S. 84 können Sie in Wort und Bild nachvollziehen, wie ihr originalgetreues Mini-Modell einer Martin D-35 entstand, das mittlerweile einen verdienten Platz im Martin-Museum eingenommen hat.

Viel Spaß mit dieser Ausgabe wünschen Ihnen
Andreas Schulz & Stefan Woldach

 
Al Di Meola - World Sinfonia

Von Jens Hausmann

Al Di Meola Ob er nun tatsächlich der schnellste Gitarrist der Welt ist oder nicht: Seit den Siebziger Jahren zählt er zu den weltweit populärsten Gitarristen des Jazz-Rock. Mit seinem Projekt „World Sinfonia“ zeigt sich Mr. Meola von einer anderen Seite.

Nach dem Karriereeinstieg in der Band von Chick Corea hat Al Di Meola mit Paco de Lucia und John McLaughlin an einem berühmt gewordenen Freitagabend in San Francisco allen Gitarrenliebhabern ein Konzert von legendären Ruf geschenkt. Seither greift der scheinbar alterslose Virtuose immer häufiger zur akustischen Gitarre. Sein Repertoire hat sich dabei zugunsten von zeitgenössischen Komponisten wie Astor Piazzolla in Richtung Tango und Weltmusik verschoben. Eine Entwicklung, die sich mit seinem ersten World Sinfonia-Projekt Anfang der Neunzigerjahre nachvollziehen lässt und die nun in der Arbeit mit Orchester eine logische Konsequenz findet. Nach dem umjubelten Dortmunder Konzert mit den Internationalen Symphonikern unter Maestro Arkady Berin trafen wir auf einen gutgelaunten Solisten.

Herzlichen Glückwunsch zu einem wunderbaren Konzert.

Al Di Meola: Danke. Gerade nach so einem Abend würde ich mir wünschen, dass das häufiger gelingt; heute lief es hervorragend. Jahrzehntelang konnte man Al Di Meola mit Band erleben, insofern war das schon ein besonderes Event mit einer solch hochkarätigen Besetzung. Das öffnet mir die Türen zu neuem Publikum, ist Inspiration und musikalische Herausforderung gleichermaßen.

Auf der Bühne kam ausschließlich deine Conde zum Einsatz, wie auch auf dem aktuellen Album. Haben die spanischen Nylonsaiten deine Ovation Steelstring abgelöst?

Man könnte fast sagen, es ist ein Aufstieg, die Conde zu spielen. Eine große Umstellung auf alle Fälle. Sie ist schwerer zu spielen, aber belohnt mit einem reichen und komplexen Klangbild. Genau das, was ich für diese Musik brauche, ob mit oder ohne Orchester. Von Zeit zu Zeit vermisse ich meine Ovation, aber ich glaube, das, was ich jetzt gespielt habe, hat wunderbar funktioniert. Mit der Ovation habe ich auch mehr mit Effekten und Elektronik gearbeitet. Das ist gefährlich, denn mit Elektronik schafft man auch Distanz und rückt damit weiter weg vom Herzen der Hörer. An der Conde fasziniert mich der pure, direkte Ton. Sie braucht keine Elektronik, sie hat auch so schon all die Schönheit, die sie braucht.

Das erste Set war mit Orchester und Band, das zweite dann ohne Orchester, wie auf der CD. Kannst du etwas zu den Unterschieden in der Arbeitsweise sagen?

Im Laufe der Zeit komme ich mit der Situation im Orchester immer besser zurecht. Anfangs war ich sehr nervös. Mein musikalischer Ausdruck kommt dem Angestrebten immer näher, ich fühle mich damit inzwischen wohl. Auf der einen Seite bringe ich rhythmische Freiheiten und Improvisation in die zeitgenössische klassische Musik, andererseits nähert sich meine eigene Kompositionsweise mit mehr Gegenbewegungen in den Stimmen diesem Überschneidungsfeld.

Wie gehst du an Stücke von Barrios oder Piazzolla heran, wenn du sie bearbeitest?

Jeder Takt hat seine eigene harmonische Grundlage. Sobald die klar ist, hat man die Basis für Improvisation und Interpretation. Wir versuchen, die improvisierten Linien wie einen Bestandteil der Komposition klingen zu lassen; das war heute Abend besonders bei ‚Verano Porteño‘ eine spannende Sache. Der Dirigent Arkady Berin hatte es vorgeschlagen, unter anderem wegen des wunderbaren Solos der Geigerin Eugenia Gelen. Es erfordert viel Erfahrung, um geschmackvoll damit umgehen zu können.

(ab Seite 44 in Ausgabe 2/09)

 
Jackson Browne - Easy Writer

Von Michael Lohr

Jackson Browne So stellt man sich wohl ein Paradies vor: ein geräumiges Haus im schönen Neckartal, darin liberale Atmosphäre, regelmäßige Partys mit Live-Musik, vom Hausherrn organisiert, manchmal sogar mit Berühmtheiten. „Auch Django Reinhardt hat bei uns zu Hause gespielt“, weiß Jackson Browne.

1948 in Heidelberg geboren, als Sohn eines Journalisten der US-Army-Zeitung „Stars And Stripes“ ist er, als seine Eltern zwei Jahre später in die USA zurückkehren, noch zu jung für eigene Erinnerungen an die Zeit in Germany. Doch die Aufgeschlossenheit seiner Eltern und deren Faible für Kunst in Wort und Ton erlebt er in seiner Kindheit und Jugend in Kalifornien. Bücher und Musik füllen das Haus, es gibt ein Klavier, Gitarren, eine Mandoline, sogar eine Pfeifenorgel. Als beide Eltern später Englisch unterrichten, besitzt insbesondere der Vater jene coole Autorität, die selbst dem härtesten Straßenkind Respekt abnötigt und Freude an Bildung vermittelt: „Schon allein, dass er Jazz machte, ließ ihn als hippen Typ rüberkommen.“ Der Sohn soll mit sieben oder acht Trompete lernen, interessiert sich aber viel mehr für die Gitarre.

Mit etwa 13 fängt er an zu lernen, autodidaktisch und von Freunden: „Jeder damals konnte irgendetwas auf der Gitarre spielen. Jemand sang ‚Walk Don’t Run’, und schon wurde die Gitarre herumgereicht.“ Als er sich zur Zeit des Folk-Booms für sein Fingerpicking und Flatpicking etwas von einem breitschultrigen Gitarristen mit Cowboy-Hut abschauen will („ein toller Lehrer, der alles konnte, E-Gitarre, aber auch Travis-Picking wie der Teufel“), sagt der nur: „Dann kratz mal dein Taschengeld zusammen für eine Unterrichtstunde!“ Heute wünscht sich Browne, er wäre damals fleißiger oder weniger geizig gewesen „Wenn ich auf dessen Knien hätte aufwachsen können, wäre ich ein wesentlich besserer Gitarrist geworden.“ Etwas später gibt er selbst Gitarrenstunden; seinen Schülern bringt er beliebte Folksongs oder aktuelle Radio-Hits bei, die er selbst abgehört hat.

Irgendwann beginnt Browne sogar, den Jugendlichen seine eigenen Songs beizubringen. „Das Interessante daran: Wenn jemand von dir etwas beigebracht haben will, kommst du von alleine auf ein höheres Niveau. Denn um etwas vermitteln zu können, muss man sich bewusst machen, was man da tut. Diese Bewusstheit führt wieder zu künstlerischem und handwerklichem Wachstum. Insofern habe ich viel gelernt durch meine Schüler.“ Lieder zu schreiben ergibt sich aus Brownes Umfeld fast natürlich. Der Vater komponiert, und von beliebten Folksongs kursieren Dutzende Versionen. „Dadurch verschwimmt irgendwann die Grenze zwischen bloßem Bearbeiten und dem, was man selbst schreibt.“ Immerhin weiß der Junge schon: Lieder werden von Menschen geschrieben, denn „mein Vater hat Lieder immer so angekündigt: ‚Diesen Song haben Johnny Mercer und Hoagy Carmichael geschrieben.’“ Hinzu kommt ein ganz besonderes Erlebnis: „Eine Freundin meiner Schwester ruft an und meint: ‚Ich hab gerade ein Lied geschrieben. Willst du es hören?’ Ich sage ja, sie legt den Hörer beiseite und fängt an. Es war richtig gut, im Doo-Wop-Stil; etwa 1959.“ Nun weiß Jackson Browne: Auch ganz normale Leute können Lieder schreiben, nicht nur die auf einen Sockel gestellten Figuren wie Johnny Mercer, von dem im Hause Browne erzählt wird, dass er ‚Lazybones’ in zehn Minuten geschrieben hätte und eine Million Dollar damit verdiente. Daraus wiederum schließt der junge Jackson: „Man kann mit Sachen, die man sowieso gern macht, tatsächlich Geld verdienen.“

Brownes erste eigenen Stücke singen Freunde, weil er sich für keinen guten Sänger hält. Auf die Idee, selbst aufzutreten, kommt er erst, als er mit Freunden zu einer Open-Mic-Bühne geht und sie abwechselnd singen, was seine Lieblingsbeschäftigung wird: „Ich habe es viele Jahre nicht vermocht, aber in letzter Zeit wieder damit angefangen und dabei gespürt, dass ich mich ins Musizieren überhaupt erst deswegen verliebt habe: Mit Freunden zusammensitzen, ihnen Lieder vorspielen oder ihre eigenen hören, Neues kennen lernen.“ So lernt er vieles. Unter anderem, wie man Chuck-Berry-Songs spielt und zwar vom späteren Eagles-Mitglied und Songwriter Glenn Frey: „Glenn hatte sie von Platten abgehört und spielte sie. Ich kannte diese Lieder aus dem Radio in- und auswendig, aber sie zu Hause im Wohnzimmer von jemandem auf einer Akustikgitarre zu hören, ist etwas ganz anderes.“

(ab Seite 60 in Heft 2/09)

 
Maton W.A. May Custom

Von Franz Holtmann

Satin Box, Blackwood? Das sind Hölzer, von denen wir hier in Europa noch nicht einmal gehört haben. Bei Maton spielen diese besonderen Tonhölzer aus dem australischen Busch im Bau der High End-Modelle eine tragende Rolle. Mit dem Modell W.A. May zollen die Nachkommen ihrem Gründervater Bill May Tribut.

Maton ist seit einigen Jahren in neuen Fertigungshallen und mit hochmodernem Maschinenpark in einem Vorort von Melbourne beheimatet. Das ist immer noch ganz in der Nähe jener ersten Werkstatt, in der Bill May vor mehr als sechzig Jahren mit dem Gitarrenbau begann. Ihm zu Ehren gibt es nun das Modell W.A. May Custom in limitierter Auflage, denn Hölzer wie Satin Box, das nur in Symbiose mit Victorian Blackwood auftritt, sind selten.

Konstruktion

Bei dem Modell W.A. May Custom handelt es sich formal und von den Abmessungen her um eine Dreadnought. Das Besondere an dieser Gitarre ist neben ihrer Abkunft aus dem Custom Shop (also Handfertigung) die Zusammenstellung der Tonhölzer. Der leicht gewölbte, aus zwei Teilen unverziert gefügte Boden und die Zargen bestehen aus Satin Box, ein optisch schlichtes, aber klanglich vorzügliches Material mit sehr guten Reflektionseigenschaften. Die Decke aus schöner Fichte in AAA-Qualität präsentiert sich mit feiner Maserung, die überdies von seidiger Querzeichnung durchsetzt ist. Das tragende Balkenkreuz macht einen recht robusten Eindruck, aber die kleinen Leisten wurden allesamt von Hand fein ausgearbeitet. Umlaufend sind die Zargenränder mit Streifen von "figured blackwood" eingebunden; die Decke zeigt zudem ein mehrstreifiges Purfling (Inlay). Binding und Zierstreifen finden eine Entsprechung in den Ziereinlagen rund um das Schallloch.

Für den einteiligen Hals kam Victorian Blackwood zum Einsatz, ein Holz aus dem australischen Regenwald, das für einen vollen, warmen Ton steht. Als Griffbrett fand sich Ebenholz von feiner Struktur, in das 21 schlanke und glänzend polierte Bünde sowie kleine Punkte aus Perlmutt zur Lagenkennung eingelassen wurden. Die eigenwillige Gestaltung der leicht abgewinkelten Kopfplatte ist Bill Mays frühen Meisterstücken entlehnt und fällt mit einer Reliefstruktur und der Einlage aus Perlmutt ins Auge. Natürlich gibt es zur Halskorrektur auch einen Stellstab, der durch das Schallloch erreichbar ist. Bill May schaute immer nach vorn, und so hätte auch er für den Einbau des bewährten hauseigenen Pickup-Systems AP5 plädiert, das, eingelassen in die obere Zarge, mit einer ebenso schlicht wie effektiv angelegter Regeleinheit das Instrument fit macht für den unkomplizierten Bühneneinsatz. Die Anschlussbuchse sitzt in der unteren Zarge, nicht im Gurtpin. Optisch tritt die Gitarre eher schlicht an. Das liegt auch an der dünnen, matten Lackierung der hellen Korpushölzer, aber im Detail blitzt gitarrenbauerische Klasse auf, und die Verarbeitung des Custom-Modells ist rundum hochklassig.

(ab Seite 92 in Heft 2/09)

 
Dreizehnter SJ 15 Premium Small Jumbo

Von Andreas Schulz

Die Besonderheiten, die Heiner Dreizehnter in seinem neuen Modell SJ 15 verwirklicht hat, machen neugierig: Hals aus Palisander, Übergang zum Korpus am 15. Bund, verlängerte Mensur. Eine Small Jumbo auf halbem Weg zur Baritongitarre?
Heiner Dreizehnter arbeitet in Leutkirch und bietet wie viele deutsche Gitarrenbauer an, in Absprache mit dem Kunden ein individuelles Instrument nach vorher genau besprochenen Spezifikationen zu fertigen. Seine Standardmodelle umfassen diverse Steelstrings und Klassikgitarren; einer seiner persönlichen Schwerpunkte ist der Bau von Mandolinen, Mandolas und Bouzoukis.

Konstruktion

Dreizehnters SJ 15 Premium strahlt eine gediegene Eleganz aus. Mit ihrer gleichmäßig und eng gemaserten Zederndecke und dem Korpus aus ostindischem Palisander ist diese Gitarre eine eher dunkle Schönheit. Dazu passt die Mattlackierung, die perfekt ausgeführt wurde. Korpus und Hals haben ein leicht unterschiedliches Griffgefühl; der Hals ist spürbar glatter, was den Erwartungen der meisten Gitarristen entsprechen dürfte. Der Korpus ist mit einem mehrstreifigen Binding eingefasst, das Muninga, Ahorn und Palisander verbindet (Muninga ist ein graubraunes afrikanisches Laubholz). Alle Arbeiten sind vom Gitarrenbauer perfekt erledigt worden, ebenso spürt man die hohe Qualität aller verbauten Materialien.

Verzierung findet man ebenfalls: Die Stegpins aus Ebenholz sind mit einem Perlmutt-Inlay geschmückt. Aus dem gleichen Material besteht das stilisierte Namenskürzel <HD> auf der Kopfplatte sowie die Schalllochumrandung. Lagenmarkierungen gibt es nicht auf dem Griffbrett selbst, sondern in Form kleiner Punkte an der Oberseite der Griffbrettkante. Einzig ein dreieckig verschlungenes Motiv im 12. Bund schmückt das Ebenholzgriffbrett. Heiner Dreizehnter hat an weiteren edlen Materialien nicht gespart und für Steg und Kopfplattenfurnier Riopalisander spendiert. Die Kopfplatte hat eine eigene abgerundete Form, die nicht nur gut aussieht, sondern auch eine annähernd gerade Saitenführung vom Sattel zur Mechanik gewährleistet. Die Tuner stammen von Gotoh: Die verchromten 510-Tuner haben eine Übersetzung von 18:1 (was sehr feines Stimmen erlaubt) und tragen Snakewood-Knöpfe, die perfekt zum Erscheinungsbild der Gitarre passen. Sie arbeiten erwartungsgemäß einwandfrei.

Die eigentlichen Besonderheiten dieser Gitarre haben mit dem Hals zu tun. Er besteht aus ostindischem Palisander, ein Holz, das man eher für den Korpus kennt. Dazu Heiner Dreizehnter: "Durch den Palisanderhals hat die Gitarre ein ausgewogenes Klangverhalten und ein sehr langes Sustain. Der härtere und schwerere Hals hat ein höheres Stehvermögen; auch bei sehr dynamischem Einsatz geht der Ton nicht in die Knie oder überschlägt sich. Weniger Schwingungsenergie der Saite geht im Hals verloren, die Energie wird auf die Decke transportiert, dahin, wo ich sie haben möchte." Dreizehnter verspricht sich also vergrößerten Dynamikumfang bei gleichmäßigem und lange ausklingendem Ton. Zur Materialauswahl gesellt sich die auf etwa 66 cm verlängerte Mensur ("Dadurch ist die SJ 15 Premium gut geeignet für offene Stimmungen, vor allem für tiefe wie DADGAD."). Drittes interessantes Baudetail: Der Hals-Korpus-Übergang liegt am 15. Bund, also einen Bund höher als bei modernen Steelstrings üblich. Heiner Dreizehnter dazu: "Der Halsansatz am 15. Bund erspart für viele Spieler den Cutaway, was optische und finanzielle Vorteile hat."

Der Hals selbst trägt ein Griffbrett mit 21 Bünden und ist mit dem Korpus verleimt. Die Halsbreite von 45 mm am Sattel und 55 mm am 12. Bund kommt Fingerstyle-Zupfern ebenso entgegen wie Plektrum-Spielern. Auch das Profil der Rückseite liegt gut in der Hand und dürfte keinen Gitarristen vor Probleme stell

 
Martin OMCRE

Von Franz Holtmann

Seltsamer Name, denkwürdiges Instrument. Mit dem Modell OMCRE stellt Martin eine Gitarre mit neuartiger Schraubhalsverbindung vor, die dem Spieler spontanen Zugriff auf die Einstellung der Saitenlage erlaubt. Schmaler Korpus im OM-Format und professionelles Fishman Aura Pro Pickup-System machen die Gitarre fit für die Bühne.
Auch für einen Traditionshersteller wie Martin bleibt die Zeit nicht stehen. Das originelle Hals-Design mit stufenloser Justagemöglichkeit des Halswinkels ist Beleg für die Suche nach neuen Wegen im Gitarrenbau. Moderne Steelstring-Gitarren werden meist im Detail, selten jedoch konzeptionell verändert. Der Gitarren-Designer Jeff Babicz, mit dem Martin bei diesem Modell kooperiert, steht allerdings für innovative Entwicklungsarbeit und wurde dafür bereits vielfach ausgezeichnet.

Konstruktion

Auf der Grundlage eines OM-Designs mit Cutaway im Vintage-Look wurde das Modell OMCRE unter Verwendung der innovativen Babicz-Halskonstruktion entwickelt. Der Korpus besteht aus ostindischem Palisander, der zweiteilige, leicht gewölbte Boden wurde spiegelgleich über einen hübschen ZigZag-Streifen gefügt. Für die ebenfalls zweiteilige Decke fand eng gemaserte Fichte aus den Karpaten Verwendung. Unterbaut ist sie von einem "Scalloped Standard X-Bracing" aus Sitkafichte. Die Deckenränder ziert ein feiner Herringbone-Streifen; das Schallloch ist mit mehrfachen Ringeinlagen verziert. Ein daran anschließendes Schlagbrettchen aus rotbraunem Tortoise schützt die Decke.

Kommen wir zum Extra dieses Modells: Der Hals aus Cedro mit Ebenholzgriffbrett ist über eine besondere Konstruktion in den Korpus eingebracht. Die patentierte Hals/Korpusbefestigung erlaubt über eine mechanische Vorrichtung die stufenlose Einstellung der Saitenlage. Auf der Korpusrückseite findet sich der Zugang zu einer Schraubvorrichtung, über die sich mithilfe des zum Lieferumfang gehörenden Schlüssels der Halswinkel fließend verändern lässt. Bei Drehung im Uhrzeigersinn erhöht sich die Saitenlage, entgegen denselben wird sie flacher. Der Halsklotz mit der integrierten Mechanik fällt im Vergleich mit einem Standard-Modell entsprechend größer aus, die Deckenränder rings um den eingesetzten Halskopf zeigen etwas Luft, die es auch braucht, um dem Hals die nötige Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Ansonsten präsentiert sicht dieser matt versiegelte Hals mit eher klassischen Zügen samt schlanker Bundierung, Style 21 Abalone Squares als Griffbretteinlagen und einem abgewinkelten Kopf mit Ebenholzauflage sowie offenen Gotoh-Vintage-Mechaniken mit Butterbean-Knöpfen in Nickelausführung. Natürlich gibt es auch hier einen eingelegten Stellstab, dessen Zugang hinter einem kleinen Ebenholzplättchen oberhalb des Sattels verborgen liegt.

In die kräftig ausgeformte Brücke aus Ebenholz im klassischen "Pyramid Stauffer Style" ist eine längenkompensiert ausgearbeitete Einlage aus White Tusq eingelassen. Die Mensur beträgt 64,5 cm. Die OMCRE ist als bühnentaugliches Arbeitsgerät mit eingebautem Pickup-System konzipiert. Das professionelle Fishman Aura Pro mit piezokeramischem Steg-Pickup, mischbar mit vorgefertigten Acoustic Sound Images, sitzt vorn in der oberen Zarge und verfügt neben dreibandiger Klangregelung über Volume- und Blend-Regler, Anti-Feedback- und Phasenumkehr-Schalter, ein integriertes Stimmgerät und die Option auf Programmierung eigener Klangkreationen. Über den als Anschlussbuchse ausgelegten Gurtpin lässt sich das Signal abgreifen. Ein zweiter Gurtpin findet sich vorn am Halsstock. Die Verarbeitung des Modells OMCRE ist wie die hochglänzende Lackierung mit Vintage-Toner uneingeschränkt hochklass

 
Regal RC-2 Duolian Resonator-Gitarre

Von Christian Veith

Schon mal was von Emil Wulschner gehört? Er zählt zu den deutschen USA-Immigranten, deren Namen einen festen Platz in der Historie der Steelstring-Instrumente haben. Sein Haus in Indianapolis gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den größten musikalischen Vollsortimentläden des Landes.

Ab den 1890ern produzierten "Wulschner & Son" erstmals Instrumente unter dem Markennamen Regal (engl. für prächtig, majestätisch). In seiner wechselvollen Geschichte wurde der Name häufig verkauft, zeitweilig auch stillgelegt. Die qualitativ besten Zeiten hatte Regal in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts, als enge Verbindungen zu National/Dobro bestanden. Seit 1987 werden die Regals als Resophonic-Hausmarke des kalifornischen Instrumentenmultis Saga in Fernost produziert.

Konstruktion

Die Regal RC-2 weist als Duolian-Modell folgende typischen Grundelemente auf: 9,5-Zoll Single-Cone-Resonator mit Biscuit-Steg, Stahlkorpus, F-Löcher in den Schultern. Charakteristisch ist auch die Bodenwölbung, die 2 cm innerhalb der Außenkante markant anhebt. Korpus und Trichterplatte sind außen vernickelt, ansonsten aber schmucklos, also ohne Gravuren. Die Kopfplatte dagegen stellt ihren "königlichen" Anspruch deutlich zur Schau und prangt eigener Tradition folgend in weißer Perlmutt-Optik. Darauf thront das alte grüne Regal-Logo mit der Krone. Den Austritt des Stahlstabes am Sattel ziert eine Abdeckung mit floralem Art-Deko-Muster vor goldglänzendem Hintergrund. Der Hals wiederum ist einfach gehalten – ohne Binding, nur mit simplen weißen Dots zur Orientierung.

Herzstück der Resonator-Konstruktion ist ein Aluminiumtrichter der etwas steiferen Sorte, wie sie in Resophonics dieser Preiskategorie die Regel sind. Dazu gibt es den gewohnten, zum Boden hin zweifach abgestützten Längsbalken. Die Verarbeitung hinterlässt hier, ebenso wie im Außenbereich, einen akurat-sauberen Eindruck. Lediglich der lose herumfliegende Holzklotz, der die Tailpiece-Schraube aufnehmen soll (...).

 
Davey Graham - ‚Anji‘

Von Andreas Schulz

Die Fingerstyle-Szene hat eine ihrer großen Gestalten verloren: Am 15. Dezember verstarb Davey Graham an Lungenkrebs. Grahams Spezialität war die Verschmelzung von folkloristischen Themen und Klängen mit Jazz und Kunstmusik. Anstelle eines wortreichen Nachrufs möchten wir uns von Davey Graham musikalisch verabschieden.

Seine Komposition ‚Anji‘ (auch unter dem Titel ‚Angie‘ bekannt) ist sicher eines der bekanntesten Stücke der Fingerstyle-Gitarrenliteratur überhaupt. Es gibt davon ungefähr ebenso viele Versionen wie es Gitarristen gibt, die es spielen. Das liegt am speziellen Charakter des Stückes. Ich nenne solche Titel "gitarristische Stücke", da sie keine wirklich singbare Melodie haben und wohl kaum am Piano oder an der Harfe komponiert worden wären. Vielmehr entstanden sie aus einem Gitarren-Riff.

Prägnant bei ‚Anji‘ sind das A-Moll, der Walking Bass und der Triolen-Swing. Dadurch bietet das Stück Freiheit für die eigene Ornamentik. ‚Anji‘ bleibt indes stets identifizierbar, egal, da gelegentlich ein Pull Off mehr oder weniger gespielt wird. Das zweitaktige Thema wird viermal wiederholt (nicht immer, siehe Bert Jansch), ehe es von diversen Fills kontrastiert wird. Auch diese Fills bieten alle Möglichkeiten zur freien Gestaltung und können bluesig oder filigran gespielt werden. Mich hat es gereizt, in diesem Workshop möglichst viele Variationen vorzustellen. Erfindet euch eure eigene Variante; ich bin mir sicher, es würde Davey Graham freuen, sein ‚Anji‘ in so vielfältiger Weise lebendig zu sehen.

Gehen wir ins Detail: Die ersten beiden Takte bilden das Hauptthema, der Rhythmus ist durch Achteltriolen geprägt. In der einfachsten Version könnten wir diese Takte viermal wiederholen. Paul Simon (wie Bert Jansch) spielt in seiner Version (auf ‚Sounds Of Silence‘ von 1965) auf dem zweiten Beat einen Pull-Off zusätzlich (siehe Takte 3 und 4). Die Takte 7 und 8 entsprechen dem Original; so spielt es Graham 1962 selbst. Hier habe ich den Fingersatz anders notiert, und zwar für alle, die wie ich nicht so gut die Bässe mit dem Daumen der linken Hand greifen können. Der Ausgang des Themas in Takt 7 und 8 ist dann mehr Werner Lämmerhirts oder Klaus Weilands Zutat. Es gibt keine klare Regel, wie oft diese acht Takte zu wiederholen sind. Vielmehr hängt es davon ab, wie viele Variationen der gegenübergestellten Fills dem Vortragenden bekannt sind oder einfallen. Paul Simon spielte das 2:15 Minuten lang, Klaus Weiland schon mal 5:22.

Nennen wir die ersten acht Takte den A-Teil, die Takte 9 bis 16 den variablen B-Teil. Nach jedem neuen B-Teil können wir den A-Teil wiederholen. Bestimmte Themen haben sich allerdings als besonders prägnant herausgestellt. Einige davon stellen wir vor, ihr kennt sicher weitere Variationen.

Einer dieser B-Teile fällt besonders auf, da er aus einer "freigestellten Melodielinie" besteht, die wohl alle kennen. Durch diese Andersartigkeit fällt dieser Teil besonders auf und übernimmt die Rolle eines C-Teils. Die Ohren der Zuhörer werden durch die neue Melodie und das Fehlen des durchgängigen Bassgrooves quasi durchgepustet, und sind so bereit für eine weitere Wiederholung des Hauptthemas und weiterer B-Teile. Die beiden Schlusstakte ersetzen die Takte 7 und 8 des A-Teiles. Es sei noch angemerkt, dass ‚Anji‘ je nach Interpret ohne Kapodaster (Davey Graham), mit Kapo im 2. Bund (Paul Simon) oder mit Kapo im 3. Bund (Bert Jansch) gespielt wird.

(vollständiger Text inkl. Noten und Tabs in Heft 2/09)

 
Jackson Browne - ‚Something Fine‘

Von Andreas Schulz

Jackson Browne ist ein alter Hase. Auch beim Begleiten. Unser Workshop-Titel ‚Something Fine‘ stammt ursprünglich von der LP ‚Saturate Before Using‘, veröffentlicht im Januar 1972, als CD wiederveröffentlicht im Oktober 1990. Unser Arrangement bezieht sich im Wesentlichen auf die Version, die auf der Scheibe ‚Solo Acoustic Vol. 2 Live‘ zu hören ist.

Geschickt ist die Wahl der Stimmung: DFCFAD. Was zunächst seltsam und willkürlich anmutet, ergibt sich logisch aus dem Song-Zusammenhang. Basis ist das Tieferstimmen um einen Ganzton (DGCFAD), dann wird zusätzlich die 5. Saite um einen weiteren Ganzton nach unten auf F gestimmt. F ist denn auch die Tonart des Stückes, die leere F-Saite dient für weite Passagen als Pedalton im Bass. Durch den Kniff mit dem tiefen Tuning kann Browne Grundton F und Quinte C als Leersaiten spielen, auch wenn er ab Takt 10 in höheren Regionen des Halses unterwegs ist. In meinen Augen ist das hier abgedruckte unbegleitete Song-Intro ein echtes kleines Schmuckstück – mit ganzen drei Basisakkorden: F, Bb/F und Dm9 (Takt 14 und 15).

Wer Erfahrung mit Folk-Patterns und Wechselbass hat, sollte mit diesem Ausschnitt aus ‚Something Fine‘ gut klarkommen. Es lohnt sich dennoch, das Stück langsam und Takt für Takt zu üben, denn erstens klingt das Ergebnis nach solch sorgfältiger Arbeit um Klassen besser, und zweitens gibt es doch einige Stellen, die man sich in Sachen Fingersatz und Rhythmik genauer anschauen sollte. Achtet besonders auf die Slides. Browne slidet häufig von einer und-Zählzeit aus auf den nächsten Beat. Die Melodie wird auf dem Beat also durch den Slide produziert, während die Bassnote regulär mit dem Daumen angeschlagen wird. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Am besten klingt ‚Something Fine‘, wenn es möglichst fließend und mit lang ausklingenden Tönen gespielt wird – man erreicht dann fast den sonoren Klang einer Baritongitarre.

(Vollständiger Text inkl. Noten und Tabulaturen in Heft 2/09)

 
Al Di Meola - Perpetual Emotion

Von Peter Autschbach

Al Di Meola ist bekanntermaßen ein Wechselschlag-Weltmeister. Er spielt Arpeggien mit dem Plektrum, die normale Menschen nur mit Fingerpicking hinbekommen. Die Akkordbrechungen klingen dadurch messerscharf und besonders kraftvoll. Eine weitere Stärke von Di Meola ist sein unfehlbares Timing. Das Beispiel ist ein Ausschnitt aus dem Song ‚Perpetual Emotion‘, bei dem seine Qualitäten eindrucksvoll zur Geltung kommen. Die Einspielung war eine echte Herausforderung. Die rhythmischen Details auszuarbeiten, ist keine leichte Aufgabe, vom Tempo ganz zu schweigen. Tastet euch ganz langsam an das Originaltempo von 100 bpm heran. Auf unserer CD hört ihr zunächst die schnelle Version, dann zum besseren Nachvollziehen eine langsame Fassung (70 bpm). Mit etwas Übung fällt das Stück leichter als die Noten vermuten lassen. ‚Perpetual Emotion‘ wird durchgängig mit "Palm Mute" gespielt, der Handballen der rechten Hand dämpft dabei die tief gestimmten Saiten leicht ab. Greift das G auf der H-Saite mit dem 2. Finger und das A auf der D-Saite mit dem 1. Finger. Lediglich in den letzten beiden Takten bietet es sich an, für das G den 3. Finger einzusetzen. Mit konsequentem Wechselschlag kommt man an manchen Stellen nicht weiter, beachtet darum die Symbole für Auf- und Abschläge (...).

 
‚Stocktime‘ – Mississippi John Hurt

Von Norbert Roschauer

Er war nicht nur Blues-Sänger, sondern auch Sammler traditioneller Songs. In sein Repertoire flossen die aktuellen Themen seiner Zeit. Den Lebensunterhalt verdiente er beinah lebenslang als Farmarbeiter, Musik machte er nur nebenher. 1928 hatte er mäßig erfolgreiche Platten aufgenommen, und wegen der damaligen Weltwirtschaftskrise bedeutete dies schon das Ende seiner Karriere. Erst im hohen Alter wurde Mississippi John Hurt wiederentdeckt. Im Rahmen des Blues-Revivals in den Sechzigerjahren erwachte ein großes Interesse an alten Blues-Aufnahmen, und man suchte nach den damaligen Interpreten. Den in der Versenkung verschwundenen John Hurt fand man in seinem Heimatort Avalon (nach dem er auch einen Song benannt hatte). In den letzten drei Jahren seines Lebens feierte er große Erfolge, unter anderem auf dem legendären Newport Folk Festival. In dieser Zeit nahm er mehrere Platten auf.

Mississippi John Hurt zählt zu den einflussreichsten Vertretern des Country-Blues. Stefan Grossmann, der mit seinen Büchern vielen Gitarristen die Welt des akustischen Blues näher brachte, war einer seiner Schüler. Kennzeichnend für John Hurts Stil ist seine ausgefeilte Fingerpicking-Technik mit Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Die meisten Blues-Musiker seiner Zeit spielten nämlich ohne Gebrauch des Mittelfingers. Auf diese Weise konnte Hurt virtuose Rhythmuspatterns spielen oder einer Basslinie eine Melodie gegenüber stellen. Dazu kam seine sympathische weiche Stimme, mit der er seine Geschichten vortrug.

Wir beschäftigen uns heute mit dem Instrumental ‚Stocktime‘. Stilistisch gehört es zum Ragtime-Blues, Grundlage ist eine einfache achttaktige Akkordfolge. Abb. 1 zeigt den ersten Chorus. Beim F-Dur-Akkord greifen wir mit dem Daumen im ersten Bund der tiefen E-Saite. Manche Griffwechsel müssen wir wegen des Tempos schon auf Zählzeit <4> vorbereiten: Die Finger werden angehoben und die leeren Saiten angezupft. Den zweiten Chorus finden wir in Abb. 2, dessen Umfang, recht unkonventionell, zehn Takte beträgt. Typisch sind die kleinen melodischen und rhythmischen Verschiebungen. Seinen Reiz erhält das Stück des weiteren durch Variationen einzelner Takte, wie in Abb. 3 aufgeschrieben. Wer zum Original mitspielen will, muss die Gitarre einen Ganzton tiefer stimmen. Die Aufnahme auf unserer Begleit-CD ist in Standardstimmu

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