Von Jens Hausmann
Die Tramontane-Serie wurde nach einem Fallwind Südfrankreichs benannt, von dort stammt auch das Design der Instrumente von Michel Lâg-Chavarria. Die 400er-Serie rundet die preisgünstigen Modelle aus chinesischer Fertigung nach oben ab. Wir testen das Nylonsaiten-Auditorium-Modell mit Tonabnehmer und Cutaway.
Neben dem Hauptgeschäft mit E-Gitarren und akustischen Instrumenten aus dem Mastershop gibt es bei Lâg diese kürzlich überarbeitete Fernost-Serie seit 2008, unterteilt in einzelne Kategorien, die sich über Merkmale wie Materialauswahl, Lackierung und Tonabnehmer-Ausstattung unterscheiden.
Konstruktion
Ein elegantes Design prägt den ersten Eindruck dieser Bühnengitarre. Die Rosette aus Palisander und Ahorn trägt ein eingelegtes Katharerkreuz und korrespondiert mit den Einfassungen und dem Korpusholz. Boden und Zargen bestehen aus indonesischem Palisander. Laut Herstellerinfo wird, um die Qualität zu sichern, in der Fertigung bei Zuschnitt, Trocknung und Feuchtigkeitsregulierung nichts dem Zufall überlassen. Für einen spritzigen, klar definierten Ton werden bei der 400er-Serie Decken aus massiver Sitkafichte verbaut, die Nylonvariante besitzt eine Fächerbeleistung. Der Mahagonihals ist schmal und kompakt gehalten und seidenmatt lackiert, während der Korpus in Hochglanz versiegelt wurde.
Auffällig sind der bei Nylonmodellen eher selten anzutreffende Einstellstab und das Design der geölten Kopfplatte mit Palisanderfurnier und dreidimensionaler Stufe samt Ahornlogo, abgerundet durch schwarze Mechaniken mit satinierten Flügeln. Auch der Steg hat eine eigenwillige Form und besteht wie das Griffbrett mit achtzehn Medium-Bünden aus Palisander. Die optische Gestaltung ist ansprechend ohne Übertreibungen. Auch kleine Details wie kompensierte Stegeinlage und Sattel aus Graphit fügen sich harmonisch in das Gesamtbild. Holzarbeiten und Lackierung sind sauber ausgeführt, lediglich die Decke ist im Innern etwas rau.
Pickup und Elektronik
Der in Zusammenarbeit mit Shadow entwickelte Studiolâg-Plus-Vorverstärker in Verbindung mit dem Nanoflex-Pickup bietet fünf Klang-Presets für unterschiedliche Spieltechniken: natürlicher Folk-Sound, samtige Mitten, Studio-Mittendämpfung, Fingerpicking und ein höhengedämpfter Jazz-Sound. Zusätzlich zur Verfügung steht ein Bass/Höhen-Regler, der im Bypass-Betrieb aktiv bleibt, sowie ein chromatischer Tuner nebst Lautstärkeregler und Batterieanzeige. Das System wird mit zwei von außen zugänglichen 3V-Knopfzellen gespeist. In neutraler Einstellung überträgt das System den Klang der Gitarre authentisch und natürlich. Das Ausgangssignal ist dabei etwas leiser als bei herkömmlichen Systemen. Je nachdem ob mit Fingern, Nägeln oder Plektrum verschiedene Stilrichtungen angesagt sind, findet sich unter den Presets die passende Einstellung. Wie auf der Hersteller-Website anhand eines Videos dargestellt, klingt das mit Stahlsaitengitarre und magnetischem Tonabnehmer durchaus überzeugend. Für die Testgitarre mit Nylonsaiten stellen sich die Klangeinstellungen ebenfalls absolut brauchbar dar.
Technische Daten
Hersteller Lâg
Modell Tramontane T4NACE Nylon
Typ Auditorium E-Nylonstring
Herkunft China
Korpus indonesischer Palisander
Decke Sitka-Fichte, massiv
Binding Palisander/Ahorn
Verbalkung Fächerbeleistung
Hals Mahagoni, seidenmatt lackiert
Griffbrett Palisander
Bünde 18
Mechaniken matt-schwarz
Sattel/Stegeinl. Graphit, schwarz
Mensur 650 mm
Halsbreite Sattel 48 mm/12. Bund 60 mm
Elektronik Nanoflex-Pickup mit Studiolâg-Plus-Preamp
Finish Hochglanz
Preis € 700
Vertrieb Korg & More/Marburg
Info www.korgmore.de; www.lagguitars.de
Den kompletten Test lesen Sie in AKUSTIK GITARRE 5-2010. Sie können Klangbeispiele dieser Gitarre und aller anderen getesteten Instrumente auf unserer Begleit-CD hören. CD-Bestellung hier ...
AKUSTIK-GITARRE-CD
Mit der Tramontane Nylonstring haben wir für unsere CD einen Track produziert, der die romantische Seite des Instrumentes in den Vordergrund stellt. Eine Latin-Ballade mit dezenter Begleitgitarre, stimmungsvoll artikuliertem Thema und Solo zeigt die Ausdruckskraft des Instrumentes.
Einspielung: Andreas Schulz
Von Christian Veith
Der australische Hersteller betrachtet seine Dreadnoughts „mit dem größtmöglichen Respekt als Ladies“. Dass daraus „Fat Ladies“ (FL) werden, ist der Korpusgröße geschuldet und zeugt von Humor.
Hinter Cole Clark steht Mastermind Bradley Clark, der elf Jahre bei Maton als Produktionsleiter und CEO tätig war. Das Cole-Clark-Credo: Solide Instrumente aus soliden Hölzern zu soliden (erschwinglichen) Preisen.
Konstruktion
Die FL 1 ist die einfachste Variante der Fat-Lady-Reihe und kommt als schmuckloses Instrument in matter, offenporiger Lackierung. Die Decke besteht aus Bunya, das etwas steifer als Fichte ist. Markant sind die variablen Farbverläufe. Korpus und Hals bestehen aus Queensland Maple, das in Aussehen und Beschaffenheit dem Mahagoni nahe kommt. Wahlweise gibt es die FL 1 auch mit Fichte und/oder Tasmanian Blackwood. Der Schlichtheit geschuldet ist das Fehlen von Korpus-Bindings, lediglich ein schmaler Streifen aus dunklem Holz umrahmt die Decke. Als Rosette fungieren zwei ebensolche Ringe. Der Cutaway verläuft in einer eigenwilligen Linie - direkt ab Ansatz führt er bereits vom Halsblock weg und verkleinert den Ausschnitt. Der Steg ist eine übliche Pin-Loch-Konstruktion, relativ flach, großflächig und mit eigener Formgebung. Hals und Korpus sind traditionell aufwändig verbunden. Der Halsblock ist dabei eine Einheit, der die Zargenenden in entsprechenden Nuten aufnimmt. Ein großer Schraubstift samt Mutter innen am Halsblock dient nicht zur Befestigung, sondern ist Ansatzpunkt des Stahlstabes.
Die Fat Lady vertraut auf einen eigenwilligen Innenausbau. Die Deckenverbalkung ist eine Kombination von großem A, einem kleinen gegenläufigen V hinter dem Schallloch, einem ungleichmäßigen X im Heck sowie diversen Stützbälkchen. Verzichtet wurde auf die Reifchen, die die Verbindung von Boden und Decke mit den Zargen unterstützen. Um eine ausreichende Leimfläche zu erhalten, wurden die Randbereichen von Decke und Boden dicker stehen gelassen.
Pickup und Elektronik
Unter dem Steg schuftet ein Wandler mit sechs Piezozylindern, die in einem Gehäuse unter dem Steg angebracht sind. Davon künden die beiden Imbusschrauben beiderseits des Stegstäbchens. Ein weiterer Sensor sitzt auf der Bass-Seite an der Deckenverbalkung. Der „Dual-Input-Acoustic-Preamp“ (DIAP) kommt mit Lautstärke und Dreiband-EQ; ein fünfter Fader bietet die Möglichkeit, das mittels Weiche abgetrennte Höhensignal stufenlos zwischen Steg- oder Decken-Pickup zu wählen
Technische Daten
Hersteller Cole Clark
Modell FL 1 AC
Typ Dreadnought EA-Cutaway
Herkunft Australien
Korpus Queensland Maple, massiv
Decke Bunya, massiv
Verbalkung X-Bracing
Hals Queensland Ahorn, dreiteilig
Griffbrett Palisander
Bünde 20 medium
Mechaniken Grover chrom, verkapselt
Sattel/Stegei Tusq
Mensur 650 mm
Halsbreite Sattel 44,5 mm/12. Bund 54,1 mm
Halsansatz 14. Bund
Pickups Cole Clark
Vorverstärker Cole Clark „DIAP“
Finish offenporig, matt
Preis € 1.399 (inkl. Koffer)
Vertrieb Noble Guitars
Info www.coleclarkguitars.com; www.noble-guitars.com
Den kompletten Test lesen Sie in AKUSTIK GITARRE 5-2010. Sie können Klangbeispiele dieser Gitarre und aller anderen getesteten Instrumente auf unserer Begleit-CD hören. CD-Bestellung hier ...
AKUSTIK-GITARRE-CD
Berühmtester Cole-Clark-User dürfte der Surf-Barde Jack Johnson sein. Im Studio haben wir daher mit der FL 1 AC eine Song-Skizze in dessen typischem Stil produziert. Wobei sich herausstellte, dass der tendenziell weiche und feine Sound dieser australischen Dreadnought die chillige Atmosphäre seiner Stilistik bestens überträgt.
Einspielung: Andreas Schulz
Von Andreas Schulz
Acht Stunden Betrieb mit acht kleinen Mignon-Batterien! Das verspricht Hersteller Roland für den neuen kleinen AC33. Und man ist geneigt, dies zu glauben, denn bereits mit dem BA-330 (Test in AG 3-2010) bewiesen die Japaner, dass sie verblüffende Leistung aus einem überschaubaren Batterie-Pack herausholen können.
Klein und leicht ist er, der neue Roland-Amp: Maße von 32 x 22 x 24 cm und ein Gewicht von 4,7 kg machen ihn zu einem gut transportablen Begleiter für alle Lebenslagen. Dank Batteriebetrieb ist er auch geeignet für den Open-Air-Einsatz, etwa in der Fußgängerzone, am Baggersee oder beim spontanen Outdoor-Gig.
Konstruktion
Das Gehäuse ist schwarz lackiert, Eckenschutz gibt es nicht, dafür einen Klappbügel zum Schrägstellen. Vor den beiden 5-Zoll-Breitband-Lautsprechern sitzt zwar ein Bespannstoff, der aber im Zweifelsfall keinen ausreichenden Schutzbietet. Die Endstufe leistet im Netzbetrieb 2 x 15 W, bei Batteriebetrieb 2 x 10 W. Ein Satz von 8 Alkalibatterien hält im Dauerbetrieb bis zu 8 Stunden, Nickel-Metallhybridakkus sogar eine Stunde länger; ein 13-V-Netzadapter wird mitgeliefert, passende Batterien oder Akkus muss man zukaufen. Mit dem oben angebrachten Griff lässt sich der AC-33 bequem auch über längere Strecken tragen. Was wir vermissen: Eckenschutz, Transporttasche oder Schutzhülle, Hochständerflansch.
Anschlüsse & Regelmöglichkeiten
Die beiden Kanäle des AC33 sind gedacht für Gitarre (Klinkeneingang) und Mikrofon oder Line-Signale (XLR- plus Klinkeneingang). Phantomspeisung ist nicht vorgesehen, Kanal 2 eignet sich also für dynamische Mikrofone oder solche mit Batteriebetrieb. Weitere Anschlussmöglichkeiten sind ein Kopfhörerausgang, ein Stereo-Line-Out (L/R, pre-Master) sowie ein regelbarer Stereo-Line-In, ausgeführt als 2 x Cinch und als Stereominiklinke (zum Beispiel für einen MP3-Player). Außerdem finden wir zwei Fußschalteranschlüsse, geeignet jeweils für einen Doppel-Footswitch: damit bedient man die Extras dieses Amps, namentlich die Effekte Chorus und Reverb sowie den integrierten Looper. Richtig gelesen: die kleine Kiste hat auch noch einen eingebauten Looper!
Zu regeln gibt es im Gitarrenkanal Lautstärke, Bässe, Mitten, Höhen und einen fest eingestellten Chorus in zwei Geschmacksrichtungen (Space, Wide). Dazu kommen Gesamtlautstärke, Raumsimulation (mit Reverb und Ambience) sowie eine automatische Anti-Feedback-Funktion, die sich bei jedem Einschalten selbsttätig neu justiert. Der Looper hat zwei eigene Taster im Bedienfeld, in der Realität wird man als Gitarrist die Steuerung natürlich per Fußtaster vornehmen; schaltbar sind dann Aufnahmestart und -ende, Overdub, Stop und Loop löschen. Man kann beliebig viele Overdubs schichten (aufgenommen werden immer alle Eingänge des AC-33), die Aufnahmezeit beträgt maximal 38 Sekunden.
Die Batterien oder Akkus sind in einem größeren Fach auf der Rückseite untergebracht, das man ohne Werkzeug öffnen und wieder verschließen kann. Ein Batteriewechsel geht schnell und unkompliziert vonstatten.
Technische Daten
Hersteller Roland
Modell AC-33
Typ Akustikverstärker mit Batteriebetrieb
Herkunft China
Leistung 2 x 15 Watt (2 x 10 W im Batteriebetrieb)
Lautsprecher 2 x 5-Zoll-Koaxial-Speaker mit integriertem Hochtöner
Anschlüsse Input 1 (Klinke), Input 2 (Klinke + XLR), Aux-In
(Stereominiklinke plus 2 x Cinch), Line-Out-L/R, 2 x Stereo-Footswitch für Looper und Effekte, DC-In für Netzteil, Phones
Schalter pro Kanal Chorus-Off/Space/Wide, Anti-Feedback,
Looper-Rec/Play, Looper-Stop/Clear
Regler Kanal 1: Vol, Bass, Middle, Treble; Kanal 2: Vol, Bass, Treble;
Master: Volume, Reverb/Ambience, Aux-In-Level
Maße/Gewicht 32 x 22 x 24 cm/4,7 kg
Preis € 415
Vertrieb Roland/Norderstedt
Info www.rolandmusik.dehttp://www.lagguitars.de
Den kompletten Test lesen Sie in AKUSTIK GITARRE 5-2010. Sie können Klangbeispiele dieser Gitarre und aller anderen getesteten Instrumente auf unserer Begleit-CD hören. CD-Bestellung hier ...
AKUSTIK-GITARRE-CD
Auf unserer CD hört ihr einige repräsentative Klangbeispiele, für die der AC-33 den Sound lieferte, abgegriffen am Stereo-Line-Out: Steelstring neutral und mit Chorus plus Hall; Nylonstring ebenso; eine kleine Spielerei mit dem integrierten Looper.
Einspielung: Andreas Schulz
Von Christian Veith
Erklärtes Ziel der Historic-Serie von Blueridge ist es, mit vertretbarem Aufwand so nahe wie möglich an die bekannten historischen Vorbilder zu kommen.
Die BR-143 nimmt sich das sogenannte Orchestra Model, kurz OM, zur Vorlage. Diese etwas kleinere Korpusform ist wegen ihrer klanglichen Ausgewogenheit und guter Differenzierung bei Fingerstylern sehr beliebt, bedient aber auch die Allrounder hervorragend.
Konstruktion
Die Testkandidatin kommt in einer grundsätzlich klassischen Ausführung ohne großartige Korpus- oder Griffbrettverzierungen. Zwei Ausstattungsmerkmale heben sie optisch aus der Masse hervor. Einmal das sogenannte „Dalmatian Style“ Pickguard. Schon dessen Existenz weist auch auf den Plektrum-Einsatz hin. Und natürlich die im typischen Blueridge-Barock mit Perlmutt verwöhnte Kopfplatte.
Auch die Holzkombination Mahagoni/Fichte zeugt nicht von Extravaganz, wobei Blueridge jedoch die Qualität der Hölzer betont. Die Fichte gehört zur AAA (Triple-A)-Klasse, und das Süd- und Mittelamerikanische Mahagoni (auch echtes Mahagoni genannt) wird gegenüber den afrikanischen Verwandten (zum Beispiel Sapelli) deutlich besser eingestuft.
Damit es besonders „historic“ aussieht, wurde dem Lack ein „aging toner“ beigegeben, der die Decke in sattes Honiggelb taucht. Eingefasst ist die Front mit einfachen, schmalen Schwarz-Weiß-Zierstreifen. Auch die Rosette besteht aus einem entsprechenden Doppelring. Die Bodenfuge trägt außen keine Abdeckung. Ganz der Historie verpflichtet sind der altbewährte Pin-Steg mit unkompensierter Stegeinlage und das klassisch gepunktete Griffbrett. Was vom Hersteller als Parabolic-Verbalkung bezeichnet wird, meint den ursprünglich parabolischen Kammverlauf der Kreuzbalken, aus der die Scalloping-Aussparungen herausgeschnitten wurden. Die Position des Kreuzes ist aber mit 4,4 cm Abstand zum Schallloch keineswegs „foreward shifted“, wie behauptet wird. Hals und Korpus sind mit dem handwerklichen Schwalbenschwanz-Keil verbunden.
Den kompletten Test lesen Sie in AKUSTIK GITARRE 4-2010. Sie können Klangbeispiele dieser Gitarre und aller anderen getesteten Instrumente auf unserer Begleit-CD hören. CD-Bestellung hier ...
AKUSTIK-GITARRE-CD
Ein Arrangement mit Perkussion-Begleitung zeigt den ausgereiften Ton der Blueridge BR-143. Im zweiten Teil beweist die OM-Steelstring, dass mit ihr ausdrucksstarkes Single-Note-Spiel problemlos möglich ist.
Von Andreas Schulz
Eine überaus interessante und vielseitige Thinline-E-Acoustic aus Kanada hat den Weg in unsere Testerklause gefunden. Godins Multiac Spectrum SA stellt dem ambitionierten Gitarristen gleich drei Sound-Quellen zur Verfügung.
Neugierig geworden? Fusionisten dürfen von diesem Modell einiges erwarten: Mit Steg-Pickup, Lipstick-Magnettonabnehmer und Synth-Access lässt sich eine Menge anstellen.
Konstruktion
Godins Multiac-Instrumente haben fast im Alleingang die Kategorie der Thinline-E-Acoustics definiert. Der Korpus wird aus einem massiven Mahagoniblock gearbeitet; nach dem Fräsen der Tonkammern wird eine massive Fichtendecke aufgeleimt. Die Hölzer sind bei unserem Testinstrument von sehr guter Qualität und machen auch optisch einiges her, unterstützt von der perfekten Nitrolackierung und der schönen Sunburst-Tönung der Decke. Bis auf die seidenmatte Halsrückseite sind alle lackierten Oberflächen hochglänzend ausgeführt. Auf der Rückseite verschließen zwei Holzabdeckungen die Fächer für Elektronik, Steg-Pickup und Batterie.
Der Mahagonihals trägt ein Ebenholzgriffbrett mit 22 schmalen Medium-Jumbo-Bünden. Als Markierung dienen seitlich versetzt angeordnete Mini-Dots, die einen auch von der Halsoberkante aus anlächeln. Die Korpusrückseite trägt keinerlei Binding, rund um die Decke zieht sich ein elfenbeinfarbenes Kunststoff-Binding in Kombination mit einem traditionellen Herringbone-Streifen. Die offene Fensterkopfplatte trägt verchromte Mechaniken mit weißen Flügeln; von hier ist auch der Halseinstellstab zugänglich, dessen Öffnung nicht abgedeckt ist. Der Saitenweg verläuft vom Ebenholzsteg mit den einzelnen Sensoren des RMC-Pickups über den Tusq-Sattel zu den souverän arbeitenden Tunern. Festgeklemmt werden die Saiten durch weiße Kunststoff-Pins mit Perlmutt-Auge. Eine konstruktive Besonderheit gibt es bei der Halsverbindung zu vermelden: für die Befestigung sind vier einzeln eingelassene Schrauben zuständig. Das ganze Areal ist rückseitig großzügig ausgefräst, sodass man wirklich absolut freien und bequemen Zugang bis zum 22. Bund hat.
Godins Multiac Spectrum ist rundum gut verarbeitet und vermittelt beim Anschauen und Spielen ein wertiges und Vertrauen erweckendes Gefühl. Trotz der Hohlkammern ist übrigens das Gewicht (im Vergleich zu rein akustischen Gitarren) beachtlich und kommt eher an eine Solidbody-E-Gitarre heran.
Pickups & Elektronik
Für die Übertragung des akustischen Klanges ist ein im Steg befindlicher RMC-Pickup zuständig. Dieser Pickup ist nicht jeden Tag anzutreffen, gehört aber zu den bekannt guten Systemen. Besonderheit: es handelt sich um sechs einzelne Transducer in Form von kleinen metallenen Einzelstegen für jede Saite. Bei der Platzierung wurde eine Längenkompensation berücksichtigt. Am Halsende sitzt ein Lipstick Single-Coil aus dem Hause Seymour Duncan, der ohne Rahmen direkt in die Decke eingesetzt ist.
Die dritte Klangquelle verbirgt sich hinter dem Namenskürzel SA: das nämlich bedeutet Synth Access. Zu diesem Zweck besitzt die Multiac Spectrum in der hinteren unteren Zarge ein Ausgangsfeld mit insgesamt drei Outputs, darunter ein 13-poliger DIN-Anschluss, den man mit den gängigen Gitarren-Synths und MIDI-Konvertern etwa von Roland, Axon oder Yamaha verbinden kann. Hier werden auch die Signale von RMC und Lipstick integriert, die man am Controller wieder separiert. Die beiden anderen Ausgänge ‚Bridge‘ und ‚Electric‘ führen in der Grundkonfiguration die Signale von RMC und Lipstick getrennt; so kann man die Pickups den jeweils passenden Verstärkern zuführen.
Das Elektronik-Bedienfeld ist umfangreich: Den Seymour-Duncan-Einspuler regelt man mit Drehpotis für Lautstärke und Ton, die auf der oberen Zarge sitzen. Für den Stegtonabnehmer steht neben der Lautstärke ein Dreiband-EQ zur Verfügung, ausgeführt als Miniatur-Schieberegler in der Decke oberhalb des Halsausschnittes. Ein kleiner Schalter verschiebt die Einsatzfrequenz des Mittenreglers von 700 Hz auf 1.2 kHz. Für den Synth-Einsatz schließlich gibt es einen Volume-Regler sowie zwei Taster für Program-up und -down; damit schaltet man die Klangprogramme des angeschlossenen MIDI-Klangerzeugers um. Belegt man nur den Ausgang ‚Bridge‘, werden die Signale des RMC-Polydrive-Transducers und des Lipstick-PUs gemischt; der Lipstick-Volume wird dann zum Master, der vormalige RMC-Volume zum Mixregler.
Synth Access
Während des Tests benutzten wir die Multiac in Verbindung mit einem Controller von Axon. Das klappte perfekt und mit beeindruckend gutem Tracking. Auch schnelles Spiel und komplexe dynamische Abläufe wurden sauber umgesetzt. Damit ist diese Gitarre als MIDI-Controller absolut tauglich. Das Einspielen von weich einschwingenden Flächen-Sounds ist naturgemäß unproblematisch. Riesenspaß macht es aber, den Originalklang mit passenden Synth-Solo-Sounds zu doppeln – nachzuhören auf unserer Begleit-CD.
Den kompletten Test lesen Sie in AKUSTIK GITARRE 4-2010. Sie können Klangbeispiele dieser Gitarre und aller anderen getesteten Instrumente auf unserer Begleit-CD hören. CD-Bestellung hier ...
AKUSTIK-GITARRE-CD
In unserem komplexen Fusion-Arrangement sind alle Klangmöglichkeiten der Multiac Spectrum Steel SA vertreten. Es beginnt mit zwei RMC-Spuren, dann folgt ein Solo mit Lipstick plus Synth, nach einem Zwischenteil (RMC-Begleitung, Lipstick-Quartenakkorde, RMC-Thema) folgt ein zweites Solo mit RMC plus Synth über Begleitakkorde in jazzig-gedeckter Pickup-Einstellung.
Von Jens Hausmann
Höfners neue Cutaway-Nylonstring-Gitarre ist als kleine Schwester der (in AG 1-2010 getesteten) HM88-C konzipiert. Dieses etwas schlichtere Modell wurde traditioneller angegangen, kostet etwa die Hälfte und ist sehr interessant.
Während die aufwändigere Höfner HM-88 als besonderes Merkmal eine innovative Beleistung mit gebogenen Leisten hat und mehr auf den klassisch geprägten Gitarristen abzielt, kommt das 65er Testmodell mit einer asymmetrischen Fächerbeleistung. Von daher ist ein nicht ganz so spritziger Ton zu erwarten, was auch besser zur Auswahl der Hölzer passt. So ergänzen sich die beiden Modelle bestens.
KONSTRUKTION
Mahagoni hat im Stahlsaitenbereich schon immer zu den voll etablierten Korpushölzern gehört, aber bei der klassischen Gitarre haftet an diesem im Vergleich zu Palisander preisgünstigeren Holz der Touch von günstiger Schülergitarre. Doch für Allroundgitarristen kann Mahagoni bei einer Nylonsaitengitarre gerade zusammen mit einer Zederndecke eine interessante Option sein. Diese Kombination verspricht einen warmen kräftigen Ton mit weniger vordergründiger Brillanz. Genau das hat sich Höfner zu Nutze gemacht und dabei komplett auf massive Hölzer gesetzt.
Der dreiteilige Mahagonihals hat einen deutschen Halsansatz nebst Palisandergriffbrett und korrespondierendem Palisandersteg. Sattel und Stegeinlage sind aus Knochen. In den Abmaßen entspricht das Testmodell mit der leicht vergrößerten Korpusform mit Cutaway der großen Schwester. Um auf den wesentlich günstigeren Preis zu kommen, wurde vor allem an den optischen Merkmalen gespart. Die einfachen Korpuseinfassungen sind aus Buche mit einem Streifen Zierspäne, was sich farblich schön mit den Korpushölzern ergänzt. Dieses etwas schmalere Binding ermöglich eine etwas größere frei schwingende Fläche der Decke, da die Reifchen entsprechend schmaler gewählt werden können. Die schlichte Kopfplatte ist nicht durchbrochen, der Korpus offenporig matt lackiert. Die seidenmatte Decke und den gewachsten Hals kennen wir bereits von der HM88-C. Insgesamt gibt die HM65-Z-CE ein stimmiges Bild ab. Durch eine ansprechende Holzrosette und vergoldete Höfner Premium-Mechaniken wird die äußere Erscheinung elegant abgerundet. An der gewohnt sauberen Verarbeitungsqualität wurde selbstverständlich nicht gespart.
Pickup & Elektronik
Höfner verbaut das bewährte A3-System von B-Band. Der Stegtonabnehmer wird mittels Zargenelektronik mit 4-Band EQ verstärkt, die Batterie ist direkt am Hals von außen zugänglich. Der warme akustische Ton wird bei neutraler Klangreglung sauber abgebildet. Nimmt man die Mitten etwas zurück, geht auch der Charakter und damit der klangliche Reiz verloren – besser ist es, am Präsenzregler etwas zuzugeben, und schon bekommt das Klangbild den gewünschten Glanz.
Den kompletten Test lesen Sie in AKUSTIK GITARRE 3-2010. Sie können Klangbeispiele dieser Gitarre und aller anderen getesteten Instrumente auf unserer Begleit-CD hören. CD-Bestellung hier ...
Von Andreas Boer
Mit der TW73 beweist der englische Hersteller Tanglewood, dass man mit einer Parlour-Gitarre viel mehr anstellen kann als nur Rags zu picken – und das zu einem unverschämt günstigen Preis.
In England und Irland stehen Tanglewood-Gitarren seit 1991 in den Läden und sind die meistverkauften Instrumente auf den Inseln überhaupt. Bei uns sind Tanglewoods noch Geheimtipps – was seinen Reiz hat, wenn man zu den Bescheidwissern gehört.
KONSTRUKTION
Die TW73 Wide Neck mit eingebautem A3-T Pickup-System von B-Band ist eines der interessantesten Modelle aus dem Tanglewood-Portfolio. Die kleinen 12-Bund-Gitarren, die in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts mit der Gibson L-1, L-00 oder der Martin 00-18 State of the Art des Stahlsaiten-Gitarrenbaus waren, gelten heute als Ragtime- oder Old-School-Bluesgitarren. Die TW73 von Tanglewood steht in der Tradition dieser legendären Instrumente, weicht aber in entscheidenden Punkten von den Formeln aus Kalamazoo und Nazareth ab, was sie noch interessanter macht.
Bei der Decke der zierlichen Gitarre (mit 98 cm Länge in etwa so groß wie eine klassische Nylonstring) finden wir leicht gewölbte, massive kanadische Zeder in gehobener Qualität mit feiner Zeichnung und engen Jahresringen. Das Schallloch ist mit edler grüner Abalone umrandet, die Korpuskanten mit cremefarbenem Kunststoff. Beim massiven, leicht gewölbten Boden und den gesperrten Zargen ist afrikanisches Sapele -Mahagoni verbaut worden, ebenfalls in mustergültiger Qualität. Ein Blick ins Innere zeigt liebevolle Detailarbeit. Der Lack wurde dünn (also schön schwingungsfreudig) aufgetragen, sodass man die Maserung des Holzes gut erkennen kann. Die Kopfplatte mit antik wirkenden Grover-Tunern und eingelegtem T-Logo aus Abalone ist durchstochen, was die Amerikaner auch als „slotted headstock“ bezeichnen. Der im Vergleich mit dem Standard-Modell TW73 breitere Hals besteht aus einem Stück Mahagoni; der Übergang zur Kopfplatte ist mit einer diamantförmigen Volute zusätzlich verstärkt. Zusammengefasst: Was man hier zu diesem Preis bekommt, ist schlichtweg erstaunlich.
Den kompletten Test lesen Sie in AKUSTIK GITARRE 3-2010. Sie können Klangbeispiele dieser Gitarre und aller anderen getesteten Instrumente auf unserer Begleit-CD hören. CD-Bestellung hier ...










