Markus Wöckener, Gitarrenbau
Dietrich, Gitarrenbau
Acoustic Music Books, Notenverlag
02.06. Leipzig, Parkbühne
03.06. Wetzlar, Hessentag
20.06. Köln, Tanzbrunnen
29.06. Osterburg, Made in Germany Festival
30.06. Sigmaringen, Sigmaringen Open Air
09.07. Flensburg, Campushalle
10.07. Lübeck, MUK
12.07. Hamburg, Stadtpark
13.07. Mainz, Zitadelle
14.07. Freiburg, Stimmen-Festival
16.07. München, Tollwood Festival
17.07. Abenberg, Burg Abenberg
19.07. Stuttgart, Freilichtbühne Killesberg
05.08. Trier, Amphitheater
24.08. Bochum, ZFR
25.08. Jena, Kulturarena
26.08. Braunschweig, Volksbank BraWo Bühne
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Von Ralf Bauer (Text und Fotos)
Die LG-Serie galt lange als Stiefkind der Gibson-Flattop-Palette. Wenig gefällig zeigen sich die untypische Proportionen des Korpus mit breiten Schultern und der vergleichsweise schmale Bauch von nur 14 1/8 Zoll. Tonlich vermisst man dementsprechend die tiefen Bässe und den voluminösen Klangcharakter größerer Gibsons. Auch in der Preisliste waren die LGs stets am unteren Ende angesiedelt. Billiggitarren?
Nein, denn es gilt, dies in Relation zu setzen – auch eine verhältnismäßig günstige Gibson bietet viel Klang fürs Geld. So lohnt es sich durchaus, sich auf eine LG einzulassen, ihre Reize zu entdecken und sich von ihr musikalisch inspirieren zu lassen.Betrachtet man Form und Maße der LG, so fällt eine gewisse Ähnlichkeit mit der Klassikgitarre auf. Im Vergleich mit kleineren Martins liegt sie zwischen der 00- und der 000-Größe. In ihrer Form ist die LG keine völlige Neukonzeption, denn der obere Korpusbereich entspricht bis kurz vor der Taille exakt dem der Roundshoulder-Jumbo; der untere Bereich wurde um zwei Zoll verengt. Die schmale Unterpartie kam Lieferengpässen von Hölzern der damaligen Zeit entgegen, denn in den letzten Kriegsjahren waren die Bestände an Adirondack-Fichte, damals Standard für Gitarrendecken, so weit aufgebraucht, dass es immer schwieriger wurde, Stämme ausreichenden Durchmessers zu bekommen. In den Vierzigerjahren gab es sowohl Jumbos als auch LGs mit vierteiligen Decken, eine Konstruktion, gegen die es bei guter Verarbeitung weder von der Stabilität noch von den Resonanzeigenschaften her wesentliche Einwände gibt.
Als Exponat steht hier eine LG-2 aus der Zeit 1943/44 zur Verfügung, die zunächst durch ihren wundervollen Originalzustand auffällt. Während des genannten Zeitraumes greift Gibson bei der LG-2 als auch bei der J-45 auch auf Mahagoni als Deckenholz zurück. Wie hier ersichtlich, erhalten die in Sunburst lackierten Mahagonidecken einen wunderschönen, rötlichen Charakter. Bereits in den Zwanziger- und Dreißigerjahren setzen Gibson als auch Martin Mahagoni als Deckenholz ein. Grundsätzlich unterscheiden sich diese Instrumente in ihrem Klangverhalten von Fichtendecken und verfügen über einen speziellen, eigenständigen Ton. Das Frequenzspektrum verengt sich in den Bereich der Mitten, ohne auf durchsetzungsfähige Höhen zu verzichten. Ein deutliches Plus ist beim Sustain zu verzeichnen, so dass Gitarren mit Hartholzdecken meist gut für Slidespiel geeignet sind.
Ein Blick auf die Kopfplatte mit ihrem Banner-Logo lässt die Gibson-typische Abdeckplatte der Stahlstabes vermissen. Die LGs haben zu Beginn einen runden, D-förmigen Hals aus Mahagoni. Während des Krieges allerdings steht auch Metall nur eingeschränkt zur Verfügung, so dass vorübergehend auf den Trussrod verzichtet werden muss. Zur Stabilisierung wird stattdessen eine dreieckige Nut eingefräst und ein Ahornstab eingeleimt. Diese Hälse werden ergänzend mit einem kräftigen Profil hergestellt und waren als „Baseball-Bat-Necks“ von manchen Spielern gefürchtet. Andere hingegen schwören darauf und lassen sich heute Hälse kräftiger Formate anfertigen. Wer sich auf solche Dimensionen einlässt, wird mit viel Ton und Sustain belohnt, ohne dass der Spielkomfort grundsätzlich leidet. Im Gegenteil, die meisten „Bannerheads“ spielen sich ausgesprochen komfortabel. Die genieteten Kluson-Mechaniken der einfachsten Bauart erfüllen noch immer ihren Zweck und fallen hier durch die geschrumpften Kunststoffflügel auf.
Die LG-2 der ersten Generation war trotz der Kriegswirren eine Gitarre, die professionellen Ansprüchen gerecht wurde. Gibson selbst pries ihre günstigste Flattopgitarre wie folgt an: „A top seller, favoured by students, teachers, strolling players and anyone who wants to have fun with the guitar … brings you Gibson quality at Gibson’s lowest price.“ Bezügliches Klang und Spielfreude lässt sich dies uneingeschränkt unterschreiben. Der gedrungene Korpus in Verbindung mit dem ungewöhnlich dicken Hals und der kompakten Proportionen erzeugen ein eigenes, aber durchaus sympathisches Spielgefühl. Diese LG-2 ist eine charaktervolle Persönlichkeit, die sich mit ihren eigenen, besonderen Qualitäten profiliert.
Entsprechend der Gibson-Werbung war die LG-2 nicht für die großen Bühnen konzipiert, sie hielt sich mehr unauffällig im Hintergrund. So sind es daher die Begleitgitarristen gewesen, die auf historischen Aufnahmen von Country-, Folk- und Western-Swing-Bands abgebildet sind. In den Folgejahren haben sich im Rahmen des Bluesrevivals eine Anzahl Blues-Gitarristen der zweiten Generation an die LG-Form gewagt und damit historisch wertvolle Aufnahmen eingespielt.
Dieser kleinen und durchaus sympathischen Gitarre möchte ich eine Art von Understatement zuordnen: Keine Allroundgitarre, vielmehr eine Begleiterin für die gewissen Momente, in denen sie aber nahezu unverzichtbar ist. Es lohnt sich daher, ihr ein angemessenes Maß an Aufmerksamkeit zu schenken.
Von Ralf Bauer (Text und Fotos)
In unserer Ausgabe 6/2009 stellten wir eine Gibson J-50 von 1952 vor, die die Nachkriegsjahre der Roundshoulder-Bauform repräsentierte. In vielerlei Hinsicht war diese Gitarre noch mit den „Bannerheads“ der frühen Vierzigerjahre verwandt, unterschied sich aber in einzelnen Details. Grundlegende Änderungen ergaben sich schließlich ab 1954 die wir nun genauer betrachten möchten.
Als Exponat steht uns eine Gibson Country & Western des Baujahrs 1959 zur Verfügung. Sie ist der Nachfolger der Southern Jumbo, kurz SJ, die ab 1942 in Sunburst-Lackierung angeboten wird und unter der Bezeichnung SJN (Southern Jumbo Natural) ab 1954 mit Klarlackierung auf den Markt kommt. Kurze Zeit später ergeben sich sowohl optische als auch konstruktive Änderungen die mit der neuen Bezeichnung Country & Western einhergehen. Auffällig und nicht zu übersehen ist das große Schlagbrett, auch ‚pointed pickguard’ genannt, das bis in die Sechzigerjahre hinein ein typisches Gibson-Merkmal darstellt. Die Country & Western erhält dazu das eingelegte Crown Inlay und den Namen des Herstellers aus Perlmutt eingelegt. Im Gegensatz zu den preiswerteren Modellen J-45, J-50 oder LG besitzt dieses Instrument Einzelmechaniken aus dem Hause Kluson, ein eingefasstes Griffbrett und die für die SJ typischen Parallelogramm-Einlagen. Der Korpus ist an der Vorderseite in sieben Schichten schwarz/weiß eingefasst, am Boden beschränkt man sich auf fünf Schichten und auch die Schalllocheinfassungen sind mehrschichtig ausgeführt. Die C&W ist damit das teuerste Gibson Modell der Roundshoulder Bauform seiner Zeit und bezüglich ihrer Ausstattung mit der kleinen Jumbo J-185 sehr ähnlich.
Konstruktiv offenbaren sich die Veränderungen durch einen Blick in das Korpusinnere. Gibson entscheidet sich 1955 für eine deutlich überarbeitete Deckenbeleistung die ein geändertes Schwingungsverhalten zur Folge hat. Das charakteristische Scalloped Bracing mit seinen profilierten hohen Leisten der Vorjahre wird nun durch flache, gerade Leisten ersetzt und auch die Breite der Ahorn Stegplatte vergrößert sich. Gründe für diese Entscheidung erschließen sich natürlich nur im spekulativen Bereich, die einfachere und damit kostengünstigere Verarbeitung der Beleistung könnte aber durchaus eine Rolle gespielt haben. Der veränderte Ton ist auf alle Fälle subjektiv zu bewerten und unmöglich auf besser oder schlechter zu reduzieren, denn auch die Roundshoulders dieser Epoche haben ihren klanglichen Reiz. Der tonliche Charakter ändert sich allerdings dramatisch, als Gibson die Country & Western ab 1961 mit einem höhenverstellbaren Keramiksteg ausstattet. Zugunsten einer unproblematischen Einstellung der Saitenlage lassen die Konstrukteure hier den Klang der Instrumente in den Hintergrund treten - eine unglückliche Entscheidung.
Die Umbenennung von SJN auf Country & Western ist hingegen klar der Marketing-Strategie der Geschäftsführung zuzuordnen. Während der Fünfzigerjahre ist die Country Music die umsatzträchtigste Stilrichtung und entsprechend hart umkämpft. Gibson hat mit der SJ-200 zwar ein passendes Pferd im Rennen, möchte aber dem Konkurrenten Martin Parole bieten und Marktanteile streitig machen. Martin bietet zu der Zeit die drei schlicht gehaltenen Dreadnought Modelle D-18, D-21 und D-28 in Natural Finish an – für Gibson eine Chance, ein Modell mit gleicher Lackierung, gleicher Korpusbreite, aber aufwendigerer Ausstattung anzubieten. Unmissverständlich teilt man dem Interessierten gleich in der Modellbezeichnung mit, wofür das gute Stück geeignet sein soll.
Der Erfolg dieser Strategie erscheint allerdings fragwürdig und lässt sich auch durch die Stückzahlen nicht belegen. Definitiv ist die C&W gleichermaßen in den Händen diverser Blueser, Rocker und Gitarristen anderer Genre zu entdecken und weniger eine typische Gitarre die der Country Musik zugeordnet werden kann. Dennoch hat die vordefinierte Zuordnung des Namens auf diese bestimmte musikalische Stilistik sicherlich interessierte Gitarristen jenseits der Country Szene davon abgehalten ein Gibson mit der Bezeichnung Country & Western zu kaufen. Wie auch immer, hinsichtlich der Marketingstrategie reagiert Gibson 1962 mit radikalen Überraschungen, nennt die Gitarre nun SJN Country Western, baut sie mit einem Square Body, also in Dreadnought-Korpusform, und versieht sie mit einem auffälligen, spitzigem Schlagbrett. Die ursprüngliche Southern Jumbo ist eine andere Gitarre geworden, existiert aber noch 16 Jahre weiter ehe sie 1978 endgültig aus den Katalogen verschwindet.
Als sich mehr als ein Jahrzehnt später die Gibson Montana Division ihren Wurzeln besinnt erlebt auch die Southern Jumbo ihre Wiedergeburt. In der ursprünglichen Form ist sie in ihrem traditionellen, ansprechenden Design seit 1991 wieder verfügbar. Die abgebildete Country & Western befindet sich in einem viel gespielten Zustand. Sie verfügt zeitgemäß über 20 Jumbobünde (früher 19 schmale Bünde), besitzt eine Sattelbreite von 43 mm und ist in klanglicher Hinsicht als ausgezeichnete Allround-Gitarre zu sehen.
Von Ralf Bauer (Text und Fotos)
Wirft man einen Blick auf den Stammbaum der Archtop-Gitarre, so steht der Name Gibson deutlich an oberster Stelle. Hinzufügen muss man den Namen des Chefentwicklers Lloyd Loar, der die Konstruktionsprinzipien der Violin so überzeugend auf die Gitarre übertrug. Er gilt als der Urvater dieses Gitarrentypus’ und hat mit der Gibson L-5 die Geschichte dieser Bauform geschrieben.
Neben Gibson etabliert sich mit Epiphone ein zweiter Serienhersteller und bietet durchaus vergleichbare Instrumente in hervorragender Qualität an. Ab den Dreißigerjahren sind zwei kleine, individuell ausgelegte Werkstätten mit Archtop-Gitarren am Markt und bieten Instrumente der allerbesten Qualität: Stromberg und D’Angelico. Deren Ansatz ist von traditioneller Handarbeit und individueller Einzelanfertigung geprägt, sie besitzen die Flexibilität, auf Kundenwünsche einzugehen und unterschieden sich mit ihrer unkommerzielleren Ausrichtung von den großen Serienherstellern.
John D’Angelico, der in Manhattens Lower East Side angesiedelt ist, produziert in den Anfangszeiten maximal 35 Gitarren pro Jahr und reduziert seinen Output in den Fünfzigern auf etwa 15 Instrumente. Im Vordergrund stehen der enge Kontakt zum Kunden und die Umsetzung der persönlichen Vorstellungen des einzelnen Musikers, so dass sich im Laufe der Jahrzehnte die Jazz-Gitarristen der ersten Garde in der Kenmare Street einfinden, um sich ihr Trauminstrument zu bestellen. In preislicher Hinsicht orientierte sich D’Angelico an den Katalogen von Gibson und Epiphone, womit eine D’Angelico Custom Anfertigung ohne außergewöhnliche Extrakosten auf den Leib geschneidert werden konnte. Als John D’Angelico 1932 seine erste eigene Werkstatt eröffnet, hat er bereits umfangreiche Berufserfahrung gesammelt und Verantwortung übernommen. Im Alter von neun Jahren kam er in die Lehre bei seinem Onkel Ciani, der italienische Mandolinen und Flattop-Gitarren baute. Als der Onkel stirbt, führt er das Unternehmen im Sinne seiner Tante weiter und zeigt sich für 15 Mitarbeiter zuständig. Auch mit der Violine beschäftigt er sich noch, doch der Erfolg der Gibson L-5, die bereits zehn Jahre zuvor entwickelt worden war, ist ihm nicht entgangen. In den Big Bands wird das Banjo durch die Gitarre ersetzt und bald darauf mittels magnetischer Tonabnehmer elektrifiziert. Der Zeitgeist, die musikalische Entwicklung im Jazz sowie die damit verbundenen Interessen der Gitarristen steuern dem Erfolg dieser neuen Gitarrenbauform direkten Weges entgegen – und John D’Angelico ist am rechten Ort. In New York City lebt man am Puls der Zeit, das Empire State Building setzt in seinem Art-Deco-Stil architektonische Standards, neue Industrie-Designs sind übergreifend in den verschiedensten Branchen zu entdecken; New York ist modern und setzt Trends.
Mit seinen ersten eigenen Gitarren setzt D’Angelico allerdings noch beim Bewährten an, und das ist die 16 Zoll große Gibson L-5 der Zwanzigerjahre. Die ersten Instrumente der eigenen Werkstatt entsprechen diesem Design, sie besitzen weder eine Modellbezeichnung noch eine Seriennummer. Nur der Korpus ist um ein halbes Zoll vergrößert, alle anderen Details wie das spitz zulaufende Griffbrett, die Form der Kopfplatte und alle sonstigen Eigenarten der L-5 werden von D’Angelico übernommen.
Die hier abgebildete Gitarre gehört in diese Zeit und zählt damit zu einer der ersten D’Angelicos überhaupt. Auffallend sind die erstklassige Materialauswahl und die handwerklich ansprechende Ausführung. Die Mensur beträgt 64 cm, der Sattel hat eine Breite von 45 mm, die Korpustiefe beträgt 86 mm. Sie ist damit etwas größer als beispielsweise eine L-5 von 1929. In späteren Jahren sollen die D’Angelicos tendenziell über eine geringere Korpustiefe verfügen, schwanken aber von Instrument zu Instrument. Im direkten Vergleich zu einer Gibson erscheint das abgebildete Exponat hinsichtlich des Tones etwas leiser, aber ausgesprochen klar und differenziert. Diese Klangeigenschaften stellen sich auch in den folgenden Jahrzehnten als typisch für D’Angelico-Archtops heraus. Besonders die späteren Modelle gelten als exzellente Recording-Gitarren und bestechen durch den weicheren und lieblichen Klangcharakter, der in allen Lagen besticht.
Mitte der Dreißigerjahre löst sich D’Angelico von den Modellen in L-5 Manier. Ab 1936 stellt der Meister mit der „Excel“ ein 17-Zoll-Instrument und im selben Jahr die „New Yorker“ mit einer Korpusbreite von 18 Zoll vor. Er ist damit im Trend der Zeit (Gibsons 17-Zoll Advanced L-5 beziehungsweise die 18 Zoll große Super 400), löst sich aber hinsichtlich der optischen Ausgestaltung, um durchaus radikalere Designs zuzulassen. Bereits 1937 finden sich hier geradlinige Formen der F-Löcher, offen ausgesägte Ausschnitte am Ende der Kopfplatte oder treppenförmige Schlagbretter und Saitenhalter im modernen Art Deco Stil. Bedeutende Mitarbeiter sind Vincent DiSerio ab den Vierzigern und ab 1952 James (Jimmy) D’Aquisto, der das Lebenswerk D’Angelicos und dessen legendären Ruf als unbestrittener Master Luthier fortführt. Die Instrumente der Fünfzigerjahre gelten bei vielen als das Nonplusultra aller Archtop-Gitarren. An ihnen gilt es sich zu messen.
Von Ralf Bauer (Text und Fotos)
Die Geschichte von Epiphone beginnt im Jahr 1873, setzt Akzente während des Jazz-Booms der Dreißiger, gehört zur Hippiebewegung der Sechziger und zeigt sich in einer globalisierten Gitarrenwelt als fester Bestandteil und etablierter Markenname. Die Epiphone Texan hat ihr ganz eigenes Stückchen Musikgeschichte geschrieben.
Zu verdanken ist dieser Ruhm Sir Paul McCartney, der sich 1965 seine Texan mit der Seriennummer 194959 in New York kaufte und sie bis zum heutigen Tag spielt. Er entschied sich im Gegensatz zu der hier abgebildeten Gitarre mit der Seriennummer 230632 für eine Texan in Klarlackierung. In sämtlichen sonstigen Punkten sind die Instrumente identisch und wurden beide 1964 in der Gibson Fabrik in Kalamazoo, Michigan, gebaut. Als bekanntester Beatles-Titel wurde auf dieser Gitarre ‚Yesterday‘ eingespielt, sodass sich jeder ein Bild des Klangcharakters einer Texan machen kann. Als Video-Clip kann man einen Live Mitschnitt der Ed-Sullivan-Show aus dem Jahr 1965 mit McCartneys (damals neuer) Texan bewundern.
,The House Of Stathopoulo', wie die Company ursprünglich heißt, hat griechische Wurzeln, wobei der Name Epiphone ein Markenname ist, der dem Vornamen einer der Stathopoulo-Söhne abgeleitet ist. Zunächst liegen die Prioritäten in der Herstellung von Banjos und Archtop-Gitarren, ehe in den Dreißigerjahren die ersten Flattops gefertigt werden. Im Jahr 1953 zog das Unternehmen von New York nach Philadelphia um. Etliche Mitarbeiter bleiben in New York und gründen an selber Stelle eine neue Firma namens Guild. Die Epiphone Banjo Corporation, wie das Unternehmen seit 1928 heißt, wird 1957 von der Firma CMI (Chicago Musical Instruments) gekauft, die auch im Besitz der Gibson Rechte ist. In diesem Zuge wird die Produktion der Epiphone-Instrumente im Gibson Headquarter in Kalamazoo angesiedelt. Der neue Eigentümer ist kommerziell ausgerichtet und nimmt wenig Rücksicht auf die traditionell gewachsene Modellpolitik der Epiphone-Linie. Am Beispiel der Gitarre mit der Modellbezeichnung FT-79 lässt sich der Wandel darstellen. Das Modell wird 1941 als Jumbo Flattop Steelstring erstmals vorgestellt. Sie ersetzt das Modell FT-75 und hat nun eine Dreadnought-ähnliche Korpusform. Sie charakterisiert sich zu dieser Zeit durch ihren Walnusskorpus (ab 1954 Ahorn), den einfachen Parallelogramm-Einlagen des Griffbrettes und einen simplen rechteckigen Steg. Als Besonderheit stellt Epiphone 1949 den neuen ,Tone Back' vor, ein aus mehrschichtigem Sperrholz gepresster und gewölbter Boden.
Mit der ergänzenden Modellbezeichnung Texan übernimmt der neue Eigentümer 1958 die Bezeichnung FT-79, lässt sie aber im Gibson-typischen Gewand erscheinen. Sie besitzt nun die Slope-Shoulder-Korpusform, vergleichbar mit den Gibson Modellen J-45 und -50. Zargen, Boden und Hals bestehen aus Mahagoni, die Decke ist aus Sitkafichte gefertigt, Griffbrett und Steg aus Palisander. Konstruktiv unterscheidet sich die Epiphone durch ihre lange 25.5-Zoll-Mensur von vergleichbaren Gibsons dieser Zeit. In optischer Hinsicht orientiert man sich an früheren Epiphone-Designs wie der Form der Kopfplatte, der Griffbretteinlagen und dem Epiphone-„E“ auf dem Schlagbrett. Klanglich wenig erfreulich setzt Gibson auch bei den Epiphones bald den höhenverstellbaren Keramiksteg ein – kein Wunder, dass auch McCartney den Steg seiner Texan in eine konventionelle Knochenstegeinlage ändern lässt. Das hier abgebildete Exponat befindet sich hingegen in einem lupenreinen Originalzustand. Der Hals ist schlank profiliert und spielt sich in Verbindung mit der langen Mensur steifer als eine vergleichbare Gibson. Die indirekte Schwingungsübertragung des Schraubsteges macht den Klang in einer gewissen Art und Weise steril und indirekt; auch raumfüllende warme Bässe sucht man bei dieser Gitarre vergebens. Positiv hervorzuheben sind die ausgeprägte Transparenz und Differenzieren des Tones und der insgesamt sympathische Charakter des Klangbildes.
Die Epiphones von 1958/59 bis 1970 wurden im Gibson-Werk in Kalamazoo hergestellt. Im Einzelnen gehören dazu die sechssaitigen Stahlsaitenmodelle Frontier, Texan, Cortez, Caballero, El Dorado, Excellente, Troubadour und die kleine Folkster. Die in den USA hergestellten Epiphones entsprechen weitgehend den Qualitätsstandards den Gibsons der Sechzigerjahre. Als 1969 der Norlin-Konzern Gibson und Epiphone kauft, stehen grundlegende Änderungen auf der Wunschliste des neuen Managements, allem voran die Erschließung fernöstlicher Produktionsstätten und damit das Ende der in den USA hergestellten Epiphone-Gitarren.
In jüngerer Zeit wurde in Kooperation mit Paul McCartney eine weitgehend authentische Wiederauflage der McCartney-Gitarre angeboten. Diese 2006 entstandene limitierte Auflage von 1.964 Exemplaren (entsprechend dem Geburtsjahr) wurde in Japan produziert. Im vergangenen Jahr folgte eine preiswertere „Inspired by“-Ausführung der Texan, gebaut in China.
Von Ralf Bauer (Text und Fotos)
Ein Blick in die Bücher zeigt, dass es sich mit dieser Ausgabe um den 86. Artikel unserer Kolumne handelt. Den größten Anteil nahmen bislang Gitarren von Gibson und Martin ein und repräsentieren so die Bedeutung dieser beiden Hersteller. Neben der Qualität und dem baulichen Konzept ist natürlich auch die Menge der gefertigten Instrumente entscheidend für Status und Stellenwert der beiden „Großen“.
Mit ihrem geringen Output sind die individuellen Instrumentenbauer hingegen allein auf ihre Baukonzepte und deren Ausführung angewiesen, um sich einen guten Namen zu erarbeiten. Da ist es gut, wenn ein populärer Musiker diese Instrumente in eine größere Öffentlichkeit trägt und sie in künstlerischer Art und Weise bekannt macht. Dennoch gab es in den vergangenen Jahrzehnten viele dieser kleinen Werkstätten, die zwar fantastische Instrumente herstellten, aber leider nur einer kleinen Szene bekannt wurden.Der in London ansässige John Bailey baut 1958 seine erste Gitarre. Er unterrichtet an der Haverstock- und später an der Hampstead-Schule „Woodwork“, interessiert sich für Saiteninstrumente im Allgemeinen und entschied sich zunächst für den Bau einer Balalaika. Im Verlauf kommen Dulcimers, Bouzoukis, Zithern, Flatback Mandolinen, 6- und 12-saitige Gitarren hinzu, sowie ein Rebec (Vorläufer der Violine), das er aus einem Stück Holz schnitzt. Während des Folk-Revivals der Sechzigerjahre versorgt Bailey Musiker wie Bert Jansch, Martin Carthy, Richard Thompson, Gordon Giltrap, Roy Harper, Marc Brierley, Anthony Philips oder John Pearse mit Instrumenten. Gut erinnert er sich auch an die Zeit, als er sich mit Sitars beschäftigte und dabei auf Musiker wie Ravi Shankar und Dewan Motihar traf, die die Hintergrund Musik für einen Beatles-Film spielten. Mit Bert Jansch entwickelt er eine experimentelle Elektrogitarre und eine akustische 12-saitige Gitarre, die Jansch bei Pentangle einsetzt. Auch die 1965 in Glasgow gegründete Incredible String Band hält sich an Bailey, der mehrere Instrumente für die Band anfertigt. Unter den Titeln ,Making A Folk Guitar' und ,Making An Appalachian Dulcimer' veröffentlicht die English Folk Dance And Song Society 1967 zwei Bücher Baileys zum Thema Instrumentenbau „... which my wife typed with two fingers on a battered old tyde writer, God bless her!“ Über den großen Einfluss dieser Bücher berichtet auch George Lowden, als er selbst mit dem Instrumentenbau begann.
Colin Wilkie kommt über John Pearse zu John Bailey und gibt eine 6-saitige Flattop-Gitarre in Auftrag. Bis dahin spielt er eine Gitarre von Grimshaw & Son, einem Hersteller und Händler, der in London eine Werkstatt und einen Laden unterhält. Emile Grimshaw Senior wurde 1880 geboren und entwickelte sich zu einem anerkannten Banjo Spieler, der der bekannten Savoy Band angehört. Zusammen mit seinem Sohn, der später im Jack Hylton Orchestra spielt, gründet die Familie 1934 ihr Unternehmen. Im Programm sind Banjos, Gitarren und Bücher, auch skurrile Instrumente wie eine Gitarre mit abnehmbarem Boden im Stil eines Banjos und später hauptsächlich semi-akustische E-Gitarren. Wilkie kauft sich 1959 eine akustische Grimshaw-Gitarre, die ein charakteristisches D-Schallloch in Selmer-Tradition besitzt. Als er 1965 die hier abgebildete Bailey bestellt, möchte er dieses typische Baudetail übernommen haben. 50 Pfund bezahlt er Bailey für das Instrument, damals umgerechnet rund 600 DM. Eine gute Investition, hat er neben einem hervorragenden Handwerkszeug auch eine Liebe fürs Leben gefunden. Bereits ein Jahr später landen Colin Wilkie und seine Frau Shirley Hart in Deutschland, sie lassen sich in Süddeutschland nieder. Dort begleitet die Bailey die Karriere Colin Wilkies und ist neben unzähligen Live-Auftritten auf sämtlichen Plattenaufnahmen vertreten.
Schadlos ist das Leben an der 6-saitigen Britin nicht vorüber gegangen. Klanglich muss sich die Bailey hinter keiner der oben genannten „Großen“ verstecken. Der Ton ist kräftig, mit festem und dichtem Charakter – wie man es von einer guten Vintage-Gitarre erhofft. Jegliche Spannungen im Holz scheinen längst von ihr gewichen zu sein, nichts mehr vom zickigen Antasten einer neuen Gitarre an deren Spieler. Bei der Holzauswahl hat Bailey die bewährte Kombination von Fichte und ostindischem Palisander gewählt. Eine gute Entscheidung für den musikalischen Einzelkämpfer Wilkie, haben die beiden auf der Bühne schließlich ein raumfüllendes Entertainment zu bewältigen. Aus gesundheitlichen Gründen musste John Bailey den Instrumentenbau vor etwa acht Jahren einstellen. Thanks John!
Von Ralf Bauer (Text und Fotos)
Die Gibson J-50 gilt als Pendant zur Martin D-18 und ist von ebenso schlichter Schönheit. Die charmante und zurückhaltende Ausstrahlung ist zeitlos und unaufdringlich; sie besticht durch innere Werte, Beständigkeit und einen guten Ton. Was will man mehr?
Entgegen etlicher Darstellungen in der sogenannten Fachliteratur wird die J-50 bereits zu Beginn des Krieges Anfang der Vierzigerjahre gebaut. Zunächst beschränken sich die Produktionszahlen dieses Modells jedoch nur auf einzelne Instrumente, ehe die J-50 ab 1947 nennenswert in Erscheinung tritt.
Die in Sunburst lackierte J-45 hingegen wird während dieser Zeit zur erfolgreichsten Flattop der Gibson Serie. Die Geschäftsführung entscheidet sich bereits zu Beginn der Kriegsjahre dafür, ausschließlich in Sunburst lackierte Instrumente anzubieten. Die dunkle und weitgehend deckende Sunburst-Lackierung kaschiert Hölzer zweiter Wahl leichter. Als sich in der zweiten Hälfte der Vierzigerjahre das Holzlager wieder füllt, die Mängeljahre vorüber sind, kommt auch die J-50 in Naturlackierung erneut zum Zuge.
Zwischen 1945 und 1954 ergeben sich die Änderungen der Roundshoulders – also der J-45, der J-50 und der Southern Jumbo – eher schleichend und in Form einzelner Konstruktionsdetails. Wie auch andere Hersteller wechselt Gibson das Holz der Decken und verwendet von nun an Sitka-Fichte; dies weniger aus klanglichen Gründen als vielmehr wegen der eingeschränkten Verfügbarkeit der knapp gewordenen Adirondack-Fichte. Die Kopfplatte verliert das typische Banner-Logo und wenig später auch den alten Gibson-Schriftzug, der durch ein modernes Blockschrift-Logo ersetzt wird. Die Stärke der Kopfplatte wird von nun an in einem einheitlichen Maß gefertigt, die Form der Hälse reduziert sich auf heute übliche Maße. Auffällig zeigt sich die Veränderung des Steges von der rechteckigen Form der Vorkriegsjahre hin zur sogenannten Upper Belly Bridge Anfang der Fünfzigerjahre. Der im Gegensatz zum Konkurrenten Martin verwendete umgekehrt verleimte Steg soll den statisch anfälligen Bereich zwischen Schallloch und Steg unterstützen. Die Stabilisierungsstreifen an der Zargeninnenseite sucht man bei der hier abgebildeten J-50 vergebens. Diese sogenannten side supports sollen Zargenrissen entgegenwirken, was bei massiven Hölzern durchaus vorkommen kann. Doch Gibson verwendet während dieser Zeit weitgehend laminierte Hölzer für die Zargen, mitunter auch für die Böden. Das interessante Innenleben an der Deckenunterseite, also Beleistung und Stegplatte, bleibt von 1942 bis 1954 weitgehend unverändert. Es charakterisiert sich durch ein scalloped bracing mit zwei Tonbalken und eine kleine schmale Ahornstegplatte, die sogenannte bridge plate. Die Summe dieser Änderungen resultieren natürlich in den Klangeigenschaften, ohne dass man dies werten will. Auf jeden Fall haben die Roundshoulders der frühen Fünfzigerjahre mit ihrem festen und offenen Ton den typischen Charakter der älteren Instrumente. Dies ändert sich ab 1955, als diese Bauform ein grundlegend neues Gesicht bekommt: konstruktiv, klanglich als auch in optischer Hinsicht; dazu mehr in einer späteren Ausgabe.
Denkt man an Musiker, die mit einer J-50 gespielt haben, erinnert man sich etwa an Bob Dylan, der auf seiner ersten LP ,Bob Dylan' mit einer J-50 aus dem Jahr 1947 zu sehen und zu hören ist (leider ist die Gitarre auf dem Cover seitenverkehrt abgebildet). Auch sein zweites Album ‚The Freewheelin Bob Dylan' ist teilweise auf diesem Instrument eingespielt. Der alte Gibson-Schriftzug (ohne Banner) ziert die Kopfplatte der J-50, unverkennbar ist auch der Rechtecksteg dieser Zeit. Dylan wurde dieses Instrument 1963 gestohlen, sodass er in der unmittelbaren Folgezeit mit einer Gibson Nick Lucas zu sehen ist. Ein Blues-Musiker, der sich über einen weitaus längeren Zeitraum konsequent an seine J-50 hielt, ist der „Piedmont Picker“ John Jackson aus Virginia. Er starb 2002 und war auch einige Male in Europa live zu hören. Seine J-50 entspricht der Zeit der hier abgebildeten Gitarre aus dem Jahr 1952. Der unbestrittene „Mister J-50“ ist allerdings der einzigartige Lightnin’ Hopkins. Im Schallloch seiner J-50 ist ein D'Armond Pickup eingebaut, und Hopkins erzeugt einen druckvollen Groove, der bis heute unerreicht bleibt. Hopkins` J-50 stammt aus dem Jahr 1956 und ist unschwer am großen Schlagbrett und dem Crown Inlay der Kopfplatte zu erkennen.
Über die drei genannten VIPs der Musikgeschichte hinaus ist die Gibson J-50 als echte Volksgitarre anzusehen. Kompromisslos konstruiert und aus besten Materialien gefertigt, wurde bei dieser Gitarre auf überflüssigen Zierrat verzichtet. So blieb dieses Instrument auch für die breite Masse erschwinglich und wurde in dementsprechend großen Stückzahlen produziert. Dass sie auf dem Vintage-Markt heute weitaus höhere Preise erzielt als seinerzeit wesentlich teurere Instrumente, das ist nicht zuletzt ihren hervorragenden Klangeigenschaften zu verdanken.
Von Ralf Bauer (Text und Fotos)
Spricht man über die Martin D-28, ist die Rede von der populärsten „Westerngitarre“ überhaupt. Zumindest umgangssprachlich wird die Stahlsaitengitarre und insbesondere diese Dreadnought-Form gern so benannt. Nicht wenige assoziieren damit Lagerfeuerromantik und Wild-West-Filme.
Tatsächlich fällt die Zeit der ersten kommerziell erfolgreichen Dreadnought-Gitarren in die Epoche der frühen, legendären Western-Filme aus den Dreißigern. In Wildwest- und Cowboy-Abenteuern, dargeboten in neuen Filmpalästen, musizieren Stars wie Gene Autry, Ray Whitley oder Tex Ritter auf perlmuttverzierten Martin-, Gibson- oder Larson-Gitarren schnulzige Countrysongs. Bei Martin ist zu der Zeit die D-45 das Topmodell und hält sich in den Katalogen von 1935 bis 1942. Die D-28 steht an zweiter Stelle der Modellhierarchie, verzichtet jedoch auf spektakuläre Perlmuteinlagen, hat weder gravierte Mechaniken noch weitere optische Details. Im Gegensatz zu ihrer hübschen Schwester hält sich die D-28 seit 1934 ununterbrochen im Angebot und hat sich längst zum industriellen Standardmodell gemausert. Auf Western-Romantik zielt die massig wirkende D-28 schon lange nicht mehr: wie ein Fels in der Brandung trotzt sie seit über 70 Jahren den zahlreichen einander folgenden Musikstilistiken.
Angesichts des Erfolges ist es wenig überraschend, dass zahllose andere Hersteller auf diesem Original aufbauen, es gibt unzählige Kopien der D-28. Konkurrenz belebt das Geschäft – so hat man sich auch bei Martin an die Qualitäten der eigenen Geschichte erinnert. In zahlreichen Reissues wurden die eigenen Stärken teils mehr und teils weniger erfolgreich in neue Instrumente eingebunden. Die Modellvielfalt hat in den letzten Jahrzehnten ein kaum überschaubares Maß erreicht und unterscheidet sich in dieser Hinsicht erheblich von der Anfangsphase der Dreadnought-Serie. Als die hier abgebildete D-28 hergestellt wird, steht dem interessierten Käufer lediglich die preiswertere D-18 als Alternative zur Verfügung. Vergleichbare Dreadnoughts anderer Hersteller sind zu jener Zeit schwer zu bekommen. Selbst der gut betuchte Gentleman bekommt mit der D-28 nicht nur das teuerste Martin Modell, sondern muss sich, um eines der 476 gebauten Exemplare des Jahres 1951 zu erstehen, eine mehrmonatige Lieferzeit hinnehmen. Mit 200 Dollar kostet die D-28 damals fast die Hälfte mehr als die D-18 mit knapp 130 Dollar. Ein vergleichsweise moderater Mehrpreis, zumindest im Vergleich zu heutigen Gitarren aus brasilianischem Palisander.
In den Fünfzigerjahren dominieren Elvis und Hank Williams die Charts, beide sind häufig mit einer Martin D-28 zu sehen, einer im Grunde eher unauffälligen Gitarre, die jedoch als solides Arbeitspferd mit fantastischen Klangeigenschaften überzeugt. Dies spiegelt auch die konservative Grundhaltung des Herstellers wider – Gitarristen, die in jenen Tagen Wert auf Perlmut verzierte Luxusmodelle legen, müssen sich gegebenenfalls anderweitig behelfen. In den Fünfzigerjahren tauchen mehr oder weniger geschmackvoll aufgemotzte D-28 auf. Eine Bereicherung oder gar ein Ersatz für die herrlichen D-45-Instrumente der Pre-War-Ära waren sie allerdings in keiner Weise.
Die D-28 der Nachkriegsjahre ist insgesamt etwas schwerer gebaut als ihre Vorfahren. Sie besitzt ein non-scalloped X-Bracing und ist meist mit einer Decke aus Sitkafichte ausgestattet. Das hier vorgestellte Exemplar fällt durch seine sehr schnelle Ansprache und den besonders obertonreichen Klangcharakter auf. Wie von einer Riopalisander-Gitarre zu erwarten, ist der Ton glockenklar, mit brillanten Höhen und einem wesentlich tieferen Bassanteil im Gegensatz zur D-18. Insofern entspricht die D-28 dem typischen HiFi-Sound und verkörpert damit ein Klangideal, das den Erfolg dieses Baukonzeptes mitbegründet. Die D-28 ist flexibel einsetzbar und schränkt sich keineswegs auf Liedbegleitung oder Flatpicking ein. Gerade die Bluegrass-Gitarristen, die sich fast ausschließlich mit Dreadnoughts schmücken, ziehen die D-28 der Fünfzigerjahre gerne den Vorkriegsinstrumenten vor. Letztere haben auf dem Vintage-Markt preislich deutlich angezogen: eine gute D-28 aus der Post-War-Ära ist da deutlich günstiger zu bekommen – ein fünfstelliger Betrag ist für ein gutes Instrument dennoch zu berappen. Beim abgebildeten Exponat wurden die originalen Kluson Waffle-Tuners durch neue Kluson-Mechaniken im Stil der D-18 ersetzt, der neuere Steg entlarvt sich durch sein geringfügiges Übermaß in der Höhe. Der Korpus befindet sich in rissfreiem und statisch einwandfreiem Zustand. Zur Gewährleistung einer komfortablen Bespielbarkeit musste diese Gitarre einer professionellen Halswinkelkorrektur unterzogen werden.
Von Ralf Bauer (Text) und Wilhelm Henkes (Fotos)
Zu Beginn des 2. Weltkriegs führen verschiedene Gründe zu einer Neugestaltung der Produktpalette der akustischen Gibson-Gitarren. Als neue Bauform wird die LG-Serie vorgestellt, die sich bis in die Sechzigerjahre hinein im Angebot halten sollte.
Das Kürzel LG steht für „Little Guitar“ und übernimmt während des Krieges peu à peu die legendäre L-Serie als kleinere Stahlsaitengitarre. Die Instrumente der L-Serie sind während der Dreißigerjahre preiswerte und attraktive Gitarren der Oberklasse, die in großen Stückzahlen hergestellt wurden. Schon alleine wegen des Preises sind die Instrumente der L-Serie in sämtlichen Genres vertreten, sie gelten als vielseitige Fingerpicking-Gitarren und werden gerne mit dem Blues assoziiert. Während die letzten L-00 Gitarren im Mai 1946 ausgeliefert wurden, erschienen bereits 1942 die neuen LG-Modelle. Die Gibson Inc. in Kalamazoo, Michigan, informierte seine Händler über das eingeschränkte Angebot der Kriegszeit. Zum Preis von $ 36,75 waren sowohl die L-00 als auch die LG-2 für $ 42,50 vertreten. Stolze $ 6,75 musste man übrigens für das passende ‚Challenge Case‘ berappen.
Im Zuge der Überarbeitung der Modellpalette ab 1942 erhalten die neuen Flattops einige optische Aufwertungen und Änderungen wie die multiplen Randeinlagen und Schalllochverzierungen, das Martin-ähnliche Teardrop-Schlagbrett aus Tortoise, dazu die neue Formgebung der Kopfplatte mit dem markanten Banner-Logo. Diese ersten sogenannten „Bannerheads“ aus dem Jahr 1942 sind durchweg leicht gebaute Instrumente mit modernen Halsmaßen, verstellbarem Stahlstab und ausgezeichneten Klangeigenschaften. Bei unserem abgebildeten Exponat handelt es sich um eine Gibson LG-1 mit Mahagonidecke und Kreuzbeleistung, sprich X-Bracing. Die FON (Factory Order Number) lautet 7706H-25 und wird dem ersten Baujahr 1942 zugeordnet. Nachforschungen von John Thomas und Willi Henkes, deren Texte und Bilder auch auf der Internetseite www.bannergibsons.com zur Verfügung stehen, sind derzeit im Gange. Ein Buch über die Gibson Flattops der Kriegsjahre soll ebenfalls erscheinen.
Im Detail: Ergänzend zur obligatorischen Sunburst-Lackierung bietet Gibson schon in den Jahren vor 1942 akustische Gitarren im Natural Finish an. Als ab 1942 die Modelle LG-2 und J-45 im Sunburst Finish angeboten werden, erhalten die Pendants in Natural Finish die Bezeichnungen LG-1, beziehungsweise LG-3 und J-50. Entgegen der einschlägigen Literatur werden Bannerheads in Natural Finish bereits während der ersten Kriegsjahre hergestellt und verkauft; ihre Seltenheit lässt dies in der Vergangenheit häufig unbeachtet. Inzwischen zweifelsfrei nachgewiesen, stellen diese Gitarren eine besondere Rarität dar.
Aus dem ersten Baujahr 1942 stammen die LG-1 mit Mahagonidecke und Natural Finish, die LG-2 mit Fichtendecke und Sunburst-Lackierung sowie die LG-3 mit Fichtendecke im Natural Finish. Sämtliche LG-Modelle dieser Zeit sind mit einem X-Bracing beleistet und unterscheiden sich von den späteren Modellbezeichnungen. Die ersten LGs haben Factory-Order-Nummern aus dem 7000er Bereich und ein „Salami-artiges“ Tortoise-Schlagbrett. Erst bei später hergestellten LGs mit Nummern ab dem 2000er Bereich ist teilweise wieder das gestreifte Schlagbrett der Vorkriegsjahre zu finden. Möglicherweise war das Tortoise-Material während des Krieges vorübergehend nicht verfügbar, und man griff auf die alten Bestände des gestreiften Materials zurück. Der bisher weitgehend verbreitete Kenntnisstand, dass Nummern aus dem 900er Bereich oder das gestreifte Schlagbrett für das Baujahr 1942 stehen, ist widerlegt und deutet vielmehr auf Auslieferungsdaten ab 1943 hin. Grundlegend sollte in diesem Zusammenhang auch beachtet werden, dass das Herstellungs- und Auslieferungsdatum durchaus in zeitlicher Distanz stehen. Es gilt weiter, dass die Produktion der 1942er LG-1 und LG-3 ab Ende des Jahres bis in die späten Vierzigerjahre ausgesetzt werden, also nur noch die LG-2 weiterproduziert wird. Während die LG-3 Ende der Vierziger mit den gleichen Features wieder verfügbar wird, bekommt die LG-1 nun eine Sunburst-Lackierung, eine Fichtendecke und eine Leiterverbalkung. Die Palette wird zur gleichen Zeit um ein weiteres einfaches Modell erweitert, nämlich die LG-0 mit leiterverbalkter Mahagonidecke.
Im Vergleich zum Mitbewerber liegt die Größe der LG zwischen der Martin 00 und 000 Form und besitzt ähnliche Proportionen wie eine klassische Gitarre. Deutliche Differenzen zu den Martins ergeben sich ergänzend durch die größere Korpustiefe, den größeren Schalllochdurchmesser und die große obere Breite der Bodys. Diese obere Weite entspricht sogar den Dimensionen der 16-Zoll-Jumbos, sprich J-45 und Southern Jumbo, die ebenfalls 1942/43 eingeführt werden.
Im Zuge des Blues-Revivals waren etliche Musiker mit diesen Instrumente aktiv und sind in Form von Fotos oder in Tonaufnahmen festgehalten. J.B. Lenior, der Mitte der Sechzigerjahre akustische Aufnahmen in Deutschland einspielte, die Memphis Blues-Legende Furry Lewis oder der alte Kumpan von Robert Johnson, Johnny Shines, seien hier genannt.
Von Wilhelm Henkes und Rudolph Blazer, Text aus Heft 4/99
Als im Jahre 1929 ein gewisser Perry Bechtel, ein sehr prominenter Banjo- und Gitarrenspieler der Martin Company, den Wunsch äußerte, er hätte gerne für sich eine Gitarre, ahnte niemand, dass man sich noch heute, also ziemlich genau 70 Jahre später, mit dieser Bestellung befassen würde.
Perry hatte doch nur ein paar „einfache“ Änderungen vorzuschlagen, wie z.B. eine etwas längere Mensur und einen Hals, der erst am 15. Bund in den Korpus übergeht. Die Firma hatte zwar schon ein Jahr zuvor ihre Tenorgitarren auf 14–Bund-Hälse umgestellt, optisch konnte man damit jedoch nicht wirklich zufrieden sein. So entschlossen sich die doch sehr in Traditionen verwurzelten Martin-Leute zum ersten Mal seit Jahrzehnten zu einigen ziemlich revolutionären baulichen Neuerungen. Man benutzte das ursprünglich für Darmsaiten konzipierte größte Modell aus dem Programm, die 000. Der eigentliche Wunsch von Perry nach einem 15–Bund-Hals war doch zu extrem, aber zusammen mit Martins damaligem Vorarbeiter, John Deichmann, fand man einen guten Kompromiss. Man veränderte etwas den unteren, aber vor allem kürzte man den oberen Teil des Korpus. Im Innern rutschte das Balkenkreuz und damit auch die Stegposition etwas nach oben. Des Weiteren wurde das Griffbrett so gewölbt wie bei Perry Bechtels L-5. Aus diesen Veränderungen resultierte eine harmonische Gitarre, die erste große sechssaitige Flattop mit 14 Bünden überhaupt. Im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt, was niemand damals ahnte, nämlich dass alles, was eine moderne Gitarre braucht, in diesem Design schon definiert wurde und bis heute seine Gültigkeit hat. Auch waren diese Neuigkeiten für die Martin Company Anlass, zahlreiche andere Modelle auf ähnliche Weise zu modifizieren. Ironie des Schicksals ist es wohl, dass diese „Orchestra Models“, die tatsächlich im Orchester bestehen sollten, im Laufe der Zeit zu absoluten Fingerpicking-Instrumenten avancierten. Gleich im Entstehungsjahr stellte sich heraus, welch ein Volltreffer diese neue OM war. Die Firma entschloss sich zu einer Sonderserie von 14 Modellen, die sogar noch reichhaltiger ausgestattet wurden als Perry Bechtels 45er-Modell, welches ohnehin nicht gerade karg ausgefallen war. Genauso wie vor ziemlich genau 70 Jahren wurde dieses Vorhaben jetzt wiederholt, womit wir beim heutigen Thema angelangt wären. Wieder sind es 14 OM-45 Deluxe mit der Zusatzbezeichnung „Golden Era“, die auf die Zeit der ersten Sonderserie hinweist.
Beginnen wir mit der Beschreibung der Hölzer und deren Auswahl. Die Decke ist aus Adirondack-Fichte der ersten Güte. Dieses Holz war damals Standard, heute nur noch schwer zu beschaffen, aber definitiv eines der besten Tonhölzer für Stahlsaiten-Gitarren. Das Gleiche gilt auch für das Rio-Palisander von Zargen und Boden, bei denen die Qualität an manche alte Martin aus vergangener Zeit erinnert. Diese 1a-Qualität setzt sich bei Griffbrett, Stegholz, Hals, Perlmutteinlagen etc. bis ins Detail fort. So sind z.B. im Gegensatz zu den regulären Martin-Modellen die Einlagespäne wie damals aus Holz und Ivoroid. Innen an der Zarge sind die altmodischen Leinenstreifen quer aufgeleimt, und, nicht unwichtig, der Hals hat eine V-Form wie damals üblich – ein Feature, das heute schon längst bei neuen Modellen zurückgekehrt ist. Selbstverständlich ist auch die gesamte Verbalkung detailgetreu gefertigt aus Adirondack, und in weiser Voraussicht auf die kommende Fingerpicking-Generation in gutem Martin-Stil „scalloped“. Natürlich auch getreu der „Golden Era“ wurde das Griffbrett mit Barfrets ausgestattet, eine sehr edle, aber auch recht arbeitsintensive Art der Bundierung, die heute kaum noch jemand anwenden kann.
Das überragende Niveau dieser auf 14 Exemplare limitierten Serie gipfelt in den handgravierten vergoldeten Banjomechaniken sowie in floristischen Einlagemotiven aus Perlmutt des in den Lack eingebetteten Schlagbretts. Bemerkenswert ist, dass Martin heute wieder über hoch qualifizierte Mitarbeiter verfügt wie Jerry Johnson und Dennis Kromer (Barfrets), Esther Reinert, Phyllis Kline, Dale Trach und Leon Klipple sowie Luann Werner und Phyllis Mitchem (Perlmuttarbeiten) – anders als in den späten 60ern, als Martin erst Mike Longworth anheuern musste, um überhaupt die 40er-Modelle nach 20 Jahren wieder produzieren zu können. Die OM-45 Deluxe „Golden Era“ ist ein absolutes Highlight, optisch, klanglich und in Bezug auf die Anschaffung oder, kurz im Originaltext von Martin: „The highest grade Martin ever cataloged!“




















































